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100 000 Tulpen für den Schaugarten

Die Gartenbau-Firma Bohr hat die Löbauer Gartenschau mitgestaltet. Jetzt hat sie eine neue Attraktion geschaffen.

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Von Carmen Schumann

Der Wind pfeift über den neuen Schaugarten der Garten- und Landschaftsbaufirma Bohr. Und das, obwohl er von einer Reihe Pappeln begrenzt wird, die gegen den Sturm schützen sollen. Gepflanzt wurden diese Bäume von Otto Bohr, dem Gründer der Firma. Der gebürtige Schlesier aus Grünberg, dem heutigen Zielona Gòra, hatte in Särka bei Weißenberg auf Bodenreformland 1946 eine Baumschule eröffnet. Einige Jahre später ging man zur Tulpenproduktion über. Der Anbau dieser Zierpflanzen wurde später durch die LPG „Am Stromberg“ fortgeführt, in die die Familie Bohr 1961 eintreten musste. „Wir zogen Tulpenzwiebeln für die Bezirke Dresden und Cottbus“, sagt Christoph Bohr, der zusammen mit seiner Frau Karin nach der Wende zu den Wurzeln zurückgekehrt war und 1991 den Garten- und Landschaftsbau gegründet hatte. Vor fünf Jahren übertrug er den Betrieb an seinen Sohn Steffen und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Als kleine Erinnerung an die großen Zeiten des Tulpenanbaus legten die Bohrs im letzten Jahr einen Schaugarten hinter dem Wirtschaftshof an, der zwei Hektar groß ist. Anlass war das Jubiläum des Neustarts vor 25 Jahren. Der Schaugarten wirkt fast wie eine Miniaturausgabe einer Landesgartenschau. Sage und schreibe 100 000 Tulpenzwiebeln brachten die Bohrs und ihre Mitarbeiter in die Erde. Neun verschiedene Sorten sind da zu sehen. Einige besonders früh blühende sind schon am Verwelken, aber dort wachsen bereits Sommerblumen nach. Zu den Tulpen kamen noch der sogenannte „Präriegarten“ mit Stauden, ein Rosenbeet sowie Gehölze hinzu. Dabei handelt es sich unter anderem um Rhododendren und um Parkbäume wie Tulpen- und Schnurbaum, sowie Ginkgo.

Apropos Landesgartenschau: Für die Veranstaltung im Jahr 2012 in Löbau hatte die Firma Bohr eine Arbeitsgemeinschaft mit der Löbauer Baufirma STL gebildet und dort Beete und Wege angelegt und sich um die Bepflanzung und Pflege gekümmert. „Ab und zu bekommen wir noch Nachfolgeaufträge zur Pflege dieses Geländes“, sagt Christoph Bohr. Damals konnte die Firma ihr Personal auf 30 Mitarbeiter aufstocken. Mittlerweile sind es nur noch 21. Doch Christoph Bohr sagt: „Wir wollen auch nicht weiter wachsen.“ Er ist stolz, dass von den Männern der ersten Stunde zwei immer noch dabei sind und dass mehr als die Hälfte der heutigen Belegschaft direkt im Betrieb als Lehrlinge ausgebildet wurde. So auch Denis Röhrer, der am Dienstag zusammen mit Christoph Bohr verwelkte Tulpenstängel aus den Beeten entfernte. Unter den 21 Mitarbeitern sind vier Frauen, die sich vor allem um die leichteren Pflegearbeiten kümmern. Christiane Bohr, die Frau des Inhabers Steffen Bohr, hat dagegen die gesamte Buchhaltung in der Hand. Und sie hofft, dass einer der drei Söhne im Alter von fünf, sieben und elf Jahren dann einmal die Firmennachfolge antreten wird. Immerhin pflegen die drei schon ihren eigenen Gemüsegarten. Übrigens bekommen alle Mitarbeiter einen Zuschuss für die Kita-Betreuung.

Die Firma Bohr ist in ganz Ostsachsen bis hin nach Dresden tätig. In Bautzen gestaltete sie unter anderem den neuen Kugelplatz an Kornmarkt-Center, einige Spielplätze und den neuen, hinteren Bereich der Gedenkstätte am Karnickelberg. Die Landschaftsbaufirma betreut aber auch zahlreiche Privatkunden.