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10.000 mal auf den Hochstein

So oft war Karl-Heinz Naussed schon auf dem Berg bei Kleindehsa. Doch eigentlich ist das maßlos untertrieben.

Karl-Heinz Naussed dokumentiert seine Aufstiege im Gipfelbuch des Hochsteins bei Kleindehsa.
Karl-Heinz Naussed dokumentiert seine Aufstiege im Gipfelbuch des Hochsteins bei Kleindehsa. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Auf den letzten Metern vor dem Gipfel hört Karl-Heinz Naussed plötzlich die Klänge eines Waldhorns. Da ahnt er schon, dass er bei diesem Aufstieg auf den Hochstein nicht allein sein wird. Zwar hatte er seinen engsten Wanderfreunden vom "Äberlausitzer Kleeblatt" erzählt, was er vorhat. Doch dass sie sich ebenfalls auf den Weg machen würden, um mit ihm darauf anzustoßen – damit hatte er nicht gerechnet. Umso mehr freut er sich nun darüber. "Das war sehr ergreifend", sagt er später.

Der Anlass ist aber wirklich ein Grund zum Feiern. 10.000 mal auf denselben Berg steigen soll ihm erst mal einer nachmachen. Angefangen hat alles vor 35 Jahren ganz "harmlos" mit zunächst fünf Aufstiegen. 1997 waren es dann schon 300 in einem Jahr. In letzter Zeit ging Karl-Heinz Naussed fast täglich auf den Hochstein. Den Beweis liefert ein Blick ins Gipfelbuch. Dort hat er seine Aufstiege dokumentiert. Eigentlich war er sogar noch viel öfter dort oben. Für seine Zählung hat der Kleindehsaer nur einen Aufstieg pro Tag gezählt. Weil er aber öfter auch zweimal am Tag auf den Hochstein geht, könnten es alles in allem bereits an die 11.000 mal gewesen sein, schätzt er. Er könnte dafür die 1,5 bis drei Kilometer kurzen geraden Wege nehmen. Aber das wäre ihm auf Dauer zu wenig. Also nimmt der 70-jährige oft die sechs bis acht Kilometer langen Routen nach oben. Oft begleitet ihn dabei die Schäferhündin Cora. Das alles sind für ihn jedoch "nur" Übungskilometer. Insgesamt zeigt seine Bilanz um die 50.000 Kilometer. Ohne den Hochstein wohlgemerkt. Er wandert europaweit, war schon in den Alpen und mehrmals in den Niederlanden und selbstverständlich auch in Sachsen unterwegs.

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Kleindehsaer schon 50.000 Kilometer unterwegs

Ganz offensichtlich liebt Karl-Heinz Naussed das Wandern. Ihn reize daran die Kombination aus Natur und die Bewegung, sagt er. Ein mehr als angenehmer Nebeneffekt sei die gleichbleibend stabile Gesundheit und Fitness, die man sich damit erhalten kann. "Ich gehe lieber jeden Tag auf den Hochstein als in die Gaststätte Bier trinken", sagt er.

Doch noch wichtiger sind ihm seine Wanderfreunde. "Beim Wandern ist die Begleitung entscheidend", sagt er. Man lerne Gleichgesinnte und sogar neue Freunde aus allen Gegenden Deutschlands kennen. Zum 70. Geburtstag bekam er eine Fotomontage von Freunden aus Frankfurt geschenkt. Sie zeigt all die Wanderungen, auf denen sie gemeinsam waren. Er trifft diese Leute nur zu diesen Veranstaltungen und dennoch dachten sie an seinen Geburtstag. Solche Erlebnisse sind es, die das Wandern für Karl-Heinz Naussed zu etwas besonderem machen.

Karl-Heinz Naussed wird bei seinen Aufstiegen oft von Schäferhündin Cora begleitet.
Karl-Heinz Naussed wird bei seinen Aufstiegen oft von Schäferhündin Cora begleitet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die engsten Freunde vom "Äberlausitzer Kleeblatt" hatten Sekt mitgebracht und stießen mit ihrem Wanderleiter auf den Erfolg an. 
Die engsten Freunde vom "Äberlausitzer Kleeblatt" hatten Sekt mitgebracht und stießen mit ihrem Wanderleiter auf den Erfolg an.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Entdeckt hat er das Wandern etwa zur Wendezeit. 1989 lief er sogar mal erfolgreich beim Rennsteigmarathon mit. Doch dann wollte er es ruhiger angehen lassen und schloss sich dem "Äberlausitzer Kleeblatt" an. Das ist der Name der Cunewalder Wandergruppe und gleichzeitig die Bezeichnung für vier Wandertouren durch das Oberlausitzer Bergland. Inzwischen ist Karl-Heinz Naussed Wanderleiter der Gruppe und führt interessierte Einheimische und Touristen durch seine Heimat.

Auch dabei hat er viele schöne Erlebnisse. So wie bei der Tour zur Kirschblüte nach Klein Radisch. Da wurde er früh vom Trommeln dicker Regentropfen an seinem Fenster geweckt und befürchtete fast, dass keiner mitgeht. Doch dann standen 20 perfekt mit Regenklamotten angezogene Leute da und wollten die 15 Kilometer unbedingt gehen. Also kämpften sie sich durch den Regen und trotzten der Kälte. Von dieser Wanderung erzählen sie heute noch. Doch das heißt nicht, dass sie um jeden Preis gehen. Einmal musste der Wanderleiter auch eine Tour absagen. Feuchter, schwerer Schnee ließ die Gefahr steigen, dass Äste brechen und die Wanderer unter sich begraben. In Situationen wie diesen geht selbstverständlich die Gesundheit vor, sagt Karl-Heinz Naussed.

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Karl-Heinz Naussed besteigt fast täglich den Berg in Kleindehsa. Er ist knapp 9.000 Mal auf dem Gipfel gewesen.

Ansonsten sei Wandern ein sehr ungefährliches Hobby. Neulingen rät er, die Schuhe an- und die Haustür zuzuziehen und dann einfach loszugehen. Auch wenn es anfangs nur eine halbe Stunde sei. Nach einem Jahr gehe man wie selbstverständlich auch zehn Kilometer und mehr am Tag. Wichtig sei es, viel zu trinken. Ein richtiger Wanderer habe die Gaststätte immer im Rucksack dabei und trinkt bei jedem Halt einen Schluck aus seiner Flasche.

Die hat Karl-Heinz Naussed garantiert auch dabei, wenn er - offiziell - zum 11.000 mal auf den Hochstein wandert.

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