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100 Tonnen Erz fürs Labor

Die Deutsche Lithium GmbH nimmt in Zinnwald eine Großprobe. Die kanadischen Partner brauchen das.

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© Deutsche Lithium GmbH

Von Franz Herz

Zinnwald. Im Tiefen-Bünau-Stollen in Zinnwald wird derzeit Erz gefördert. Die Deutsche Lithium GmbH nimmt eine Großprobe in der Lagerstätte Zinnwald, um die Aufbereitungsverfahren zu testen, wie Professor Armin Müller, Geschäftsführer des Unternehmens informierte. 100 Tonnen Gestein werden seit August in Seitengängen des Bünau-Stollens gebrochen und mit Förderzügen zum Mundloch gefahren. Hier wird das Gestein verladen und nach Freiberg gebracht. Dort wird eine Fachfirma es in ihren Laboren untersuchen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis Mitte September.

Die Probenahme hat vor allem einen Zweck. Die bisherigen Erkenntnisse aus der Erkundung der Lagerstätte wurden nach europäischen Regeln dokumentiert und müssen jetzt an den kanadischen Standard angepasst werden. 2011 hat die Solarworld Solicium GmbH die Berechtigung bekommen, den Lithium-Vorrat auf der deutschen Seite von Zinnwald zu erkunden. Das Tochterunternehmen des Solarworld-Konzerns hat darauf begonnen, die Lagerstätte nach den Regeln des europäischen Perc-Standards zur Bewertung von Rohstoffvorräten zu untersuchen. Dafür hat Solarworld Solicium bereits 2011 eine Gesteinsprobe abgebaut. 20 Tonnen wurden damals gefördert. 2012 ließ das Unternehmen Tiefbohrungen machen. 2013 lag schließlich eine Machbarkeitsstudie vor.

Während der Erkundung in Zinnwald geriet allerdings der Solarworld-Konzern in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die schließlich dieses Jahr in die Insolvenz führten. Das Lithiumprojekt ist nicht mehr von Solarworld abhängig. Hier ist ein kanadischer Partner eingestiegen, die Bacanora Minerals Ltd. aus Calgary hat für fünf Millionen Euro die Hälfte des Projekts gekauft. Bacanora-Chef Peter Secker ist neben Armin Müller auch Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH geworden.

Die Kanadier haben zudem die Führung in dem Projekt übernommen und bezahlen auch die weiteren Investitionen. Deswegen muss auch die bestehende Machbarkeitsstudie vertieft werden, sodass sie dem kanadischen Standard (CIM) entspricht. Damit sollen dann Investoren überzeugt werden, die nach Abschluss der Erkundungen Geld für die Errichtung eines Bergwerks investieren würden.

Zinnwald ist eine bedeutende Lagerstätte für Lithium. Ein lithiumhaltiges Mineral namens Zinnwaldit wurde sogar nach dem Bergbauort im Osterzgebirge benannt. Der Vorrat hier wird auf 80 000 Tonnen geschätzt. Es wäre möglich, im Jahr 15 000 Tonnen abzubauen. Das wäre rund ein Zehntel der Weltproduktion von Lithium, die bei 150 000 Tonnen liegt. Für das Metall wird eine stark steigende Nachfrage erwartet, weil es eine Komponente von Akkus ist, die in immer mehr mobilen Geräten wie Handys oder Elektroautos eingebaut werden.

Die erste große Gesteinsprobe wurde 2011 an der TU Bergakademie Freiberg analysiert, um dafür die passende Aufbereitungstechnik zu finden. Das ist jetzt nicht vorgesehen. „Das wird eine private Firma übernehmen“, sagt Armin Müller.

In Zinnwald laufen die Arbeiten parallel zum Betrieb im Besucherbergwerk „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“. Abgebaut wird in Stollen, die für die Bergwerksbesucher nicht zugänglich sind, wie Christoph Schröder, der Leiter des Bergbaumuseums Altenberg sagt. Das ist aus Sicherheitsgründen gar nicht anders möglich.

Die Bergleute nutzen aber den Hauptstollen, in dem in kleinen Förderzügen, die aus mehreren Hunten bestehen, das Material zutage gebracht wird. Diese Transporte fahren aber nur zu Zeiten, wenn das Museum geschlossen ist. „Wir haben das so abgesprochen“, sagt Schröder.

Besucherbergwerk Zinnwald geöffnet von Mittwoch bis Sonnabend, von 10 bis 15 Uhr.