SZ +
Merken

14 Rohrstöcke in vier Monaten

Klaus Herzog hat das Dorfschulmuseum in Daubitz aufgebaut und Besucher staunen über viele Episoden.

Teilen
Folgen

Von Bernhard Donke

Seit der Eröffnung des Daubitzer Dorfschulmuseums im Oktober 2001 führt er Interessierte hier durch: Klaus Herzog. „Der Rohrstock war wohl auch hier in unserer Daubitzer Schule ein sehr beliebtes Erziehungsinstrument. Denn innerhalb von nur vier Monaten war ein Verschleiß von 14 Rohrstöcken zu verzeichnen. Das kann man anhand der noch vorhandenen Rechnungen ersehen“, sagt Klaus Herzog, der Leiter des Daubitzer Dorfschulmuseums. Das besitzt zwei Rechnungen über gekaufte Stöcke vom 4.September 1911, wo die Schule Daubitz sechs der gefürchteten Stöcke und am 24. Januar 1912 nochmals acht zum Preis von zehn Pfennig das Stück in einen Görlitzer Geschäft kaufte.

„Nun ja, die Erziehungsmethoden, die die Lehrer heute anwenden, sind nicht so schmerzhaft. Früher gehörte der Rohrstock zur Grundausrüstung der Pädagogen und wurde, wenn man den Erzählungen unserer Eltern und Großeltern Glauben schenkt, sehr häufig angewendet, um die Schüler zu Ordnung und Disziplin zu erziehen“, sagt Klaus Herzog. Der heute 69-Jährige pensionierte Diplom- fachlehrer für Biologie muss es ja wissen. Er selbst unterrichtete die Daubitzer, Rietschener und Schüler in Weißwasser bis zu seiner Pensionierung 2001. Doch schon als Mitglied des Kulturbundes interessierte sich der verheiratete, zweifache Vater für die Geschichte seines Wahlheimatortes. Denn geboren wurde er 1939 in Christianstadt am Bober in Schlesien. 1945 kam er mit seiner Mutter als Halbwaise, der Vater fiel 1944, nach Rietschen ins großväterliche Haus. Mit dem heute leider schon verstorbenen Eberhard Blume baute er in Trägerschaft des DDR-Kulturbundes schon einmal eine Heimatstube in Rietschen auf. Damals wurde das noch belächelt und als Heimathuddelei verpönt.

Die Väter der Heimatstube

Durch ein einschneidendes Familienereignis Mitte der 1980er Jahre lernte er Pfarrer Hennerjürgen Havenstein kennen und schätzen. Aus der anfänglichen Bekanntschaft wurde später eine enge Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den beiden.

Gemeinsam bauten sie zu Beginn der 1990er Jahre die Heimatstube Daubitz, die in den Räumen der ehemaligen Kindertagesstätte Daubitz untergebracht wurde, auf. Chemnitzer Besucher hatten dann die Idee, die Heimatstube wegen ihrer Fülle an historischen Schulutensilien in ein Schulmuseum umzuwandeln, das sowohl die Daubitzer als auch die Schulgeschichte des Königreichs Preußen um 1900 darstellen soll.

Die Idee wurde aufgegriffen und mit der Eröffnung des Daubitzer Schulmuseums im historischen Daubitzer Gewandhaus am 3. Oktober 2001 verwirklicht. „Leider konnte Hennerjürgen Havenstein diese Eröffnung nicht mehr miterleben, da er noch vor Abschluss des Projektes verstarb.

Heute leitet Klaus Herzog als Verantwortlicher das kleine Museum, das seit einigen Jahren in der Trägerschaft des Daubitzer Heimatvereins e.V. liegt, mit sehr viel Sorgfalt und Liebe. Mit den Jahren erweiterte er sie auch um eine Ausstellung mit dem Thema „Der Schulalltag eines Daubitzer Schülers und sein Elternhaus um 1900“.

Gemeinsam mit Ilse Adler führt er die Besucher durch das Museum und kann fast über jedes ausgestellte Exponat eine Geschichte erzählen. „Es ist doch bei solchen Führungen immer sehr interessant, auch einmal die Besucher zu beobachten. Bei Kindern und Jugendlichen stelle ich fest, dass sie über die Schulutensilien und vor allen über die damals angewendeten Strafen lächeln und sich amüsieren. Bei älteren Besuchern kann man sehen, wie sie sich plötzlich an die eigene Schulzeit erinnern. Dabei erfährt man über so manchen Streich, den sie den Lehrern spielten.

Doch der rührige pensionierte Lehrer leitet nicht nur das Schulmuseum, er war auch 1990 Mitgründer des Daubitzer Heimatvereins e.V., und als Ehrenminister im Daubitzer Karnevalverein e.V. ist er verantwortlich für die Flyer-Herstellung und Plakatwerbung für das traditionelle Country-Fest auf der Forest Village Ranch in Walddorf.

Auf die Frage, ob er sich nicht zur Ruhe setzen möchte, wenn er in wenigen Monaten das 70. Lebensjahr erreicht, antwortet er sehr spontan: „Nein, auch im Alter muss man eine Aufgabe haben, sonst setzt man Rost an. Mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß, und ich werde sie so lange mitmachen, wie es die Gesundheit zulässt.

Das Dorfschulmuseum ist von April bis Oktober sonntags und feiertags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten sind Führungen unter der Telefonnummer 035772-40849 möglich.