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13 brisante Fragen zum Diebstahl im Grünen Gewölbe

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Rico Gebhardt, will von der Regierung wissen, warum nicht mehr getan wurde, um die Juwelen zu schützen.

Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe am frühen Morgen des 25. November kam Direktor Dirk Syndram (M.) zum Tatort.
Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe am frühen Morgen des 25. November kam Direktor Dirk Syndram (M.) zum Tatort. © Ronald Bonß

Dresden. Knapp drei Monate nach dem Diebstahl der historischen Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden haben die Ermittler noch keine heiße Spur zu den Tätern. Während die Ermittler noch arbeiten, fordert der Vorsitzende der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Rico Gebhardt, Aufklärung darüber, wie es überhaupt zu dem Einbruch kommen konnte. "Es ist zu klären, weshalb nicht mehr getan worden ist, um die Juwelen zu schützen – und wer warum über die Sicherheitsarchitektur entschieden hat", schreibt er in einer Mitteilung. Er bezieht sich dabei auf ein SZ-Interview mit Dirk Syndram, dem Direktor des Grünen Gewölbes. 

Rico Gebhardt ist Vorsitzender der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Er fordert Antworten auf Fragen, die sich nach dem Juwelendiebstahl stellen.
Rico Gebhardt ist Vorsitzender der Linksfraktion im Sächsischen Landtag. Er fordert Antworten auf Fragen, die sich nach dem Juwelendiebstahl stellen. © Thomas Kretschel

In diesem Interview hatte Syndram unter anderem gesagt, er wisse nicht, ob die Kameras in der Schatzkammer auch bei Dunkelheit hochauflösende Bilder liefern. Er berichtete zudem, die Einbrecher hätten das dreifache Sicherheitsglas aus der Wand gesprengt, ohne dass es zerstört wurde. So konnten die beiden Täter im Juwelenzimmer mit einer Axt Löcher in eine Vitrine hacken und wertvolle Diamanten und Brillanten mitnehmen, die aus dem sächsischen Staatsschatz stammen.

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"Aus alledem ergeben sich viele Fragen", so Gebhardt. Er hat deshalb drei kleine Anfragen zum Juwelenklau an die sächsische Regierung gestellt.

Diese 13 Fragen hat er zum Einbruch im Grünen Gewölbe:

1. War die von Direktor Syndram erwähnte Überprüfung die erste seit der Eröffnung des Grünen Gewölbes? Falls ja: Weshalb wurde nicht öfter evaluiert?

2. Gibt es eine Festlegung, in welchen Intervallen jeweils das Sicherheitskonzept der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu überprüfen ist? Falls ja: in welchen Zeitabständen, falls nein: warum nicht?

3. Wer war an der Sicherheitsevaluierung im Jahre 2015 beteiligt?

4. Welche baulichen Sicherheitsanforderungen oder Vorschläge zur sicherheitstechnischen Ausstattung haben die SKD in den vergangenen zehn Jahren an den SIB gerichtet? Wer hat diese Anforderungen und Vorschläge genehmigt, beziehungsweise wie wurden Ablehnungen jeweils begründet?

5. An welchen Stellen im Sicherheitskonzept wurden seit der Eröffnung des Grünes Gewölbes Veränderungen vorgenommen und wie hoch waren die Kosten?

6. Weshalb verfügt das Sicherheitspersonal im Residenzschloss offenbar nicht über eine schnelle Direktleitung zur Polizei, sondern musste zum Telefonhörer greifen, um den Einbruch zu melden? Ist es geplant, diesen Mangel zu beheben?

Blick in das Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes.
Blick in das Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes. © SKD/David Brandt

7. Ist das Sicherheitspersonal im Residenzschloss mit Schusswaffen ausgerüstet? Falls ja: Verfügen alle Sicherheitskräfte über Schusswaffen? Falls nein: Weshalb nicht?

8. In welchen Zeiträumen in den vergangenen zehn Jahren war das Sicherheitspersonal im Residenzschloss mit Schusswaffen ausgerüstet? Falls es Entscheidungen gab, Schusswaffen als Ausrüstungsbestandteil einzuführen oder abzuschaffen: Wie wurden diese Entscheidungen jeweils begründet?

9. Welche Widerstandsklasse besitzt Sicherheitsglas in den vom Einbruch betroffenen Vitrinen verbaut worden (durchwurfhemmend, durchstoßhemmend, durchschusshemmend, sprengwirkungshemmend, vgl. DIN EN 356) und anhand welcher Kriterien wurde es ausgesucht? Ist es geplant, angesichts der offensichtlich zu geringen Widerstandsfähigkeit des verwendeten Glases auch das Sicherheitsglas in anderen Vitrinen auszutauschen?

10. Weshalb wurde offensichtlich in Kauf genommen, dass die Sicherheitskameras im – durchaus vorhersehbaren – Falle eines nächtlichen Einbruchs und mithin bei Dunkelheit nur minderwertige Bilder liefern können? Wer hat warum entschieden, dass Licht in Alarmfalle dennoch verzichtbar ist?

11. Existiert in den Museen der Städtischen Kunstsammlungen Dresden eine Einbruchmeldeanlage nach den VdS-Richtlinien? Falls nicht: Weshalb nicht, wer hat das entschieden und welche Vorkehrungen wurden ersatzweise getroffen?

12. Die historischen Fenstergitter mögen zwar den Erfordernissen des Denkmalschutzes entsprechen, aber sie entsprechen offenbar nicht aber zeitgemäßen Sicherheitsanforderungen hinsichtlich ihrer Festigkeit. Wie wurden die dahinterliegenden Fenster besonders gesichert? Falls dies nicht erfolgte: Weshalb nicht? Und ist geplant, alle Fenstergitter durch widerstandsfähigere, moderne Stahlgitter zu ersetzen?

13. Existieren in den Museen der Städtischen Kunstsammlungen Dresden Vorkehrungen, um Einbrecher daran zu hindern, mit ihrer Beute zu entkommen? Falls nicht: Weshalb nicht?

Ihm sei bewusst, dass die Behörden aus taktischen Gründen Erkenntnissen vorerst zurückhalten müssten, so Gebhardt. Trotzdem fordert er Aufklärung über das Versagen des Sicherheitskonzepts. "Wir werden nicht lockerlassen.“ 

Schon Ende Januar musste Sachsens Regierung eingestehen, dass es bekannte Sicherheitslücken gab. Bereits im ersten Halbjahr 2019 hätten Überprüfungen ergeben, dass die Kameraüberwachung in den Innenräumen als zu optimierende Komponente identifiziert worden war. Die Kameras sollten im Frühjahr 2020 erneuert werden und damit hochauflösende Kameras zum Einsatz kommen, teilte Kulturministerin Barbara Klepsch mit.

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Die AfD-Fraktion im Landtag hat bereits im November einen Antrag zum Grünen Gewölbe eingereicht, in dem sie mehrere Fragen zum Sicherheitspersonal und -konzept stellt. Der Antrag wurde in den Innenausschuss überwiesen. (SZ/sca/nr)

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