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200 Menschen vor Hochwasser gerettet

In der Weinau sind Tiere ertrunken, in Drausendorf und am Kristina-SeeDämme gebrochen. Ortsteile und Zittau-Ost wurden geflutet.

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Von Thomas Mielke & Jan Lange

Das Wasser kam binnen Stunden: Neiße, Mandau, Goldbach und andere Bäche stiegen nach sintflutartigen Regenfällen am Wochenende rasant an, stauten zurück und überschwemmten Teile von Zittau, Hartau, Drausendorf und Hirschfelde.

Auf tschechischer Seite brach der Damm zwischen Neiße und Kristina-See. Der Pegel sprang daraufhin sofort um 30 Zentimeter nach oben. In Drausendorf soll der alte Neiße-Deich gebrochen sein: Das Dorf wurde überflutet.

Schwer verletzte oder gar tote Menschen sind nicht zu beklagen. Dafür ertranken im völlig überfluteten Zittauer Tierpark zehn Lamas und ein Pferd. Auch Gürteltier Ilse, ein Wollschwein, Bartkäutze und Ara Otto überlebten nicht. „Wir konnten gar nicht so schnell reagieren, wie die Wassermassen ankamen“, sagt Geschäftsführer Andreas Stegemann. Das Wasser habe „bis zum Hals gestanden“. Viele freiwillige Helfer nahmen spontan große wie kleine Tiere bei sich auf.

Hunderte Menschen sind aus ihren Wohnungen evakuiert worden. Der Großteil konnte sich allein retten. Bis zu 200 mussten per Hubschrauber, Boot, Traktor oder Autos geborgen werden. „Die Bürger haben sich – bis auf Einzelfälle – sehr besonnen verhalten“, lobte Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Bürger), der seit Sonnabend früh als Chef des Zittauer Katastrophenstabes Hunderte Helfer dirigierte und oft selbst vor Ort war. In Hirschfelde rückten in der Nacht zu Sonntag zwei Hubschrauber an, trafen laut Voigt die um Hilfesuchenden aber nicht auf dem Dach an. Viele Evakuierte kamen in der Sporthalle am Ottokarplatz unter. Auch die Feuerwehren – zum Beispiel in Hartau – nahmen Hochwasseropfer auf.

Größere Schäden an der Infrastruktur sind vorerst nicht sichtbar geworden. Allerdings wurden die Klärwerke in Zittau und Hirschfelde überspült und es sollen laut Landratsamt zwei unbenutzte Neißebrücken beschädigt sein. Die anderen Brücken sind wieder befahrbar, sagte Rathaussprecherin Ines Hirt. Dafür sind hunderte Keller voll gelaufen und Grundstücke überschwemmt worden. Besonders betroffen sind zum Beispiel die Mensa und der Dresdener Hof. Dutzende Autos blieben auf überfluteten Straßen – wie auf der Brückenstraße in Zittau-Ost – stecken oder wurden durch Treibgut beschädigt. Teile der Aral-Tankstelle wurden vorsichtshalber abgebaut. Inzwischen hat sich die Lage größtenteils entspannt. Das Wasser ist zurückgegangen. Aufräumarbeiten und Reparaturen haben begonnen. Häuser und Brücken werden derzeit untersucht. Die meisten Evakuierten sind in ihre Wohnungen zurückgekehrt. „Die öffentlichen Toiletten sind bis Mittwoch kostenfrei nutzbar“, teilte Hirt angesichts zerstörter Abwasserleitungen mit.