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100 Unfälle in vier Jahren auf der B6

Auf der Umgehungsstraße bei Reichenbach kracht es häufig. Doch der Freistaat zögert mit Gegenmaßnahmen.

Fünf Menschen sind am vergangenen Mittwoch bei diesem Verkehrsunfall auf der B 6 bei Reichenbach schwer verletzt worden.
Fünf Menschen sind am vergangenen Mittwoch bei diesem Verkehrsunfall auf der B 6 bei Reichenbach schwer verletzt worden. © LausitzNews/Jens Kaczmarek

Die Unfallserie auf der Umgehungsstraße bei Reichenbach reißt nicht ab. Fünf Menschen wurden am Mittwoch bei einem Verkehrsunfall verletzt, als ein 87-jähriger Skodafahrer die B 6 von der S 111 in Richtung Weißenberg überqueren wollte. Laut Polizei übersah der Mann dabei mutmaßlich einen Seat. Bei dem Zusammenstoß wurden drei Erwachsene und zwei Kinder leicht verletzt und vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

Auf Facebook löste die Meldung verschiedene Reaktionen aus. „Die Kreuzungen um Reichenbach sind eine einzige Gefahrenstelle“, kommentierte etwa Heiko Wolf. Auf der B 6 fahrend, schaue man „immer bangend auf die Nebenstraßen, ob der untergeordnete Verkehr tatsächlich bremst.“ Ute Fraustein sieht das ähnlich. „Die Kreuzung ist unübersichtlich und gefährlich“, schreibt sie. Als Lösung schlägt sie die Errichtung von Kreisverkehren vor. Der Vorschlag taucht mehrmals im Internet auf.

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Neu ist diese Idee nicht. Bereits vor drei Jahren hatten Reichenbachs Stadtverwaltung und die Polizei das Unfallgeschehen auf der Umgehungsstraße auf dem Schirm. Neben einem Tempolimit waren als weitreichender Lösungsvorschlag Verkehrskreisel im Gespräch.

Beschließen und Bauen kann diese aber nur das Landesamt für Umwelt und Straßenverkehr (Lasuv), weil es sich um eine Bundesstraße handelt. „Laut Unfallkommission des Landkreises Görlitz gibt es Auffälligkeiten an den Kreuzungen mit der K 8409 und der S 111“, teilte Lasuv-Sprecherin Isabell Pfeiffer auf Nachfrage mit: „Statistisch gesehen sind das jedoch keine Unfallschwerpunkte.“ Deswegen werde zunächst mit erweiterter oder geänderter Beschilderung versucht, die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Das sei schon vor geraumer Zeit passiert.

Kreisverkehr sorgt für Immissionen

An mehreren Kreuzungen des Streckenabschnitts um Reichenbach ist die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer reduziert worden. Trotzdem gab es Unfälle. „Kreisverkehre haben auch negative Seiten. Sie verringern die Leistungsfähigkeit der Hauptstraße, verursachen höhere Schadstoffimmissionen und sie erschweren Sondertransporte erheblich oder machen sie ganz unmöglich“, heißt es seitens des Lasuv. Bauliche Veränderungen wie gar Umbau der Kreuzungen wäre das letzte Mittel. Im konkreten Fall sei derartiges nicht geplant, „sofern die Unfallkommission auch weiter keinen dringlichen Handlungsbedarf anmeldet“, sagte Pfeiffer. Die Auswertung 2019 komme erst zum Jahresende.

Die Kreuzungsbereiche der B 6 Oehlischer Weg sowie S 111 werden als „Unfallhäufungsstellen aktuell im Rahmen der Unfallkommission vom Landkreis behandelt“, sagte Anja Leuschner, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz: „Ist eine Kreuzung Unfallhäufungsstelle, werden die Gründe für die Häufung in der Unfallkommission analysiert und geeignete Maßnahmen beschlossen.“ Das könne auch der Umbau einer Kreuzung zu einem Kreisverkehr sein.

Völlig vom Tisch ist das Thema also offensichtlich nicht. Allerdings müssten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Beispielsweise zählt die Gewährleistung eines möglichst hohen Verkehrsdurchflusses an der Hauptachse dazu. Die weiteren Kreuzungsbereiche bleiben laut Polizei ebenso im Blickpunkt. „Zum einen sind regelmäßige Verkehrsschauen durchzuführen“, so Leuschner. Zum anderen werde die Unfalllage „stetig beobachtet, um neu auftretende Häufungsstellen schnell zu erkennen“.

Die Pressestelle der Polizei hat auf Bitte der SZ nachgeforscht, wie sich das Unfallverhalten in den letzten Jahren zahlenmäßig darstellt. Danach kam es auf dem nur 4,5 Kilometer langem Streckenabschnitt von der Kreuzung Oehlischer Weg vor dem Ortseingang Sohland bis zur östlichen Einmündung Oberreichenbach zwischen 2014 und 2018 zu 100 Unfällen, davon 24 mit Personenschaden.

Die erschreckende Bilanz: Ein Toter, 14 Schwerverletzte und 20 leicht verletzte Menschen. 22 Schadensereignisse passierten aufgrund eines Fehlers beim Einbiegen beziehungsweise beim Kreuzen der Umgehungsstraße. „Lediglich ein Verkehrsunfall in diesem Zeitraum ereignete sich im Zusammenhang mit einem Überholmanöver“, sagte Anja Leuschner. 52 der 100 Unfälle waren nach Polizeiangaben Wildunfälle. Zum Vergleich: Innerhalb von zehn Jahren im Zeitraum von 2005 bis 2015 gab es – ohne Einbeziehung der Kreuzung bei Sohland – 81 Unfälle mit 66 Verletzten. Ein Mensch starb im Oktober 2012.

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