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232 Flüchtlinge fanden 2017 in der Oberlausitz Arbeit

Mehr als 1 000 Zugezogene sind auf Jobsuche. Die gestaltet sich oft aus einfachen Gründen ganz schwierig.

© dpa

Von Tilo Berger

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Ich habe bei meinem Vater in der Tischlerei gearbeitet“, oder „Ich habe schon mal eine Mauer gebaut“. Sätze wie diese hören die Vermittler der Arbeitsagentur Bautzen oft, wenn ihnen Flüchtlinge gegenübersitzen. Wer in seinem Herkunftsland schon mal Holz bearbeitet oder eine Mauer hochgezogen hat, bezeichnet sich dann ganz schnell als Tischler oder Maurer. „Bei Tests sehen wir dann, dass viele durchaus was können“, sagt Thomas Berndt, der Chef der Arbeitsagentur. „Nur kann das eben in der Regel nicht als Berufsabschluss wie hierzulande gelten.“

Das ist ein Grund, weshalb so viele Flüchtlinge ohne Berufszeugnis dastehen. Von 1 004 Flüchtlingen, die derzeit bei der Bautzener Agentur oder den Jobcentern der Landkreise Bautzen und Görlitz als arbeitsuchend gemeldet sind, haben 814 keinen anerkannten Berufsabschluss. 49 können eine betriebliche Ausbildung vorweisen, 28 einen akademischen Abschluss. Über 94 der 1 004 arbeitsuchenden Flüchtlinge ist hingegen beruflich gar nichts bekannt.

Viele wollen in die Produktion

Viele kommen mit ganz konkreten Vorstellungen über ihre künftige Arbeit zum Vermittler. Die meisten wollen einen Job in der Produktion. Etwa halb so viele geben als Arbeitswunsch Bau oder Gebäudetechnik an. Gesundheit und Soziales, Verkehr, Logistik, Handel und Tourismus folgen in der Statistik. „Darunter sind Branchen, in denen wir schon richtig Leute suchen“, sagt Agenturchef Berndt. „Vom Ansatz her passt es also.“

Vom Alter her auch. Viele Zugezogene gehören   der   gleichen   Generation  an wie  hiesige  Lehrlinge  oder  Berufseinsteiger.  Jeder  vierte  als  arbeitsuchend  gemeldete Flüchtling ist jünger als 25 Jahre, immerhin 32 Prozent sind laut einer Statistik der Arbeitsagentur zwischen 25 und 35 Jahre alt.

Der Agenturchef sieht in den Flüchtlingen eine von mehreren möglichen Reserven für den hiesigen Arbeitsmarkt. Bis 2030 werden etwa 70 000 Oberlausitzer in Rente gehen. Da werden viel mehr Jobs frei, als es in der Region junge Leute gibt. Mehrere Initiativen, ausgewanderte Oberlausitzer  zur  Rückkehr  zu  bewegen, zeigen bisher eher mäßigen Erfolg. Auch Polen  und  Tschechen  können  die  Lücke nur zu einem kleinen Teil füllen, zumal in den Nachbarländern selbst langsam die Leute knapp werden. Die Arbeitsagentur versucht deshalb, auch Flüchtlinge fit zu machen für hiesige Jobs. Erste Voraussetzung ist aber, dass sie die deutsche Sprache erlernen.

Wenn die Chancen auf einen beruflichen Einstieg gut stehen, kennt die Agentur mehrere Wege zur Förderung. In 377 Fällen gab sie im Jahresdurchschnitt 2017 allgemein Hilfe zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. 24 Flüchtlinge unterstützte die Agentur bei ihrer Berufswahl und Berufsausbildung.

18 Mal half die Agentur bei beruflicher Weiterbildung. Und in ebenso vielen Fällen zahlte sie Arbeitgebern einen sogenannten Eingliederungszuschuss. Berndt bezeichnet dies als die direkteste Förderung, weil hier am Ende meist ein Arbeitsvertrag steht. Alle Förderinstrumente stehen übrigens auch zur Verfügung, um Einheimische in Arbeit zu bringen.

Hilfe zeigt Erfolge

Dass der Strauß der Hilfsmöglichkeiten etwas bringt, zeigt sich an den Zahlen des Vorjahres.

Zwischen Neujahr und Silvester 2017 meldeten sich in der Oberlausitz 232 Flüchtlinge aus der Arbeitslosigkeit ab, weil sie einen Job gefunden hatten. 59 von ihnen verdienen jetzt in der Produktion ihr Geld, 20 im Handel oder Tourismus, 14 in Verkehr und Logistik.