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Wo kommen Riesas neue Bäume hin?

Nach einer verlorenen Wette soll es für jeden Riesaer Neugeborenen eine Pflanzung geben. Das ist aber nicht so einfach.

Von Christoph Scharf
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Im Stadtpark unterhalb von Rathaus und Tierpark wäre schon noch Platz für weitere Baumpflanzungen. Allerdings kann die Stadt dort nicht einfach so zusätzliche Bäume hinpflanzen – das muss der Freistaat erlauben.
Im Stadtpark unterhalb von Rathaus und Tierpark wäre schon noch Platz für weitere Baumpflanzungen. Allerdings kann die Stadt dort nicht einfach so zusätzliche Bäume hinpflanzen – das muss der Freistaat erlauben. ©  Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Das Thema „Bäume“ bewegt die Riesaer. Ganz wörtlich. Bei nasskaltem Wetter hatten sich im November Hunderte Leute an einer Wanderung vom Flugplatz Göhlis bis zum Riesenhügel beteiligt. Anlass war eine Wette darum, ob ein Riesaer Unternehmer der Stadt für jeden Neugeborenen eine Baumpflanzung spendiert – oder ob die Stadt das selbst übernehmen muss. Der Ball liegt jetzt bei Riesa: Statt 900 Teilnehmern waren im städtischen Jubiläumsjahr nur – oder immerhin – 611 Wanderer bei der Aktion dabei.

Demnach muss sich die Stadt selbst um die Pflanzung von etwa 200 Bäumen kümmern. So viele neue Riesaer werden erfahrungsgemäß pro Jahr geboren. „Wir haben ein Spendenkonto eingerichtet“, sagt Oberbürgermeister Marco Müller (CDU). Allerdings würden viele Riesaer auch selber Hand anlegen wollen, die Grube ausheben, den Baum pflanzen. „Da gibt es eine richtige Begeisterung“, sagt der OB. Allerdings ist zuvor noch etwas Wichtiges zu erledigen – unabhängig von den Kosten der Baumpflanzungen. Nötig ist eine Fläche für die Bäume, die schließlich nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte stehen bleiben sollen.

Nossen beispielsweise hat die „Stammhalterbäume“ in den vergangenen Jahren mehrfach an alten Feldwegen zwischen den Äckern der Lommatzscher Pflege pflanzen lassen – um die kahlgeräumte Landschaft wieder zu gliedern. In Riesa würde sich etwa der Stadtpark anbieten, wo es auch relativ große Wiesen gibt. „Für die Idee einer ‚Stammhalterwiese‘ wäre eine so exponierte Fläche wie der Stadtpark eigentlich ideal“, sagt OB Müller. Dort würde man viele Bäume auf einmal unterbekommen – und könnte den sonntäglichen Familienspaziergang zum quasi „eigenen“ Baum führen lassen.

Aber so einfach ist es dann doch nicht: Der Riesaer Stadtpark liegt mitten im vom Freistaat festgesetzten Überschwemmungsgebiet. Bei einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser würde der Stadtpark komplett in den Fluten stehen, genauso wie die Promenade flussabwärts und der größte Teil der Gartensparte „Reiter“ flussaufwärts. Und in solchen Gebieten ist es mittlerweile nicht nur verboten, Häuser zu bauen – die sonst überschwemmt würden. Auch auf mögliche Abfluss-Hindernisse hat der Freistaat ein Auge – etwa Anschüttungen oder auch Baumpflanzungen. Nur, weil dort schon seit 100 Jahren Bäume wachsen, darf man also noch lange nicht einfach welche dazu pflanzen.

Die Stadt Riesa ist dazu bereits mit dem Freistaat in Gespräch, sagt Marco Müller. Es würden Anfragen wegen der Hochwasserschutzbelange laufen. Weil der Stadtpark damit als Platz für die Stammhalter-Bäume bestenfalls eingeschränkt infrage kommt, ist die Verwaltung dabei, alternative Flächen für Riesas neues Grün zu finden. „Wir haben jetzt die ersten Flächen für das Projekt ermittelt und kategorisiert“, sagt der OB. Entscheidend sei dabei nicht nur, ob sie im städtischen Zugriff liegen, sondern auch, ob Belange Dritter zu berücksichtigen sind – wie etwa bei der Überschwemmungsproblematik. „Man muss dabei auch beachten, ob an der Stelle Leitungen im Boden liegen“, sagt Müller. Deshalb habe man die eine große Fläche für 200 Bäume nicht gefunden.

Dennoch soll es bald mit den Pflanzungen losgehen: Den Anfang machen wird eine als „unkritisch“ geltende Fläche an der neugebauten Brücke Grenzstraße/Lange Straße. Schaut man Richtung stadteinwärts, ist es die linke Seite vor der in einem Einschnitt verlaufenden Bahnstrecke nach Chemnitz. Auf dem sogenannten „Taubendreieck“ hatte während des Brückenbaus die Baustellen-Einrichtung gestanden. „Auf diese 930 Quadratmeter dort passen zwölf Bäume. Wir würden ein Pflanzraster vorschlagen und geeignete Bäume bestellen, die langlebig sind und wenig Pflege benötigen“, sagt Marco Müller. Gleichzeitig suche man schon nach weiteren Flächen, die sich im ganzen Stadtgebiet verteilen könnten. Schon im Frühjahr könnten die Pflanzungen beginnen.

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