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106 Ausbildungsstellen sind unbesetzt geblieben

Für Unternehmen wird es auch in Zukunft nicht leichter, Azubis zu finden. Obwohl die Zahl der Bewerber steigt.

© doc rabe media - fotolia

Von Peggy Zill

Die gute Nachricht für Firmeninhaber: Die Talsohle bei der Zahl der Schulabgänger ist überwunden. 2013 gab es nur knapp über 2 000 Absolventen. Bis 2016 werden 2 400 prognostiziert. Die schlechte Nachricht: Trotzdem werden auch in Zukunft viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. In diesem Jahr gab es in Mittelsachsen 1 672 Ausbildungsstellen im Angebot. Demgegenüber stehen 1 723 Bewerber. Trotzdem hat nicht jeder Topf den passenden Deckel gefunden. „Ein Viertel, bis ein Drittel mehr an Bewerbern wäre, nötig. Weil viele sich nach der Schule nicht für eine duale Ausbildung bewerben“, erklärt Beate Beier, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Freiberg, warum am Ende trotzdem 106 Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben sind. Dass es im Landkreis mehr Bewerber als Stellen gab, sei in Sachsen einzigartig. Besonders in Döbeln gab es deutlich mehr Absolventen. Das liegt laut Agenturchefin aber daran, dass die Zahl der Ausbildungsplätze insgesamt gesunken ist und die Wirtschaft langsamer wächst.

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Vermittlung bis Ende des Jahres

In den nächsten Wochen wird sich die Arbeitsagentur alle Mühe geben, die 44 jungen Männer und Frauen, die noch keinen Lehrvertrag unterschrieben haben, doch noch zu vermitteln. „Darunter sind Bewerber, die die erste Ausbildung oder das Studium schon wieder abgebrochen haben oder einfach nicht geeignet sind. Je nachdem welche Voraussetzungen sie mitbringen, können sie auch noch bis zum 31. Dezember mit der Lehre beginnen. Realschüler dürfen die Ausbildung um sechs Monate verkürzen, Abiturienten sogar um ein Jahr.

Ein Problem, das die Agentur seit Jahren hat, ist, dass die meisten Jugendlichen sich bei ihrem Berufswunsch zu sehr beschränken. „35 Prozent wollen nur die Top Ten der Berufe erlenen“, so Beier. Dazu gehören Verkäufer, Bürokaufmann, Fachlagerist und Mechatroniker. Häufig gibt es in diesen Bereichen auch die meisten Angebote. „Aber insgesamt haben wir über 500 Berufsbilder.“ Die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage sei eine ständige Herausforderung.

Viel Energie muss auch in die Jugendlichen gesteckt werden, die nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringen. „Früher wurden die schlechten Schüler meist in einer geförderten Ausbildung ‚geparkt‘. Jetzt haben wir die Chance, sie besser zu vermitteln“, erklärt Beier. Auch weil die Unternehmen bei den Bewerbern keine so große Auswahl mehr haben. „Motivation und Sachverständnis stehen nicht auf dem Schulzeugnis“, sagt sie. Unternehmen, die sich für Ferienarbeit und Praktika öffnen, könnte so frühzeitig potenzielle Azubis finden.

Arbeitslosigkeit gesunken

Die Arbeitslosigkeit insgesamt ist im Landkreis im Oktober auf 7,6 Prozent gesunken. In Döbeln gab es den deutlichsten Rückgang: von 10,8 Prozent im September auf 10,1 Prozent im vergangenen Monat. Leider hat dieser Rückgang laut Beate Beier nichts damit zu tun, dass besonders viele Frauen und Männer einen neuen Job gefunden haben. „Auch hier macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar“, so Beier. Immer mehr Menschen gehen in den Ruhestand. Leider melden die Firmen nur wenig neue Stellen. „Die Unternehmen begründen das mit anstehenden Entscheidungen zur Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes sowie mit der Unsicherheit im weiteren Konjunkturverlauf“, erklärt Beate Beier. Einen großen Bedarf an Arbeitskräften meldet jedoch die Gesundheitsbranche. „Diese wird auch in Zukunft wachsen“, glaubt die Geschäftsführerin. Schließlich sei die Hälfte der Mittelsachsen älter als 50 Jahre.