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200.000 Euro "Trostgeld" vom Freistaat

An den Projekten aus der gescheiterten Kulturhauptstadt-Bewerbung kann Zittau nun definitiv weiterarbeiten. Den OB freut's - auch wenn er mit mehr gerechnet hatte.

Die Flyer sind nur noch Makulatur. Zittau wird keine Kulturhauptstadt Europas. Einige Projekte kann die Stadt jetzt trotzdem umsetzen.
Die Flyer sind nur noch Makulatur. Zittau wird keine Kulturhauptstadt Europas. Einige Projekte kann die Stadt jetzt trotzdem umsetzen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Leer ausgegangen, aber trotzdem gewonnen. So könnte man die Nachricht aus Dresden auf einen kurzen Nenner bringen. Für Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) ist es eine ausgesprochen gute: Der Freistaat unterstützt die im Kulturhauptstadt-Wettbewerb ausgeschiedene Stadt wie versprochen mit einer kräftigen Finanzspritze von 200.000 Euro.

Das Geld soll Zittau helfen, den Schwung und das Potenzial aus der Kulturhauptstadt-Bewerbungsphase weiter zu nutzen und Ideen und Projekte auch ohne den Wettbewerb umsetzen zu können. Das hat das Sächsische Kabinett am Dienstag beschlossen.

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Genau so hatte Zenker sich das vorgestellt. Von Anfang an hatte der OB betont, dass in der Bewerbungsphase nicht für die Schublade gearbeitet werden sollte, sondern Projekte auch im Falle eines Ausscheidens in anderer Form weiterverfolgt werden sollten. 

Er freue sich und sei dankbar, dass der Freistaat "auch in diesen schwierigen Zeiten Wort hält", sagte der OB am Mittwoch. "Darum hatten wir gemeinsam während der ersten Bewerbungsphase – also zu ganz anderen Bedingungen als heute - geworben und unsere Strategie auch darauf abgestellt."

Die Strategie hat auch schon einen Namen: "Stadtwerkstatt" - eine Vernetzungsstelle mit Modellcharakter für die Stadtentwicklung und die Kreativwirtschaft im ländlichen Raum, die die Projekte nun weiter entwickeln soll. Die 200.000 Euro vom Freistaat, betont Zenker, seien ausschließlich für diese Projekte zweckgebunden.

Zwischenzeitlich hatte der Oberbürgermeister allerdings mit einer noch weitaus höheren Fördersumme aus Dresden gerechnet, gibt er zu. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates hatte er von 300.000 Euro gesprochen, die Zittau bekommen sollte. Dass es nun doch nicht ganz so viel geworden ist wie zuletzt erhofft, tue dem Projekt aber keinen Abbruch, sagte er am Mittwoch.

Thomas Zenker will das Projekt "Stadtwerkstatt" nun schnellstmöglich angehen: "Wenn uns der Bescheid noch rechtzeitig im Sommer erreicht, kann ich dem Stadtrat die Beschlussvorlage im September vorlegen“, kündigt er an. Geplant ist, die "Stadtwerkstatt" unter dem Dach der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft (ZSG) zu integrieren und auf die Mitarbeiter des Kulturhauptstadtbüros zurückzugreifen. Maria Meyer ist bereits vom Büro in die ZSG gewechselt.

Idee hat nicht nur Befürworter

Trotz des hohen "Trostgeldes", das nun zusätzlich in das klamme Stadtsäckel fließt, hat die Idee der "Stadtwerkstatt" nicht nur Befürworter. Ein Teil der Stadträte findet, dass so viel Geld an anderer Stelle viel dringender gebraucht würde.

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Auch Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (FDP), von Anfang an ein kritischer Begleiter der Zittauer Kulturhauptstadtbewerbung, sieht Diskussionsbedarf: Schließlich sei auch das Geld aus Dresden ebenfalls unser aller Steuergeld, sagt er. Man müsse sich intensiv mit der Frage beschäftigen, "was denn vom zurückliegenden Prozess nachhaltig geblieben ist, von dem Zittau und das Umland profitieren, und was genau man denn nun Bleibendes plant mit diesem frischen Geld -  außer schönen Bildern und dem Appell an mehr Selbstbewusstsein."

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