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1,2 Millionen Euro für Jugendarbeit

Landkreis. Die öffentliche Hand unterstützt18 Angebote, elfProjekte gehen leer aus.

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Von Heiko Engel

Im Landkreis Bautzen fließen dieses Jahr 1,2 Millionen Euro in die Kinder- und Jugendarbeit. Die Finanzierung teilen sich Freistaat, Kreisverwaltung und Kommunen: Das Dresdener Sozialministerium überweist 579 000 Euro, der Landkreis gibt 413 000 Euro, Städte und Gemeinden zusammen 218 000 Euro. Mit dem Geld werden bei Vereinen, Verbänden und Kirchen 18 Projekte in der Jugendarbeit, Freizeitgestaltung oder Musikerziehung unterstützt (siehe Kasten). Elf Anträge wurden abgelehnt. Der Jugendhilfeausschuss billigte jetzt die Mittelverteilung.

Ganz oder teilweise auf Geld vom Kreis verzichten müssen zum Beispiel die Spielgemeinschaft „Gojko Mitic“ aus Bischofswerda, die Wilthener Tanz- und Theaterwerkstatt „Crazy Steps“, der Kleinwelkaer Kinderland-Verein, der Bautzener Schullandheime-Verein oder die Domowina. Für Kinderland-Teamleiter Sebastian Weidner ist klar, was jetzt in Kleinwelka geschieht: „Professionelle Jugendarbeit wird nicht mehr stattfinden.“ Weidner ist auf dem Sprung nach Radebeul, wird dort nach den Sommerferien im Betreuten Wohnen des Kinderland-Vereins anfangen. Bisher hat sich Weidner im Jugendclub um 15 bis 20 Jugendliche gekümmert oder Sommerferienlager organisiert.

Ganz aufgeben will der Verein die Sozialarbeit in Kleinwelka aber nicht. Für eine Aufwandsentschädigung sollen Mitarbeiter ein eingeschränktes Angebot aufrecht erhalten. Der Jugendclub soll ab September zweimal die Woche öffnen, und auch das Frauenfrühstück sowie der Seniorentreff sollen weiter stattfinden. Wer die Aufwandsentschädigung finanziert, ist Weidner zufolge aber noch nicht ganz klar. Die Gemeinde Kleinwelka habe bereits Unterstützung zugesagt. Eine endgültige Entscheidung steht laut Weidner aber noch aus. Ferienfreizeiten wird es nach seinen Angaben allerdings nicht mehr geben. Von den Einsparungen nicht betroffen ist die Kleinwelkaer Kindertagesstätte des Vereins.

Der Bautzener Schullandheime-Verein bekommt für sein Spielmobil und verschiedene andere Angebote kein Geld mehr. „Das ist bedauerlich“, kommentiert Vereinsvorsitzender Andreas Stelzmann die Entscheidung. Dennoch, das Spielmobil werde weiter Schulen und Gemeinden im nördlichen Kreisgebiet anfahren, versicherte der Vereinschef. Das Projekt laufe bis Ende Januar 2006 über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Arbeitsagentur weiter. Ab dann stelle der Verein Eigenmittel bereit, so Stelzmann. Aufgeben ist für ihn undenkbar, allein schon deshalb, weil die Kreissparkasse ein neues Fahrzeug für das Spielmobil zur Verfügung gestellt habe. „Nichts fällt weg“, dass gilt laut Stelzmann auch für die anderen Aktivitäten des Vereins. Was an Förderung fehle, müsse eben mit Geld aus der Vereinskasse ausgeglichen werden. Der Verein bekommt allerdings für die Leitung der Schullandheime noch einen Zuschuss von 55 000 Euro.

Domowina-Geschäftsführer Bernhard Ziesch ist überzeugt: Die Fachkraft für sorbische Jugendkulturarbeit nimmt im Herbst die Arbeit auf. Die Stiftung für das Sorbische Volk habe Geld bereit gestellt, so Ziesch. Der Jugendhilfeausschuss beschloss zwar, diese Stelle nicht zu fördern. Ziesch setzt aber auf Verhandlungen mit der Kreisverwaltung. Sie sollen dazu führen, dass die Mittel trotzdem fließen.

Ab nächstem Jahr könnte es für die Jugendarbeit im Landkreis allerdings sehr eng werden. Dann senkt die Verwaltung ihren Zuschuss beträchtlich ab, um das Haushaltsloch in den Griff zu bekommen. Entsprechend weniger Geld wird dann der Freistaat zur Verfügung stellen, das sehen die Richtlinien so vor. Um trotzdem Angebote zu erhalten, arbeiten die Verantwortlichen an einem „Jugendhilfeverbundsystem“. Das soll die Anstrengungen von Schulen, Vereinen und Kommunen in der Jugendarbeit bündeln. Auf ein Wort