merken
PLUS

Görlitz

30 Straftaten in 40 Stunden

Von Anklam bis Zittau wurde an drei Tagen die Grenze kontrolliert. Ein Schwerpunkt war die Autobahn bei Görlitz.

Halt, Stopp: Auf dem Parkplatz An der Neiße war vor allem für Pkw und Kleintransporter die Reise Richtung Polen kurzfristig zu Ende. Hier hatten Landes- und Bundespolizei sowie Zoll eine Kontrollstelle eingerichtet.
Halt, Stopp: Auf dem Parkplatz An der Neiße war vor allem für Pkw und Kleintransporter die Reise Richtung Polen kurzfristig zu Ende. Hier hatten Landes- und Bundespolizei sowie Zoll eine Kontrollstelle eingerichtet. © Nikolai Schmidt

Die Autobahn ist dicht, ungewöhnlich für einen normalen Werktagnachmittag bei Ludwigsdorf. Der Verkehrsfunk im Radio warnt vor einem zwei Kilometer langen Stau bei der Ausreise. Brummi an Brummi schiebt sich langsam Richtung Osten, auf der linken Fahrspur versuchen Pkw-Lenker noch schnell ein paar Meter gut zu machen. Das rechnet sich aber nicht. Irgendwann werden sie nach rechts gezwungen, die Autobahn wird einspurig, dann geht es auch noch abseits der Schnellfahrpiste auf den Parkplatz An der Neiße kurz vor dem Grenzübergang. Hier wartet die nächste Überraschung: „Guten Tag, Kontrolle.“

Die Auswirkungen einer „komplexen Maßnahme“, so heißt es im Behördendeutsch, bekamen Autofahrer an der deutsch-polnischen Grenze zwischen Dienstag und Donnerstagmittag zu spüren. Von A bis Z wurden Reisende unter die Lupe genommen von Anklam bis zum Zittauer Gebirge. Kollegen von Landes- und Bundespolizei sind dabei, außerdem der Zoll. Die Polizei von Bund und Land bekam zudem Unterstützung von Europol und Frontex, der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache. Insgesamt waren über 3 000 Beamte an der deutschen Grenze im Einsatz. Sie kontrollierten rund 9 000 Fahrzeuge und 12 500 Personen. 130 Straftaten wurden festgestellt.

Anzeige
Das perfekte Auto - für jeden
Das perfekte Auto - für jeden

Der Crosscamp Life ist eine echte Allzweckwaffe. Mit dem Kleinbus werden Urlaub und Alltag individuell und krisensicher. Exklusiv im Autohaus Dresden

Ist da wer oder was: Die Kontrollen verlangten von den Beamten vollen Körpereinsatz.
Ist da wer oder was: Die Kontrollen verlangten von den Beamten vollen Körpereinsatz. © Nikolai Schmidt

Es sind vor allem Kleintransporter und Pkw, die auf dem Parkplatz bei Ludwigsdorf an der Autobahn herausgewinkt werden, zudem Reisebusse. „Für die Kontrolle von Lkw ist der Aufwand doch sehr groß. Sie werden nur genauer angeschaut, wenn sichtbare Mängel zu erkennen sind“, sagt Torsten Jahn, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. So rollen die großen Brummis an diesen Kontrolltagen eher ungehindert weiter, vor allem aber den Fahrern von Kleintransportern wird in die Papiere und den Wagen geguckt. Der Fahrer eines blauen Opel Zafira ist mit der Aktion nicht so richtig glücklich. Über ein Dutzend Autoräder räumt er aus, eine erstaunliche logistische Leistung. Die Reifen stapeln sich nicht nur im Kofferraum, sondern auch auf der Rückbank. Und dann kommt auch noch Pamela. Der Drogenspürhund des Zolls schnüffelt an den Reifen, Stoßstangen und hat auch keine Berührungsängste mit dem Motorraum. „Unsere Hunde sind auf alle möglichen Drogen geeicht, von weichen bis zu synthetischen“, sagt Heike Wilsdorf, Sprecherin des Hauptzollamtes. In dem Fall kann Pamela schnell Entwarnung geben: Das Fahrzeug ist sauber. Für den Fahrer heißt es jetzt: Räder wieder einsortieren. Während er damit beschäftigt ist, packen vier junge Männer nebenan ihr Gepäck aus einem weißen Ford Transit, ebenfalls polnisches Kennzeichen.

Pamela schnüffelt: Der Drogenspürhund des Zolls hatte an der Autobahn im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll.
Pamela schnüffelt: Der Drogenspürhund des Zolls hatte an der Autobahn im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll. © Nikolai Schmidt

Die Herren sehen es gelassen, auch als ihr Gepäck durch eine mobile Röntgenanlage geschoben wird. Alles in Ordnung, sie dürfen wieder einladen. 40 Stunden dauert die Kontrolle in der Oberlausitz. Allein von der Landespolizei waren 700 Beamte im Einsatz, schichtweise. 1 723 Fahrzeuge schauen sie sich an, und fast 2 900 Personen. Das Ergebnis: 30 Straftaten werden festgestellt. Darunter sind fünf Diebstähle, drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, also Drogen, zwölf Verkehrsverstöße, ein Tankbetrug, ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und dreimal Urkundenfälschung. Beispiel Tankbetrug: An der Rastanlage Oberlausitz haben zwei Männer am Donnerstagmorgen einen Audi vollgetankt und fahren ohne zu bezahlen weg. Bei der Kontrolle auf dem Parkplatz An der Neiße werden die Betrüger überführt. Als sich die Polizisten das Auto genauer anschauen, entdecken sie zahlreiche Parfüm-Flakons im Wert von mehreren Tausend Euro, außerdem neuwertige Bekleidung. Woher das Ganze stammt, können die vier Fahrzeuginsassen im Alter von 21 bis 30 Jahren nicht erklären. Die Polizei stuft die Ware als Diebesgut ein und stellt sie sicher. Zu guter Letzt schlägt auch noch der Rauschgiftspürhund an. Ein 29-jähriger Autoinsasse hat Amphetamine konsumiert. Bei allen vieren klicken nun die Handschellen, die Kriminalpolizei ermittelt.

Ein Tscheche nimmt derweil die Kontrolle auf dem Autobahnparkplatz eher gelassen. Er plauscht auf Englisch mit den Polizisten, Der Geschäftsmann im Mercedes-SUV kann nach einem kurzen Blick in die Papiere weiterreisen weg vom Stau, gen Heimat über Polen.

Alles ok: Diese Reisenden nach Polen durften wieder einpacken. Koffer und anderes wurden geröntgt.
Alles ok: Diese Reisenden nach Polen durften wieder einpacken. Koffer und anderes wurden geröntgt. © Nikolai Schmidt

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Görlitz