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Hospiz wird immer stärker nachgefragt

100 Tage liegen hinter der Nieskyer Einrichtung. Nun werden Ehrenamtler gesucht. Mit vielfältigen Aufgaben.

Andacht im Raum der Stille. Das Nieskyer Hospiz hat die ersten 100 Tage absolviert. Die intensive Betreuung der Gäste steht dabei immer im Vordergrund.
Andacht im Raum der Stille. Das Nieskyer Hospiz hat die ersten 100 Tage absolviert. Die intensive Betreuung der Gäste steht dabei immer im Vordergrund. © André Schulze

Mitte Februar waren die ersten 100 Tage vorbei. Von Beginn an zeichnete sich ab, dass der Bedarf groß ist an den Leistungen des neuen Nieskyer Hospiz. Mittlerweile hat die Einrichtung ihre volle Auslastung erreicht. Tristesse komme trotz des ernsten Hintergrundes nicht auf, versichert Pflegedienstleiter Matthias Küttner.

Allmähliches Wachsen war die richtige Strategie

Er ist froh, dass die erste Phase nach der Eröffnung so gut gelaufen ist. Die Strategie des langsamen Wachsens habe sich bewährt. "Vier Tage, nachdem wir startklar waren, ist der erste Gast bei uns eingezogen. Im Laufe des Novembers hat sich die Zahl der Neuaufnahmen dann auf vier erhöht." Im Dezember habe sich das mit sechs weiteren Gästen fortgesetzt. Momentan seien elf der zwölf zur Verfügung stehenden Zimmer belegt.

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"Anfangs war das Personal noch nicht vollständig, manche Dinge wurden noch nachgeliefert, mussten angepasst und verändert werden", erklärt Küttner. So sei man mit der Einrichtung zusammen innerhalb der vergangenen 100 Tage groß geworden.

Krankenhäuser sehr am Hospiz-Angebot interessiert

Noch im März, berichtet der Pflegedienstleiter, werde man erstmals die volle Auslastung erreichen. Wobei es Anfang des Jahres durchaus eine Flaute zu überstehen galt. "Unser Angebot musste erst bekannt werden. Anfang Januar hätten wir uns eine bessere Belegung gewünscht.

Im Februar haben wir gespürt, wie das Interesse an den Leistungen des Hospiz stieg." Seitdem würden nicht nur Privatpersonen immer wieder anfragen, auch die Krankenhäuser der Region - zum Beispiel aus Niesky, Weißwasser, Bautzen und Hoyerswerda - hätten inzwischen Kontakt aufgenommen. "Sogar Dresdener Kliniken haben Erkundigungen eingezogen." Oft würden die Hospiz-Gäste von den Palliativstationen der Krankenhäuser in die Einrichtung an der Plittstraße verlegt.

Positives Feedback oft erst nach dem Ableben der Gäste

Auch wenn die Gäste an unheilbaren Krankheiten leiden und deshalb wissen, dass ihr Aufenthalt im Hospiz der letzte Weg ihres Lebens ist, sind die Verweilzeiten sehr unterschiedlich. "Wir betreuen drei Gäste, die sind schon seit Anfang Dezember bei uns. Es gab andere, die waren schon nach wenigen Tagen tot", erzählt Matthias Küttner. Von insgesamt 35 Gästen seien inzwischen 24 verstorben, die durchschnittliche Verweildauer liege bei etwa 24 Tagen.

"Erfolg oder Misserfolg unserer Arbeit kann man aber nicht mit Zeiträumen belegen. Unser oberstes Gebot lautet: Der Gast soll sich gut aufgehoben fühlen." Ein positives Feedback gebe es oft erst nach dem Ableben der todkranken Menschen: "Wenn sich die Hinterbliebenen anerkennend äußern, ist das für die Mitarbeiter eine nicht zu unterschätzende Motivation."

Trübsal blasen hilft nicht weiter

Das insgesamt 26 Personen starke Hospiz-Team hat sich längst auf die besonderen Anforderungen einer solchen Einrichtung eingestellt. "Aktuell bringen wir die Tagesabläufe zu Papier und leiten daraus Standards ab. Daraus ergibt sich ein Ablaufplan, mit dem neue Mitarbeiter schnell eingearbeitet werden können", sagt Küttner. Trotz des ernsten Hintergrundes komme der Spaß an der Arbeit nicht zu kurz. "Wir haben hier schon einen 70. Geburtstag gefeiert und dabei auch fröhliche Lieder gespielt." Trübsal zu blasen, helfe ja nicht.

Ehrenamtler sind für die Gäste unverzichtbar

Schon nach den ersten 100 Tagen zeichnet sich ab, dass das Hospiz nicht auf ehrenamtliche Unterstützung verzichten kann. "Wir brauchen Leute, die bei den Gästen mal am Bett sitzen, sie mit dem Rollstuhl spazieren fahren, Spiele mit ihnen machen oder Rätsel lösen. Das kann das Personal allein nicht leisten", wirbt der Pflegedienstleiter um das Engagement der Nieskyer.

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Wer möchte, kann auch dem Förderverein beitreten. Der kümmert sich unter anderem um die finanzielle Absicherung des Hospizbetriebes. Denn neben den 95 Prozent des Tagessatzes, die von der jeweiligen Krankenkasse übernommen werden, müssen vom Träger, also Emmaus, die restlichen fünf Prozent gestemmt werden. "Firmen leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Aber auch die Angehörigen von Verstorbenen zeigen sich im Nachhinein oft sehr spendabel", so Küttner.

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