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149 Kriegstote umgebettet

Mit einer feierlichen Zeremonie wurden jetzt die sterblichen Überreste von 149 Kriegsopfern auf dem Gröditzer Friedhof am Kanal beerdigt. Vom 7. bis 14. Oktober fand damit in der Röderstadt die größte Umbettungaktion von Kriegsopfern in Sachsen statt.

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Erwin Kowalke vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V. war eine Woche lang im Auftrag des Vereins und der Stadt Gröditz mit der Umbettung von Kriegstoten beschäftigt (SZ berichtete). Aus zirka 1,10 Meter Tiefe barg er die sterblichen Überreste und legte sie in Sarkophage. 149 Kriegsopfern zählte der 62-Jährige. Eine Zahl, die bisher keiner genau wusste. Vermutet wurden 200 Opfer aus zwölf Nationen. Es handelt sich überwiegend um ehemalige Zwangarbeiter, in der Mehrzahl KZ-Häftlinge, die unter unmenschlichen Bedingungen in den Gröditzer Stahlwerken für die Rüstungsproduktion schuften mussten, bis sie an Krankheiten, an Erschöpfung oder nach Misshandlungen starben oder ermordet wurden.

Eine würdige Bestattung hatte man ihnen nach ihrem Tod verwehrt. Viele von ihnen waren ohne Sarg in Sammelgräber auf einem Friedhof am Verbindungsweg zwischen der heutigen B 169 und der Gröditzer Deponie gelegt worden. Sie ruhten hier, kaum dass irgendjemand Notiz von ihnen nahm. Viele sind erst seit kurzem namentlich benannt. Mit der Umbettungsaktion, die zwischen dem 7. und 14. Oktober stattfand, wurden diese Toten der Anonymität entrissen. Ihre neue Ruhestätte ist die Gemeinschaftsgrabanlage, die am 14. November 2000 eingeweiht wurde und auf der bereits 64 Opfer nationalsozialistischer Gewalt bestattet sind. Die namentlich bekannten Toten werden auf Bronzetafeln verewigt.

Die Anlage hat damit ein weiteres, von Anfang an konzipiertes Gräberfeld erhalten. Die Kosten von der Exhumierung bis zur Fertigstellung der gesamten Anlage werden vom Bund und von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge übernommen. (ct/SZ/ade)