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200 Gäste verabschieden Gerti Töpfer

Riesas Ex-Oberbürgermeisterin konnte sich gestern vor guten Wünschen kaum retten. So ganz geht sie aber nicht.

Von Jens Ostrowski

Schluss aus vorbei: Noch kommt es Gerti Töpfer vor, als habe sie nur ein paar Tage Urlaub genommen. Tatsächlich aber ist sie seit letztem Sonntag keine Oberbürgermeisterin der Stadt Riesa mehr. Auf eigenen Wunsch. Aber aus gesundheitlichen Gründen. Gestern verabschiedete die Verwaltung die 60-Jährige mit über 200 Gästen im Ratssaal des Klosternordflügels.

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„Ich bin froh, dass der Tag nun gekommen ist. Erst jetzt ist überhaupt daran zu denken, auch gedanklich Abschied vom Amt zu nehmen“, sagte Gerti Töpfer der Sächsischen Zeitung in einer Gratulationspause. Denn von 9.45 Uhr bis zur Mittagszeit schüttelte sie unaufhörlich Hände, erhielt Worte des Abschieds und beste Genesungswünsche. Letztere kann sie gut gebrauchen, denn Gerti Töpfer hatte auf Anraten der Ärzte ihr Amt aufgegeben. Der Stress hatte ihrem Körper zugesetzt. Seit ihrer letzten Kur war sie nur noch halbtags im Amt. Die erste Woche in Freiheit habe sie größtenteils genossen, verriet Gerti Töpfer. „Ich habe zeitweise auf dem sonnigen Balkon gesessen und ein Buch gelesen“, sagte sie. Die zahlreichen Kisten und Kartons mit Unterlagen und Erinnerungen aus ihrer elfjährigen Amtszeit hat sie kaum angerührt. „Ich habe zwar begonnen, die Inhalte der Kisten zu sortieren, habe mich dann aber relativ schnell doch anderen Dingen zugewandt“, sagte Töpfer lachend. Aus dem Sortieren wird die Oberbürgermeisterin außer Dienst allerdings so schnell nicht herauskommen. Der lange Geschenke- und Blumentisch im alten Ratssaal reichte für alle Präsente gar nicht aus. Die Gäste aus Vereinen, städtischen Gesellschaften, Politik, Unternehmen und Verwaltung hatten sich dabei allerlei einfallen lassen. Baubürgermeister Tilo Lindner, derzeit Chef in der Verwaltung, schenkte seiner ehemaligen Chefin im Namen aller Mitarbeiter eine künstlerische Fotografie der Schlossbrücke in Gröba, mit der sich Gerti Töpfer im Nachhinein gesehen ein Denkmal gesetzt hat. Vom Museumsverein gab es eine Fünfjahreskarte für den jährlichen Museumsball.

Unterdessen haben sich auch die Mitarbeiter im Oberbürgermeisteramt noch immer nicht ganz an ihre neue Situation gewöhnt. „Und das wird auch noch ein wenig dauern“, sagt Töpfers ehemalige Assistentin Manuela Langer. Viel Zeit zum Nachdenken habe es im Oberbürgermeisteramt allerdings in dieser ersten Woche nicht gegeben. „Dafür gibt es nach den Kommunalwahlen viel zu viel zu tun“, sagt Langer. Sie und die engsten Mitarbeiter von Gerti Töpfer werden noch einen eigenen Abschied feiern.

Aber so ganz verschwindet Gerti Töpfer übrigens nicht von der Bildfläche. Sie wird ab der nächsten Legislaturperiode für die CDU im Kreistag sitzen. „Außerdem kann man mich jetzt öfter im Fitnessstudio antreffen, ganz, so wie die Ärzte es mir geraten haben“, sagt Gerti Töpfer grinsend.