merken
PLUS

20 Millionen Euro für die Großröhrsdorfer Stadtentwicklung

Von Kita bis zur Kulturfabrik hat sich viel getan. Ein Zentrum wird noch gesucht.

Von Reiner Hanke

Die Liste ist lang! Auf zwei Seiten stehen 47 Einzelprojekte. Das alles hatte sich die Stadt Großröhrsdorf 2009 vorgenommen und in einem Stadtentwicklungskonzept detailliert niedergeschrieben. Das ist noch weit umfangreicher. Formuliert wurden die Ziele bis 2020. Jetzt kam die Stunde der Wahrheit. Nach fünf Jahren wollten die Stadträte wissen, was von der langen Liste bereits erledigt ist. Halbzeit ist noch nicht ganz, aber der richtige Zeitpunkt nachzuhaken. Ungefähr 20 Projekte sollten schon unter Dach und Fach sein. Wie also steht die Stadt da? Wirklich gut. Hinter 33 Vorhaben steht bereits ein Haken. Das kann sich sehen lassen. 20,4  Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen Jahren dafür investiert, auch mithilfe von Fördermitteln, versteht sich. Mit den Investitionen des Kreises in das Schulzentrum mit Gymnasium und Mittelschule sind sogar 36 Millionen Euro in den vergangenen Jahren in die Rödertalstadt geflossen, rechnet die Bürgermeisterin nicht ohne Stolz vor. „Eine enorme Leistung“, so Stadtrat Dietrich Krause (CDU).

Anzeige
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus

Das Unternehmen aus Leppersdorf sucht Azubis für einen Beruf mit Zukunft - und hat eine Menge zu bieten.

Mehrere Straßenbauprojekte An der Radeberger Straße in der Niederstadt laufen die letzten Bauarbeiten. Im Mai soll sie fertig sein.
Mehrere Straßenbauprojekte An der Radeberger Straße in der Niederstadt laufen die letzten Bauarbeiten. Im Mai soll sie fertig sein. © es gelten meine agb.
Die Kita in Kleinröhrsdorf Nach 17 Monaten Bauzeit wurde die neue Kindertagesstätte für 1,9 Millionen Euro im vorigen Herbst eingeweiht.
Die Kita in Kleinröhrsdorf Nach 17 Monaten Bauzeit wurde die neue Kindertagesstätte für 1,9 Millionen Euro im vorigen Herbst eingeweiht.

Manches Projekt ist inzwischen schon wieder fast selbstverständlich im Stadtbild. Manches war ein Kraftakt, manches auch teilweise umstritten. Wie der Bau des P+R-Platzes am Bahnhof. Inzwischen wird er gut genutzt. Allein sechs großflächige Abrissvorhaben von Industriebrachen gehören zu dem Maßnahmenpaket. Zum Teil ist dort schon Neues entstanden. An der Schillerstraße zum Beispiel der Busplatz. Auf einem Teil des Geländes der Tischfabrik erweiterte der Briefkastenhersteller Allebacker sein Werk mit einem neuen Produktionsgebäude. Auf dem Gelände der früheren Textilfabrik Wiegand wachsen Sträucher in Reih und Glied. Die größten Neubauten konzentrieren sich auf Kleinröhrsdorf, wo eine neue Kita mit 58 Kindergarten- und 24 Krippenplätzen errichtet wurde. In Kleinröhrsdorf entstand auch das neue Gemeindezentrum. In Großröhrsdorf stand die Kulturfabrik mit dem Technischen Museum, der Bibliothek und Vereinsräumen im Mittelpunkt der Investitionen. Im Heimatmuseum hat sich an Fenstern, Heizung und Fußboden schon einiges getan. Dieses Jahr nehmen die Investitionen noch einmal richtig Fahrt auf. 200 000 Euro fließen in die Sanierung. Durch die Hanglage ist die Statik gefährdet. Das Dach muss ebenfalls erneuert werden. Außerdem ist die Holzverkleidung des Gebäudes marode.

Das Wohnumfeld wurde seit 2009 an den Blöcken Ohorner Straße verbessert und Bauland für junge Familien geschaffen. Und die Stadtkernsanierung zuletzt mit dem Bau an der Stadtkirche vorangetrieben. Für die Entwicklung von Industrie und Gewerbe wurde an acht Firmen Bauland verkauft. Diverse Straßenbauvorhaben komplettieren die Bilanz, so u. a. an der Rathaus- und an der Rathenaustraße.

14 Vorhaben noch offen

Aber es ist auch noch einiges offen oder hat sich inzwischen neu aufgetan. Wenn auch keine so gewaltigen Projekte, wie die Kita. 14 Vorhaben stehen noch an. So will die Stadt weitere Industriebrachen auf Vordermann bringen. Der Rathausvorplatz steht mit auf der Aufgabenliste und ein Fuß-/Radweg an der Lichtenberger Straße. An der Kulturfabrik sind Mängel zu beseitigen. Die gibt es auch an der Jahnsporthalle. Hier wird auch über Alternativen zu der Halle nachgedacht. Geplant ist, die Mühlstraße zwischen Hoher und Schillerstraße umzugestalten. Für Kleinröhrsdorf steht die Umgestaltung der Festwiese ganz oben auf der Agenda. Die Planer wollen sich auch ein großes Defizit der Stadt vornehmen: Es gibt kein so richtiges kompaktes Stadtzentrum, wie in Pulsnitz zum Beispiel. Diese Situation wollen die Stadtväter verbessern und auch das Bahnhofsumfeld mit einbeziehen. Dort gibt es noch viel Nachholbedarf in der Stadtentwicklung.

Die Stadt stehe aber auch vor Herausforderungen, die Ende des vorigen Jahrzehnts noch gar nicht absehbar waren, so Stadtrat Krause. Zum Beispiel werden neue Nutzer für das leer stehende Solarwerk gebraucht. Auch das Gelände des früheren Trockenwerkes sollen neue Firmen beleben und Jobs schaffen. Als Bildungsstandort hat die Stadt beste Voraussetzungen und „ist auf beneidenswert gutem Stand“, die neue Sporthalle inklusive. Nun werde sich der Rat zur Zukunft der alten Schulsporthalle die Karten legen müssen. Ein wunder Punkt im Stadtbild sei das verfallende Großröhrsdorfer Krankenhaus, so Krause. Das ist allerdings Sache des Kreises. Es fehle wohl am Geld, hier etwas zu tun.

Sorge bereitet nach wie vor die Bevölkerungsentwicklung. Trotz der vielen Investitionen in die Stadt. Günter Hutschalik (Freie Wähler Gegenwind): „Wir müssen herausfinden, warum das alles nicht reicht“, den Bevölkerungsschwund zu bremsen. Die Stadt habe mittlerweile mehr Zu- als Wegzügler, schätzt die Bürgermeisterin ein. Das ist die gute Nachricht. 100 Todesfällen stünden aber nur an die 60 Geburten gegenüber. Kerstin Ternes: „Großröhrsdorf ist attraktiv. Aber wir brauchen mehr Babys.“