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Kein Abiball - Schüler sind frustriert

Wegen der Corona-Beschränkungen fällt der feierliche Abschluss der Schulzeit aus. Kamenzer Gymnasiasten sprechen über ihre Enttäuschung.

Trauriges Ende der Schulzeit: Die Kamenzer Gymnasiasten Tim Jäckel, Pauline Löchel, Alexander Bulharu, Emily Reichert und Joseph Maak (v.r.) können wegen Corona keinen Abiball feiern.
Trauriges Ende der Schulzeit: Die Kamenzer Gymnasiasten Tim Jäckel, Pauline Löchel, Alexander Bulharu, Emily Reichert und Joseph Maak (v.r.) können wegen Corona keinen Abiball feiern. © Matthias Schumann

Kamenz. Sie haben sich in Schale geworfen. Langes Kleid, hochhackige Schuhe,  Nadelstreifenanzug. An einem ganz normalen Wochentag stehen fünf Abiturienten auf dem Kamenzer Markt. Ein bisschen verloren und nicht gerade fröhlich. Aber sie wollen sich zeigen. Und sie sprechen stellvertretend für Hunderte andere  Gymnasiasten im Landkreis Bautzen. Das Thema ist kein schönes. Dem Abitur-Jahrgang 2020 wird gerade das Krönchen genommen - der Abiball.

Etwas, wovon sie lange geträumt haben. Etwas, das  zum Schülerleben gehört. "Man hat das ja schon bei anderen Jahrgängen miterleben dürfen. Und hatte so eine Ahnung, wie toll das werden kann. Die Vorfreude war groß.  Nun ist alles hin", sagt Emily Reichert vom Kamenzer Lessing-Gymnasium. Die Hoffnung auf Normalität ist weg. Und der Abiball im Hotel Stadt Dresden am 11. Juli abgesagt.

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Nicht an allen Gymnasien des Landkreises hat man bislang etwas offiziell verlauten lassen, aber die aktuellen Kontaktbeschränkungen und Hygiene-Auflagen sind ja bekannt. Daran wird wohl auch in den nächsten Wochen nicht gerüttelt. Ein Saal mit über 500 Gästen? Das wird selbst mit Lockerungen nirgendwo möglich sein. "Da wir Schüler bei uns alles allein organisieren, mussten wir beizeiten eine Entscheidung treffen. Und der Wirt legte uns diese ans Herz", sagt Emily traurig.

Feiern auf Abstand - das geht nicht

Corona hat  allen Abiturienten einen Strich durch die Rechnungen gemacht. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Da gingen die ersten Ideen und Planungen gerade an den Start. "Keiner von uns hätte auch nur im Ansatz geahnt, dass uns irgendetwas auf dieser Welt den Abiball wegnehmen könnte", sagt Emily Reichert. Die 18-Jährige ist im Ball-Komitee des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums. "Wie soll man so etwas mit Abstand zueinander feiern?", fragt sie. "Geht gar nicht! Wir wollen ja miteinander tanzen, uns auch mal umarmen dürfen."

Ein bisschen trotzig klingen sie. Doch wer will ihnen das verübeln?  Auch Tim Jäckel aus Burkau, der gerade sein Abitur am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kamenz macht, musste als Organisator der großen Ball-Sause am 4. Juli eine Abfuhr erteilen. "Unsere drei Abschlussklassen wollten im 'Sport Live' Rammenau feiern. Knapp 500 Gäste waren angemeldet,  davon etwa 65 Schülerinnen und Schüler", erzählt er.  "Wir waren schon richtig weit mit den Vorbereitungen, die DJs hatten wir klar gemacht. Aber nun wird das wohl alles nix", sagt er enttäuscht. 

Auch Mitschülerin Pauline Löchel kennt die Sorgen in allen Facetten. "Wir sind fast eine reine Mädchenklasse. Hier haben alle schon ihr Abikleid  vor einem halben Jahr gekauft,  viele hatten sogar bereits Friseurtermine. Das alles kommt jetzt nicht zum Einsatz", sagt die 19-Jährige. Sicherlich sei das "Jammern auf hohem Niveau". Das wissen sie  auch. Doch ärgerlich ist es. "Man nimmt uns ein Ritual", sind sich alle einig. 

Das sehen auch Lehrer so. Sie können den Frust ihrer Schüler verstehen. Jens Krüger vom Lessing-Gymnasium Kamenz sagt: "In der mündlichen Prüfung wurde mir das kürzlich erstmal so richtig bewusst. Eigentlich sage ich meinen Einser-Kandidaten immer: 'Wir sehen uns dann an der Bar vom Stadt Dresden.' Doch das fällt  ja nun aus.  Ich finde es megatraurig für die  Schüler." Dass alles so anders sei, müsse man erst einmal verdauen. Nicht einmal der letzte Schultag am 18. Juni kann allerorts richtig zelebriert werden. Geschweige denn die Motto-Woche davor.

Bis Anfang Juni laufen noch die mündlichen Prüfungen. Auch Joseph Maak aus der 13. Klasse des BSZ Kamenz hat noch ein paar vor sich. "Es ist schon alles ein bisschen eigenartig. Erst konnten wir wochenlang nicht in die Schule, dann nur mit Einschränkungen. Masken, Abstandsregeln - alles nicht so das Wahre", sagt er. "Ob und wie die Zeugnisausgabe laufen wird, wissen wir ebenfalls noch nicht", sagt der 19-Jährige. Auf dem Abiball wollte er Gitarre spielen. "Wir hatten mit ein paar Freunden sogar schon an Programmpunkten gearbeitet, an Songs, andere wollten Sketche einstudieren", so der Kamenzer. 

Auch die Abschlussfahrt fällt aus

Auch die Klassenfahrt an den Bodensee mit allen drei Abi-Klassen vom BSZ Kamenz wurde abgesagt. Das hat noch einmal so richtig negativ reingehauen. Die Lessingschüler hatten ihre offizielle Abschlussfahrt glücklicherweise bereits vor Corona. Nach dem Abi wollten sie einfach noch miteinander wegfahren - ohne Lehrer. "Wie das läuft, weiß auch noch keiner richtig. Aber da gibt es wenigstens Spielraum", sagt  Alexander Bulharu. 

Gemeinsam mit Emily Reichert und Freunden hatte er den Abiball  bei "Lessings" organisiert. Auf das Konto der 18-Jährigen aus Biehla geht bereits ein rauschender  Winterball letztes Jahr, der mit 300 Gymnasiasten in Schönau gefeiert wurde.  Eine Art Testlauf. "Vielleicht holen wir unseren Abiball ja noch in diesem Winter nach", sagt Alexander Bulharu. "Ideen haben wir  und werden dafür auch schnellstens einen Termin  im Stadt Dresden blocken", sagt Emily. Ob das Nachholen aber funktioniert? "Wir wissen es nicht. Aber so schnell geben wir nicht auf", sagt Bulharu.

Für die Abi-Klassen des BSZ ist das beispielsweise keine Option: "Ab Herbst sind wir zu weit verstreut. Die einen gehen zum Studium, die anderen beginnen eine Lehre oder gehen erst einmal ins Ausland", weiß Tim Jäckel. Das könnte auch für  die Lessingschüler zum Problem werden.  "Das fühlt sich alles einfach nicht richtig an", sagt Emily Reichert unglücklich. Und mit dieser Meinung steht sie nicht allein. Auch in den Abschlusskklassen der Oberschulen des Landkreises sieht es ähnlich aus. 

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