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100 Betriebe präsentieren Jobchancen 

Die Ausbildungs- und Studienmesse „Zukunftsnavi“ lockte am Wochenende in die Berufsakademie Bautzen. Das Interesse war gewaltig – nicht nur bei Schülern.

Von Carmen Schumann
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Mathias Eichler lässt sich bei der Budissa Agrar GmbH Kubschütz zum Landwirt ausbilden. Er ist stolz auf seinen Beruf und versuchte auf der Messe „Zukunftsnavi“ in Bautzen, auch andere Jugendliche dafür zu begeistern.
Mathias Eichler lässt sich bei der Budissa Agrar GmbH Kubschütz zum Landwirt ausbilden. Er ist stolz auf seinen Beruf und versuchte auf der Messe „Zukunftsnavi“ in Bautzen, auch andere Jugendliche dafür zu begeistern. © Carmen Schumann

Bautzen. Dass Mathias Eichler stolz auf seinen Beruf ist, kann man schon von seinem T-Shirt ablesen. Er lässt sich bei der Budissa Agrar GmbH in Kubschütz im zweiten Lehrjahr zum Landwirt ausbilden. Bei der Ausbildungs- und Studienmesse „Zukunftsnavi“ am Sonnabend in der Bautzener Berufsakademie kam er mit Gleichaltrigen ins Gespräch. Er erzählte ihnen, dass er am Beruf des Landwirts besonders die Vielseitigkeit schätzt. Und dass es für ihn ein gutes Gefühl ist zu wissen, dass man mit den produzierten Lebensmitteln etwas für die Gemeinschaft tun kann. Mit Ausbildungsleiterin Karola Urban hatte er sich auch auf Fragen zu den Bauernprotesten vorbereitet. Die blieben jedoch aus. Die beiden Budissa-Mitarbeiter betonen aber: „Wir brauchen faire Preise!“ Deshalb sei man auf die Straße gegangen. Erfreulich sei für Karola Urban gewesen, dass sich auf der diesjährigen Messe mehr Jugendliche für einen Landwirtschaftsberuf interessiert hatten als im Vorjahr.

Kunststoffindustrie stark vertreten

Stark vertreten auf dem Zukunftsnavi war die Kunststoffindustrie, was auch die Gegebenheiten in der Region widerspiegelt. Sven Schulze und Peggy Wagner vom Bildungszentrum Kunststoffe „Polysax“ waren mit ihrem Stand umgeben von weiteren Betrieben der Kunststoffindustrie. Erstmals vertreten war auf dem Zukunftsnavi auch das Berufliche Schulzentrum Radeberg. Und dies aus gutem Grund. Dort werden nämlich im Fachschulbereich Techniker für die kunststoffverarbeitenden Betriebe ausgebildet. Alles in allem war somit ein ganzes Netzwerk vertreten von Unternehmen, die die Praxis und die Theorie vermitteln. „Als Polysax übernehmen wir jene Ausbildungsinhalte, die die produzierenden Betriebe nicht anbieten können“, sagte Peggy Wagner. Auch Weiterbildungen werden bei Polysax angeboten.

Chancen für Behinderte

Bei der Firma Kunath aus Bretnig-Hauswalde ratterte eine Nähmaschine, die von Geschäftsführerin Grit Hartmann bedient wurde. Carina Günzler, die an den Stand herantrat, konnte das Geräusch nicht hören, denn sie ist gehörlos. Sie wollte aber das Zukunftsnavi nutzen, um ihre beruflichen Chancen auszuloten. Vermittelt durch Gebärdendolmetscherin Ramona Nitzschner erfuhr sie, dass sie beim traditionsreichen Familienbetrieb Kunath gute Chancen hätte. Denn die Berufsbekleidung, die dort gefertigt wird, hat einen guten Ruf. Und die Ausbildung zur Näherin werde wieder mehr nachgefragt, weil der Trend zum individuellen Gestalten und auch zum Upcycling bei jungen Leuten in ist. Für Katrin Erler, pädagogische Mitarbeiterin bei der SBH Südost, ist die gehörlose Carina Günzler eine der von ihr zu Betreuenden, die sie in Arbeit bringen möchte.

Sven Schulze und Peggy Wagner von Polysax warben für eine Ausbildung in der Kunststoffindustrie.
Sven Schulze und Peggy Wagner von Polysax warben für eine Ausbildung in der Kunststoffindustrie. © Carmen Schumann

Auch dies ist ein Aspekt der Ausbildungsmesse. Denn diese richtet sich nicht nur an junge Leute aus den oberen Klassen der Schulen, sondern gleichermaßen auch an alle, die sich beruflich verändern wollen. So kam auch der Stahlbetonbauer Sandro Sattler, der sich am Stand von Regio-Bus über seinen möglichen Chancen, zum Busfahrer umzusatteln, informieren wollte. Mit seinem Wunsch rannte er bei Geschäftsführerin Andrea Radtke offene Türen ein. Denn Busfahrer werden dringend gesucht und daher werden auch Berufsfremde umgeschult. Bei Regio-Bus kann man zudem auch den sehr begehrten Beruf des Kfz-Mechatronikers erlernen. Andrea Radtke war deshalb mit der Nachfrage an ihrem Stand sehr zufrieden.

Suche nach einem Schülerpraktikums-Platz

Zufrieden war auch Sabine Gotscha-Schock von der Handwerkskammer. Auch sie war von etlichen Praxisberatern aus den Schulen angesprochen worden. Diese sind beim FAW oder beim BBZ angesiedelt und werden seit nunmehr drei Jahren nach und nach an den Schulen installiert. Sie hatten die Schüler auch auf die Ausbildungsmesse hingewiesen. Die Praxisberater können nun als Multiplikatoren dienen, für all jene Schüler, die nicht zu den rund 1.000 Besuchern des Zukunftsnavis gehörten. Anton Richter aus Neschwitz informierte sich jedoch mit seinem Vater vor Ort. Für den 14-Jährigen stand aber erst einmal die Suche nach einem Schülerpraktikums-Platz im Vordergrund.

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