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20 Tage Haft nach zehn Jahren Protest

Erbittert kämpft ein Ludwigsdorfer um gleiches Recht bei der Abwassererschließung. Gestern musste er ins Gefängnis einrücken.

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Von Steffen Gerhardt

Gestern früh musste Dietmar Otto sein Gehöft in Ludwigsdorf verlassen, um in der Strafvollzugsanstalt Görlitz seine Ersatzfreiheitsstrafe abzusitzen. 20 Tage lang wird er dort wie ein Krimineller geführt für eine Sache, die ihm selbst zwar aus der Hand geglitten ist, aber nicht so weit hätte kommen müssen. „Ich bin am Ende, bei mir liegen die Nerven blank“, sagt der 46-Jährige gegenüber SZ.

Dieses Jahr werden es zehn Jahre, dass der Ludwigsdorfer um gleiches Recht bei der Abwassererschließung kämpft. 1994 wurde durch den Abwasserzweckverband (AZV) „Weißer Schöps“ begonnen, die damalige Gemeinde Ludwigsdorf an die zentrale Abwasserentsorgung ins Klärwerk Görlitz anzuschließen. Am 21.Oktober 1997 erhielt Dietmar Otto seinen Abwasserbescheid mit einer Zahlungsaufforderung über 21997,50 D-Mark.

Flächen herausgerechnet

Dass er für die gesamte, an die Hauptstraße grenzende Fläche löhnen sollte, wollte er nicht akzeptieren. „Noch dazu, als ich erfuhr, dass einige Bürger auf die Gemeinde bestellt und gefragt wurden, ob sie Teile ihres Grundstückes in den nächsten 15 Jahren bebauen wollen. Wer das verneinte, brauchte einen geringeren Anschlussbeitrag zu zahlen.“ Dass Dietmar Otto dabei übergangen wurde, ärgert ihn noch heute und stachelte seinen Ehrgeiz auf Gleichbehandlung an. Dazu kommt, dass ihm bis heute keiner erklärt hat, warum er für seinen Obstgarten mitbezahlen musste, andere nicht. Der Ludwigsdorfer ließ nichts unversucht, über Jahre hinweg auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Zweimal schrieb er an den Petitionsausschuss des sächsischen Landtages, wandte sich an die Medien und informierte Escher vom MDR. Der Schriftverkehr wurde immer mehr, „aber geholfen hat mir letztendlich keiner“, sagt Otto resignierend.

Der AZV berief sich auf die Grundstücksberechnungen durch die Gemeinde und beharrte auf die Zahlung des Anschlussbeitrages. Otto hatte ihm nur 14500 DM überwiesen. Mahnungen und Widersprüche wechselten zweieinhalb Jahre einander ab, bis der AZV 2000 mit einer Pfändung drohte und sich das Geld schließlich von Ottos Konto holte. Seit September vergangenen Jahres hat der Zweckverband den Betrag und sieht für sich das „Kapitel Otto“ als abgeschlossen.

Der Streit zwischen dem damaligen Bürgermeister und heutigen Ortsvorsteher Reinhard Brose und Dietmar Otto schwelte aber weiter. In einem erbosten Brief an den Ortschaftsrat klagte Otto die damaligen Machenschaften an und drohte mit Gewalt, sollte sich nichts ändern. Heute gibt er selbstkritisch zu: „Ich habe mich da zu weit aus dem Fenster gelehnt.“

Klage wegen Verleumdung

Die Gegenseite reagierte mit einer Verleumdungsklage und schickte ihm die Polizei auf den Hof. 220 Euro Strafe sollte Otto zahlen, was er ablehnte. „Da geh’ ich halt in den Knast“, sagt er trotzig. Für sein Verhalten hat er sich inzwischen öffentlich im Ortschaftsrat entschuldigt. Dass es das Gremium nicht verstanden hat, einem seiner Bürger beizeiten eine Antwort auf seine Fragen zu geben, macht Ortschaftsrat Conrad Jacob sich und seinen Mitstreitern jüngst zum Vorwurf.