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14-Jährige wird übers Telefon terrorisiert

Das Mädchen aus Weißwasser erhält anonyme Anrufe. Die SZ sagt, was Betroffene dagegen tun können.

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Von Doreen Hotzan

Eines Tages im Februar dieses Jahres hat es angefangen. Das Handy der 14-jährigen Sophie* aus Weißwasser klingelt. Sie schaut auf das Display. Die Nummer, die dort erscheint, kennt sie nicht. Das junge Mädchen ignoriert daher den Anruf. Doch der Unbekannte hinterlässt ihr eine Nachricht auf der Mailbox. Es soll nicht die einzige bleiben. Denn Sophie wird seitdem ständig von dieser Nummer angerufen. Sie geht niemals ran, aber der Anrufer bleibt hartnäckig und hinterlässt ominöse Nachrichten auf ihrer Mailbox. Die Teenagerin ist verunsichert. Die 14-Jährige weiß nicht, wer sie da ständig mit Anrufen belästigt, noch warum derjenige das tut. Woher der Anrufer ihre Telefonnummer hat, kann sich das Mädchen auch nicht erklären. Denn sie ist weder bei Facebook noch bei einem anderen sozialen Netzwerk angemeldet.

Sophies Mutter macht sich ebenfalls Sorgen. Sie hört die Mailbox ab. Darauf ist die Stimme eines älteren Mannes zu hören, der ruft: „Hallo? Hallo? ... Internet“. Kurzentschlossen ruft die Mutter den Unbekannten an. Tatsächlich hebt dieser ab. Sie fragt ihn, wer er sei und warum er ständig anrufe. Tut er doch gar nicht, bekommt die besorgte Mutter zur Antwort. Dann wird am anderen Ende der Leitung der Hörer aufgelegt. Mutter und Tochter sind ratlos. Denn die Anrufe gehen weiter. Die Mutter sucht Hilfe im Internet. Denn etwas muss man doch unternehmen können. In einem Forum wird ihr geraten, dem Unbekannten mit der Polizei zu drohen, falls er die Anrufe nicht einstellen sollte. Sophies Mutter hat sich auch schon überlegt, zur Polizei zu gehen. Aber was bringt eine Anzeige in diesem Fall? „Der angezeigte Sachverhalt begründet den Anfangsverdacht für das Vorliegen einer Straftat im Sinne des Paragraphen 238 der Nachstellung“, informiert Janet Kloß von der Polizeidirektion Görlitz. Darin heißt es unter anderem, wer beharrlich unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu einem Menschen herzustellen versucht und dadurch dessen Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird. „Man könnte also diesbezüglich Anzeige erstatten“, so Janet Kloß. Betroffenen rät sie zudem, sich genau zu notieren, wann der Unbekannte angerufen hat und wie häufig er das getan hat.

Judith Sibilla, Leiterin der Außenstelle der Verbraucherzentrale Sachsen in Weißwasser, empfiehlt Betroffenen den Gang zur Polizei. „Ich würde zunächst Anzeige erstatten. Und um weitere Schritte einleiten zu können, muss herausgefunden werden, wer der Anrufer ist“, sagt sie. Auch Ralph Rehm ist der Meinung, dass es richtig ist, in einer solchen Situation Anzeige zu erstatten. „Die Polizei kann den Täter ausfindig machen“, sagt der Richter am Amtsgericht in Weißwasser. Bisher seien vor Gericht nur Fälle verhandelt worden, in denen der Täter bekannt gewesen ist. Und noch eine Tatsache hat Ralph Rehm festgestellt: „Der Täter kommt häufig aus dem persönlichen Umfeld des Opfers.“

Doch weder Sophie noch ihre Mutter können sich das vorstellen. Denn die Nummer gehört niemandem aus der Familie und auch die Stimme des Mannes ist beiden fremd. In dem Internetforum wird Sophies Mutter auch empfohlen, die Nummer ändern zu lassen. Doch dieser Ratschlag ist nicht so leicht umzusetzen wie gedacht. Denn Sophie besitzt ein sogenanntes Prepaid-Telefon – ein Kartentelefon. Auf dieser Karte, auch SIM genannt, hat sie ein Guthaben, von dem die Kosten für Kurznachrichten oder Anrufe abgehen. Sobald sich das Guthaben dem Ende neigt, kann es problemlos aufgeladen werden. Auf telefonische Nachfrage in einem Shop des Telefonanbieters Vodafone in Weißwasser erhält die Mutter die Auskunft, dass es nicht möglich sei, bei einem Kartentelefon die Nummer ändern zu lassen. Doch der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung scheint sich nicht so ganz sicher zu sein und verweist vorsichtshalber an die Hotline. Wer dort anruft, landet jedoch in einem Call-Center in Kairo. Besitzer eines Kartentelefons müssen sich, um ihre Nummer ändern zu lassen, eine neue SIM-Karte kaufen, teilt die Pressestelle des Unternehmens auf Nachfrage der SZ mit. Es sei jedoch möglich, das noch vorhandene Guthaben auf der alten Karte auf die neue umbuchen zu lassen. Zudem verweist das Unternehmen auf die Möglichkeit, dass die Karte auch kostenlos erhältlich ist. Dazu müsse man sich im Internet registrieren. Und tatsächlich. Wer auf der Homepage des Unternehmens im Suchfeld „Freikarte“ eingibt, kann die Karte direkt bestellen.

* Name von der Redaktion geändert