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100 Seiten regionale Bahngeschichte

Für die Kohle wurde ein Bahnnetz geschaffen, das nicht mehr benötigt wird. Rainer Kiesel hat ein Buch darüber geschrieben.

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In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Spuren des einstigen Gleisnetzes rund um Hoyerswerda zurückgebaut. Wenn die Niederschlesische Magistrale erst einmal fertig ist, wird kaum noch etwas von den alten Anlagen übrig sein. Die Lokschuppen sind weg, die letzten Kilometer der einstigen Zeißholzbahn ebenfalls. Der Bahnhof Knappenrode wird bis auf ein Überholgleis reduziert. Kein Zweifel: Die Hochzeit der Eisenbahn ist hier vorbei. Es gibt nur wenige Menschen, die sich detailliert in der Geschichte des regionalen Eisenbahnwesens auskennen. Es gibt aber wohl nur einen, der all das in den letzten Jahrzehnten auch fotografiert hat. Der gebürtige Klettwitzer Rainer Kiesel hat ein unglaublich großes Archiv an Fotos von Lokomotiven, Zügen und Bahneinrichtungen.

Ein Teil davon findet sich in dem Buch „Der kleine Kohlering“ wieder. Auf knapp 100 Seiten zeigt der Autor auf, wie sich der Aufbau der DDR-Braunkohleindustrie auf das Eisenbahnnetz der Lausitz auswirkte. Denn die Kohle musste aus den Tagebauen in die Brikettfabriken und vor allem in das Gaskombinat Schwarze Pumpe gelangen. Eine enorme Logistik mit Normalspur- und Schmalspurbahnen als Rückgrat. Rainer Kiesel nimmt den Leser mit in die Geschichte, erläutert fundiert technische Ausrüstungen und Betriebsabläufe, erzählt Anekdoten und lässt die Bilder sprechen. Ganz nebenbei wird auch der Berufsverkehr zwischen Hoyerswerda und Schwarze Pumpe dargestellt und Kiesel zeigt seine einst heimlich von Militärtransporten gemachten Bilder. Wo Kiesel selbst keine Bilder hatte, greift er auf die anderer Fotografen zurück. Entstanden ist ein erstaunliches Buch über die regionale Kohle- und Eisenbahngeschichte – deren Spuren immer weiter verschwinden. (SZ)