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14 Mal Gold für Sachsens Weine und Sekte

Der neue Chef des Weinbauverbandes spricht über die Prämierung der Top-Weine und die großen Weinfeste im Herbst.

„Harte Arbeit“: Frank Neupold, der neue Chef des Weinbauverbands Sachsen, am Donnerstagnachmittag bei der Weinverkostung in Dresden.
„Harte Arbeit“: Frank Neupold, der neue Chef des Weinbauverbands Sachsen, am Donnerstagnachmittag bei der Weinverkostung in Dresden. © Matthias Rietschel

Zwei Tage dauerte die Verkostung der 99 zur Landesweinprämierung eingereichten Weine und Sekte, bevor die Sieger feststanden. Frank Neupold hat als neuer Chef des Weinbauverbandes Sachsen als Gast daran teilgenommen. Er sagt: „Das war harte Arbeit.“ Der frühere Oberbürgermeister von Coswig versteht eine Menge von Wein: Seit über 40 Jahren ist er als Hobbywinzer unterwegs. Am Donnerstagabend kürte er in der Radebeuler Hoflößnitz die Sieger fürs Anbaugebiet Sachsen.

Herr Neupold, wie schmecken denn die besten Weine des Jahrganges 2019?

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Die Weintrinker können sich auf viele richtig gute Weine freuen. 2019 war ein tolles Weinjahr, es brachte recht fruchtige Weine mit vernünftiger Restsäure, teilweise mit feinem Paprika-Geschmack. Sehr gut abgeschnitten haben die sogenannten Piwis, die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, wie zum Beispiel Johanniter und Sauvignon Gris. Sie sind sehr gut im Geschmack und tun der Umwelt gut. Sie haben mich positiv überrascht.

14 Goldmedaillen wurden vergeben, alle gingen an Weißweine und Sekte. Rot- und Roséweine gingen leer aus. Warum denn das?

Weil sie es nicht geschafft haben, die allerhöchsten Kriterien zu erfüllen. Das heißt aber nicht, dass Sachsen nur ein Weißwein-Land ist. Es kann am Jahrgang liegen, Sachsen hat ja schon sehr gute Rotweine produziert. Manche aktuellen Weine haben vielleicht das Potenzial, ein Jahr später Gold zu gewinnen.

Welches Weingut hat denn die meisten Goldmedaillen abgeräumt?

Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth hat für einen Sekt und drei Weißweine Gold gewonnen. Sechs weitere Weingüter gewannen ein oder zwei Mal Gold.

Wie geht es denn den Winzern gerade? Haben sie sich von Corona erholt?

Es gibt dieses Jahr nicht nur Corona, die Winzer wurden auch durch die Nachtfröste teilweise schwer getroffen. Aber man kann heute auch schon sagen, dass das Konzept vom offenen Weinsommer in diesem Jahr mit über 100 Veranstaltungen zwischen Pillnitz und Seußlitz sehr gut angenommen wurde. Es freut mich schon, was da passiert.

Die Weingüter scheinen dieses Jahr besonders gut besucht zu sein.

Ja, das stimmt. Der Trend zum Inland-Urlaub hilft den Winzern, immer wieder kommen Gäste mit ihrem Wohnmobil vorbei. Und die Sachsen, die dieses Jahr zu Hause geblieben sind, scheinen mehr sächsischen Wein zu kaufen als sonst. Mitarbeiter von Weingeschäften in Meißen haben mir erzählt, dass sie mit dem Verkauf kaum nachkommen.

Die Sieger

14 Goldmedaillen hat der Weinbauverband Sachsen für die Jahrgänge 2019 vergeben.

Drei Sekte erhielten Gold: Ein Morio Muskat- und ein Scheurebe-Sekt der Winzergenossenschaft Meißen und ein Spätburgunder-Sekt vom Staatsweingut Wackerbarth.

11 Weißweine mit Gold: Ein Goldriesling, ein Müller-Thurgau und ein Riesling Auslese von Wackerbarth, ein Grauburgunder Spätlese vom Weingut Matyas, ein Sauvignon Gris und ein Cabernet Blanc von der Hoflößnitz, ein Piwi und ein Johanniter von Jan Ulrich, ein Bacchus und ein Solaris Auslese vom Gut Pesterwitz, ein Riesling Auslese von Schloss Proschwitz.

39 Silbermedaillen und 27 Bronzemedaillen wurden vergeben.

Sachsens Beste: Sekt: Morio Muskat der Winzergenossenschaft Meißen. Der beste Traminer kommt aus der Hoflößnitz, der beste Schieler vom Weingut Stefan Loose. Bester Rotwein wurde der Genussmensch Rot, ein Spätburgunder vom Weingut Aust.

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Am 29. und 30. August stehen die Tage des offenen Weinguts bevor. Müssen sich die Besucher in diesem Jahr auf Besonderheiten einstellen?

Die Weingüter sind wieder alle offen, aber fast alles spielt sich im Freien ab. Selbstverständlich müssen die Hygieneregeln eingehalten werden.

Die großen Weinfeste im September wird es in der bekannten Form nicht geben, die Veranstaltungen sollen dezentral in den Weingütern stattfinden.

Ja, leider muss das Weinfest in Weinböhla sogar ganz abgesagt werden, weil das Konzept nicht genehmigt wurde. Meine Sorge mit den Weinfesten in Meißen und Radebeul war, dass sich Gäste nach dem dritten Glas Wein nicht mehr an die Abstandsregeln halten. Es wäre schlimm, wenn die Behörden dann die Hygieneregeln verschärfen oder sogar ein Alkoholverbot aussprechen würden. Die Lösung mit den dezentralen Veranstaltungen in den Weingütern ist deshalb ein guter Kompromiss.

Die großen Weinfeste werden also eher dem Tag des offenen Weinguts ähneln?

So ist der Grundgedanke. Überall wird vom 25. bis 27. September was los sein.

Herr Neupold, Sie sind neu im Amt. Wie kommt ein ehemaliger OB dazu, den Weinbauverband führen zu wollen?

Ich habe seit Jahrzehnten eine Affinität zum sächsischen Wein. Seit 1978 arbeite ich als Hobbywinzer in meinem Weinberg, seit einiger Zeit zusammen mit meinem Sohn. Und ich bin ein überzeugter Vereinsmensch. Ich weiß, dass Lobbyismus gegenüber dem Gesetzgeber unbedingt notwendig ist. Nun hat mein Vorgänger im Amt eine sehr gute Arbeit geleistet und mehrere Winzer in den Verein geholt, sodass heute 420 der 500 Hektar Rebfläche in Sachsen im Winzerverband vertreten sind. Dies ist sehr wichtig, damit uns die Politik ernst nimmt. Diesen Weg möchte ich gern fortsetzen.

Was wollen Sie erreichen?

Unser großes Ziel ist, dass sich der sächsische Landtag und das Kabinett mehr mit dem Wein beschäftigen.

Und mehr Wein trinken?

Gern. Vor allem aber sollten sie mehr über den Wein reden und dem Weinbau helfen. Da kommt aus meiner Sicht zu wenig. Wir sollten gemeinsam mehr tun für die Landschaftsgestaltung und die Umwelt sowie den guten Ruf des sächsischen Weines weiterentwickeln. Da ist sicher die eine oder andere Förderung mehr drin.

Das Gespräch führte Olaf Kittel

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