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102 Gulden für eine Rute Kalksteine

Seit 1627 wurde auf kurfürstliche Anweisung das Hermsdorfer Schloss erneuert, rekonstruiert und umgebaut. Mitten im Dreißigjährigen Krieg musste der sächsische Landesbaumeister Eziechel Eckartt das Schloss in Hermsdorf visitieren.

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Von Hans-Werner Gebauer

Seit 1627 wurde auf kurfürstliche Anweisung das Hermsdorfer Schloss erneuert, rekonstruiert und umgebaut. Mitten im Dreißigjährigen Krieg musste der sächsische Landesbaumeister Eziechel Eckartt das Schloss in Hermsdorf visitieren. Der Grund lag sowohl im „nicht fertigen Schloss“ als auch in der Tatsache, dass enorme Schulden beim Bau aufgelaufen waren. Der vormalige Verwalter in Hermsdorf, Christian Knauth, war 1630 verstorben und hatte 620 Gulden, 5 Groschen, 4 Pfennige und 2 Heller aus seinem Privatvermögen dem Landesherren zugeschossen. Der nunmehrige Verwalter, George Börner, weigerte sich für die Schulden aufzukommen und ließ nicht weiterbauen.

Aus der Schuldenspezifikation geht u. a. hervor, dass die Erben des inzwischen verstorbenen Pirnaer Kalksteinhändlers Nicol Fischer, 102 Gulden für eine Rute, dies sind etwa 9 Kubikmeter, noch zu beanspruchen hatten. Aus der Dresdener Ratsziegelscheune waren 28 875 Ziegel bereits vermauert, aber unbezahlt geblieben. Aufgrund der Schulden sind auch einige Bauarbeiter namentlich bekannt. So hatte der Gerbermeister Lorentzen noch 11 Gulden und 18 Groschen für das Kalkbrennen zu erhalten. Donath Adam war der Zimmerer, jedoch inzwischen verstorben. Im Oktober 1631 scheint es zur Arbeitsniederlegung gekommen zu sein. Denn die Erben des Christian Knauth bezahlen sieben Gulden den „Zimmerleuten für rückständigen Lohn von zwei Wochen“. Danach wurde zwar weiter Bauholz angewiesen, doch weitergearbeitet wurde offenbar wegen der beginnenden Kriegsereignisse im Dresdener Raum nicht. Als Eziechel Eckartt am 22. Februar 1636 die Revision vornimmt, stehen noch weitere Löhne aus. So hatten die Zimmerleute noch für neun Wochen Sommerlohn und für sechs Wochen Winterlohn aus dem Jahre 1631 zu bekommen, insgesamt mehr als 60 Gulden. Unbezahlt geblieben waren auch die Arbeiten der Steinmetzen, des Schlossers und des Pirnaer Steinhauers Valten Gebauer. Die Arbeiten des Kupferschmieds, der Maler und Schieferdecker waren zwar bestellt, jedoch nicht ausgeführt worden. In seiner Not hatte Kurfürst Johann Georg I. den Knauthschen Erben den Befehl zum Bezahlen gegeben, hatte doch der Verwalter manches Privileg erhalten. Seine Witwe samt Familie wollte solange im Turmzimmer wohnen bleiben, bis die Schulden seitens des Landesherren bezahlt werden. Doch dieses Druckmittel nützte nichts. 1637 und 1639 wurde das Schloss von schwedischen Truppen niedergebrannt. Die letzten Schulden aus den Knauthschen Ansprüchen wurden nach 1670 beglichen, seit 1654 hatte ein Neubau begonnen.