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Stundenlang um den Bärwalder See

Binnen 24 Stunden legt der Nieskyer Carsten Ringel 710 Kilometer zurück. Sie hinterlassen ihre Spuren an dem Triathleten.

Der Nieskyer Carsten Ringel (2.v.l.) bekam auf seiner Tour Unterstützung von den Profis Markus Thomschke vom OSSV Kamenz, Profitriathlet Philipp Bahlke und Faris al Sultan, Ironman Weltmeister von 2005 und Trainer von Markus Thomschke. .
Der Nieskyer Carsten Ringel (2.v.l.) bekam auf seiner Tour Unterstützung von den Profis Markus Thomschke vom OSSV Kamenz, Profitriathlet Philipp Bahlke und Faris al Sultan, Ironman Weltmeister von 2005 und Trainer von Markus Thomschke. . © privat/Carsten Ringel

Carsten Ringel ist ein begeisterter Triathlet. Seit 1998 ist er dieser Sportdisziplin, die aus Laufen, Schwimmen und Rad fahren besteht, mit Leib und Seele verbunden. Im vergangenen Jahr wurde er Mitglied im Ostsächsischen Schwimmverein Kamenz (OSSV). Dort trainiert er in der Abteilung Triathlon. Länger als diese Vereinszugehörigkeit geistert ihm die Idee eines 24-Stunden-Fahrens um den Bärwalder See durch den Kopf. Zwei Jahre hat es gebraucht, bis der Nieskyer sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Darüber schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Am letzten Wochenende im Juni ist es soweit gewesen.

Der Athlet sagt: "Durch Corona sind bisher leider alle Wettkämpfe ausgefallen und irgendwo muss man ja auch mit seiner Energie und der guten Form hin." Und so schmiedet der gelernte Zimmerer einer Nieskyer Baufirma seinen Plan, einen Tag und eine Nacht lang um den Bärwalder See zu radeln. 

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Zweifel am Freitagmorgen

Zusammen mit seinem Kumpel Rainer Neumann, der sich um die Logistik kümmert, wird diese sportliche Herausforderung vorbereitet und ein Datum festgelegt. Am letzten Juni-Freitag sollte es losgehen. "Freitagfrüh, als ich aufgestanden bin, kamen mir dann doch ein paar Gedanken auf.  24 Stunden!? Bist du sicher, dass du Dir das richtig überlegt hast?", erzählt Carsten Ringel. Plötzlich hat er Respekt vor dem was er sich antun will. Für den Triathleten ist das keine normale Trainingsfahrt,  wo er nach vier bis sechs oder vielleicht auch mal zwölf Stunden ausgepowert wieder nach Hause kommt. 

Der Nieskyer Carsten Ringel ist mit seinem Sportrad 24 Stunden um den Bärwalder See gefahren.
Der Nieskyer Carsten Ringel ist mit seinem Sportrad 24 Stunden um den Bärwalder See gefahren. © privat/Carsten Ringel

Genau 9.36 Uhr startet der Spaß am Bärwalder See. Zumindest fühlt sich das zu Beginn so an, erzählt Carsten Ringel. Denn die ersten Runden vergehen wie im Flug, das Wetter ist toll und die Gewitter machen einen riesen Bogen um den See. "Kurzum, es ist alles perfekt!" Es dauert nicht lange, da tauchen plötzlich drei prominente Sportler am Horizont auf:  Vereinskumpel und Profi-Triathlet Markus Thomschke. Er  hat seinen Trainer und ehemaligen Hawai-Sieger von 2005, Faris al Sultan, und Andy Dreitz im Schlepptau. "Nach kurzem Plausch musste ich aufpassen, dass ich bei soviel Prominenz nicht gleich vor Kraft die Fahrradkette zerreiße", freut sich Ringel über den Besuch. 

Mutter kocht Spaghetti Bolognese

Der Nachmittag ist ausgefüllt mit Runden drehen. Gegen 18 Uhr kommen Frau und Tochter mit Freundinnen und machen am See ein Picknick. Für Carsten Ringel Zeit für eine Rast: "Ich kühle mich im See ab, esse etwas, um bis zum nächsten Imbiss gesättigt zu sein. Um 21 Uhr sind Spaghetti Bolognese von seiner Mutter geplant. "Kontinuierliche Energiezufuhr ist wichtig bei so einer Herausforderung", sagt der Sportler. Der Tag hat sich inzwischen über dem See verabschiedet. Licht muss ans Fahrrad montiert werden, um nicht im Blindflug den See zu umrunden.  

"Die ersten drei Runden in der Nacht waren echt beschissen.", erinnert sich der Triathlet nur ungern. Er hat kaum die Abzweigungen des Radwegs gesehen, da der Lichtschein der Lampe gerade auf die Straße leuchtet "Somit ist es extrem schwierig, halbwegs mit normaler Geschwindigkeit weiterzufahren. Dazu kommt, dass es sehr viele Hasen, Füchse und Wildschweine am See gibt, die oft den Weg kreuzen." Dazu gesellten sich an den Stränden und einigen Hütten junges Partyvolk, das mit reichlich Alkohol feierte und einige gingen im Stockdunklen sogar spazieren. 

In der Nacht ist der Athlet nur drei  Runden am Stück gefahren. Die Müdigkeit ist nicht so schlimm, aber die Konzentration ist viel höher, als am Tag. "Nach den ersten drei Nachtrunden liege ich erschöpft auf dem Radweg. Ich spüre die Hitze des Asphalts unter mir, schaue in die Sterne und frage mich, warum ich diesen Sch... hier eigentlich mache?" Für den Nieskyer wäre es um einiges schöner, hier liegen zu bleiben und den Himmel weiter anzuschauen - oder gar im Bett zu liegen.

Mit 40 km/h durch die Nacht

Doch eine Runde später ist alles wieder vergessen, denn es läuft wie verrückt, "Ich fege mit fast 40 Stundenkilometern durch die Nacht und das ist unglaublich. Das erste Tief ist damit überwunden." Carsten Ringel will gar nicht anhalten, entscheidet sich aber trotzdem, gegen 1.30 Uhr erneut kurz zu Pausieren. Danach geht es nicht mehr so gut weiter, der Radsportler erlebt ein weiteres Tief. "Ich hab in den nächsten drei Runden kaum getrunken und nichts gegessen. Ich dachte, wenn ich die drei Runden geschafft habe, wird es hell und es läuft von selbst wieder." Leider verspürt er das Gegenteil. Es wurde zwar hell, aber der einsame Radler hatte keine Energie mehr: "Ich habe mich zum Trinken gezwungen, mir war leicht übel und ich wollte eigentlich überhaupt nicht mehr." Jetzt ist es für ihn reiner Wille. Er zwingt sich, zu trinken und versucht, die kalorienreiche Nahrung herunterzuschlucken.

Es geht langsam bergauf mit dem Körper. "Ich spüre, wie die Kraft wieder etwas zurück kommt." Gegen 5 Uhr sind die ersten Freunde da, um mit dem Ausdauersportler um den See zu kreisen. "Die haben natürlich recht frische Beine und ich spüre langsam jede Kurbelumdrehung an meinem Hintern und in den Oberschenkeln. Dazu tun die Zehen extrem weh", schildert Ringel seine körperliche Verfassung am Morgen.

Respekt der Sportfreunde

Schließlich nähert sich Ringel mit Unterstützung seiner Freunde der 24. Stunde. Beim Blick auf den Tachometer durchzieht Carsten Ringel ein gutes Gefühl: "Es ist geschafft, 710 Kilometer in 24 Stunden." Und nicht nur das. Carsten Ringel bekommt den Respekt seiner Sportfreunde. Denn wer radelt schon in der Nacht allein um einen See? "Nur Bekloppte" sagt der Familienvater und muss darüber lachen. Denn schon wenige Stunden danach kommt ihm der Gedanke, dass er diese Tour wiederholen möchte. "Mir geht es 24 Stunden später schon wieder fantastisch", sagt Ringel am Sonntag. Sein Dankeschön gilt allen, die ihn bei dieser sportlichen Herausforderung unterstützt und begleitet haben.

Die Füße entspannen und dabei das Handy checken. Per Whatsapp sind viele Freunde bei der Fahrt um den Bärwalder See dabei.
Die Füße entspannen und dabei das Handy checken. Per Whatsapp sind viele Freunde bei der Fahrt um den Bärwalder See dabei. © privat/Carsten Ringel

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