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Freitals erste Kunstausstellung nach dem Krieg

Die Gewerbeschule in Deuben war 1945 Schauplatz einer bedeutsamen Präsentation. Besucht wurde sie aber nur mäßig.

Von Heinz Fiedler

Kaum zu glauben! Acht Wochen nach Ende des 2. Weltkrieges wird im Juli 1945 in der Deubener Berufs- und Gewerbeschule die 1. Deutsche Kunstausstellung eröffnet. Eine Ehre, die eigentlich einer Großstadt zugestanden hätte. Etwa Dresden. Doch die sächsische Kunstmetropole lag in Schutt und Asche. Ähnlich düster die Situation in Berlin, Hamburg, München und Leipzig. So blieb das Unternehmen der lokalen Initiative einer mittelgroßen Stadt vorbehalten. Freital war relativ gut davongekommen. Die Stadt am Windberg wirkte trotz einiger Blessuren heil und intakt.

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Der Hainsberger Maler Fritz Junghans war auf der 1. Deutschen Kunstausstellung nach dem Krieg in der Freitaler Gewerbeschule mit deftigen Eckersdorfer Rollmopsschänken-Szenen vertreten. Abbildungen: Sammlung Huth
Der Hainsberger Maler Fritz Junghans war auf der 1. Deutschen Kunstausstellung nach dem Krieg in der Freitaler Gewerbeschule mit deftigen Eckersdorfer Rollmopsschänken-Szenen vertreten. Abbildungen: Sammlung Huth
Mit im Blickpunkt einer Freitaler Kunstausstellung vom Oktober 1937: Siedlung im Grützner-Viertel, ein Aquarell von Walter Skirl.
Mit im Blickpunkt einer Freitaler Kunstausstellung vom Oktober 1937: Siedlung im Grützner-Viertel, ein Aquarell von Walter Skirl.

Hauptsächlich Künstler aus dem Dresdner Raum nutzten die Gunst der Stunde, um die Öffentlichkeit mit ihrem Schaffen bekannt zu machen. Nur vereinzelt fanden sich unter den Gemälden und Grafiken Arbeiten von Malern aus anderen deutschen Regionen. Das Ganze zweifellos eine gediegene Präsentation, die sich sehen lassen konnte. Leider war der Besuch nicht überwältigend. Die Mühe und Aufregung um das tägliche Brot, verknüpft mit strapaziösen Tausch- und Betteltouren aufs Land bewegte die Leute mehr als eine Begegnung mit Kunstwerken. Am Ende musste sich die Stadtverwaltung mit gerade mal mit 600 Gästen begnügen.

Kunst statt Kitsch

Nach dem von der Resonanz her unbefriedigenden Auftakt kurbelte das Kulturamt der Stadt in Verbindung mit der über Nacht gegründeten Gruppe Freitaler Maler, ein Vorläufer des Verbandes Bildender Künstler, weitere Projekte an. Die Gruppe unter Vorsitz des einheimischen Malers Arthur Geißler traf sich regelmäßig zu Beratungen, Vorträgen und Diskussionsrunden in der Kunsthandlung Schlitter am Potschappler Markt. Gefördert von der Stadt wurden ab 1946 während der großen Ferien sogenannte Sommerkunstausstellungen in der schon zitierten Gewerbeschule arrangiert, in die man auch Arbeiten ortsfremder Künstler mit einbezog.

In einem öffentlichen Rathausgespräch erinnerte Kulturhausleiter Hellmuth Heinz an die seit Langem bestehenden engen Verbindungen von Malerei und unseren heimatlichen Gefilden. Der Plauensche Grund habe mit seiner einst wildromantischen Kulisse vielen Künstlern aus nah und fern eine Fülle reizvoller Motive geboten. Tatsächlich zähle der Grund zu den meistgemalten Landschaften Deutschlands. Die Freitaler Präsentationen sah Heinz auch als einen Beitrag zu der bereits in den 20er-Jahren erhobenen Forderung „Kunst statt Kitsch“. „Die Zeit der Elfenreigen, röhrenden Hirsche und zuckersüßen Landschaftsidyllen in den Wohn- und Schlafstuben vieler Freitaler sollte endlich zu Ende gehen.“

Unter den Erwartungen

Mit dem Problem unzureichende Resonanz hatte schon ein Ausstellungsversuch von 1937 in der Aula der städtischen Berufsschule unerfreuliche Erfahrungen gemacht. Zwar war damals die Beteiligung vonseiten der Künstler so stark, dass eine eiligst ins Leben gerufene Jury sieben und sichten musste, doch der Besuch blieb unter den Erwartungen. In ebenfalls zwei Wochen 750 Interessenten, das war nun wirklich kein berauschendes Resultat. Von der Möglichkeit, ausgestellte Gemälde, Grafiken und Plastiken zu erwerben, wurde kaum Gebrauch macht.

Mit dem Umzug der Heimatsammlung ins Burgker Schloss 1946 erhielt die Bildende Kunst peu à peu ein würdiges Domizil. Der Sonderschaukalender des Museums weist bis zum heutigen Tag regelmäßig Präsentationen aus, die längst den Zuspruch einheimischer und Dresdner Kunstfreunde finden. Indes, das Interesse Freitaler Bürger hält sich oft genug in Grenzen. Das Museum der Stadt beherbergt edle Kunstschätze – das sollte eigentlich keinem Bürger gleichgültig sein.