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150 Feuertöpfe zwischen den Rebstöcken

Die Wackerbarth-Winzer aus Radebeul schützen ihren Wein vor den Morgenfrösten. Auf acht Weinbergen geschieht das gerade.

150 Feuertöpfe brennen im Weinböhla-Weinberg von Wackerbarth. Die kleinen Feuer bringen die Temperatur über null Grad und schützen die jungen Reben.
150 Feuertöpfe brennen im Weinböhla-Weinberg von Wackerbarth. Die kleinen Feuer bringen die Temperatur über null Grad und schützen die jungen Reben. © Norbert Millauer

Weinböhla/Radebeul/Diesbar-Seußlitz. Es ist 4 Uhr am Morgen. Wackerbarths Weinbauleiter Till Neumeister und zwei weitere Winzer gehen von Topf zu Topf und zünden mit kleinen Gasbrennern die im Paraffin steckenden Pappdochte an. Während drin in Weinböhla zwischen den Häusern das Thermometer zwei Grad anzeigt, hat sich  hier draußen im Weinberg östlich von der Köhlerstraße der Frost gerade richtig festgesetzt. Minus ein Grad. 

Kein schlimmer Frost - aber ausreichend, um die jungen Triebe in den jungen Rebstöcken erfrieren zu lassen. Martin Junge, Pressesprecher des Staatsweingutes: "Die Anlage wurde erst 2018 aufgerebt. Die Stöcke sind noch nicht hoch genug gewachsen. Austriebe nahe am Boden. Eben dort, wo es richtig kalt ist."

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Till Neumeister zeigt einen solchen Austrieb. Anfangs ist dieser noch von einer Art Wolle geschützt. Die ist in den letzten Tagen abgefallen. Reichlich Sonne und satte Frühlingstemperaturen haben das Wachstum der Triebe fröhlich entwickeln lassen. 

Jetzt ist alles anders. Die blaue Stunde dämmert. Es hat leicht genieselt. Die bei solcher Witterung sich bildenden Eisnebel werden von den Feuern vertrieben. 150 Töpfe brennen inzwischen. In jeder zweiten Gasse zwischen den Rebstöcken und auf zehn Metern Abstand lodert eine Flamme. Weinbaumeister Neumeister hält das Thermometer zwischen die Rebstöcke. Drei Grad zeigt es an. Er ist zufrieden. "Es hat was gebracht."

Till Neumeister, Weinbauleiter im Staatsweingut, misst die Temperatur. Vor den Feuern waren es minus ein Grad, jetzt sind es leichte Plusgrade.
Till Neumeister, Weinbauleiter im Staatsweingut, misst die Temperatur. Vor den Feuern waren es minus ein Grad, jetzt sind es leichte Plusgrade. © Norbert Millauer

Bis in den Vormittag werden die Winzer die Töpfe zwischen den 3.300 Stöcken noch lodern lassen. Dann dürfte die Gefahr gebannt sein. In einem Jahr sollen die jungen Stöcke den ersten Wein bringen. Drei Jahre Arbeit vom Pflanzen, Verschneiden und eben auch Vor-dem-Frost-Schützen steckt dann in ihnen. Muscaris heißt die Rebsorte. Eine neue Züchtung, die weiß und aromastark in die Flaschen kommt. Als Bouquetrebsorte ist sie außerdem gut für die Sekterzeugung.

Auf insgesamt acht Weinbauflächen haben die Wackerbarth-Winzer an diesem Dienstagmorgen nach Ostern Feuer angezündet. Seit etwa Mitternacht waren sie im Einsatz. "Neben Weinböhla (Muscaris) waren die Weinbauern von Wackerbarth in der Nacht mit 20 Mitarbeitern auf insgesamt mehr als 20 Hektar frostgefährdeten Weinbergen in Radebeul (Weißburgunder), Laubach (Riesling, Spätburgunder und Blaufränkisch) und Diesbar-Seußlitz (Bacchus, Müller-Thurgau, Riesling, Früh- und Grauburgunder) aktiv", sagt Martin Junge. 

Frostschutz ist vor allem dort nötig, wo die Kälte schlecht abfließen kann oder sich Morgennebel wabernd festsetzen. In anderen Anlagen haben die Winzer auch Feuer mit Holzkohle gezündet oder auch Strohfeuer. Diese sind ebenfalls effektiv, wirken aber anders: Die Rauchnebel ziehen durch die Rebzeilen und treiben so den Frost heraus. Wackerbarth-Sprecher Martin Junge: "Das geht aber nicht überall mit dem Rauch. Wir müssen auch die Wohnumgebung beachten." 

Die neuen Triebe an den Jungreben haben ihren schützenden Wollmantel in den letzten sonnigen Tagen verloren und können erfrieren.
Die neuen Triebe an den Jungreben haben ihren schützenden Wollmantel in den letzten sonnigen Tagen verloren und können erfrieren. © Staatsweingut Schloss Wackerbart

Ob der Schutz am Ende wirklich etwas gebracht hat, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. Treiben die grünen Spitzen weiter und entwickeln Blätter, dann ist alles gut und gelungen. Werden sie braun, dann hat der Frost gesiegt.

2009 und 2010, bei strengen Winterfrösten bis unter minus 20 Grad, war das verheerend. Manche Weingüter haben damals nahezu die gesamte Ernte verloren. Seitdem schützen sich die Winzer im Elbland. Im Sörnewitzer Weingut Schuh brannten im letzten Jahr die Feuertöpfe. Auch Friedrich Aust in Radebeul hat seine Rebstöcke so vor dem Erfrieren bewahrt.

Till Neumeister von Wackerbarth: "Früher mussten wir vor allem auf die Eisheiligen Anfang bis Mitte Mai achten. Da die Reben in den letzten Jahren immer zeitiger – zwei bis drei Wochen eher – austreiben, werden sie nun auch von Spätfrösten im April bedroht. Vor allem aber treiben die Pflanzen zwei bis drei Wochen eher aus."

Die bevorstehende Nacht müssen die Winzer wahrscheinlich noch mal raus, um insgesamt 100.000 Rebstöcke zu schützen. Es soll wieder in den Morgenstunden um die null Grad werden. Nicht nur den Muscaris in Weinböhla, auch die Reben mit Weißburgunder und Riesling wollen sie dann durch die Aprilfröste bringen. Ob sie das in diesem Frühjahr noch mehrmals wiederholen müssen, weiß allerdings der Wettergott allein. 

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