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300 neue Jobs in zehn Monaten

Still und heimlich hat Alsa seine Mitarbeiterzahl in Görlitz mehr als verdoppelt. Und will weiter wachsen.

Von Daniela Pfeiffer

Es ist voll geworden in den Hallen. Hier, wo noch vor einem Dreivierteljahr reichlich Platz war und einzelne Produktionsstrecken etwas verloren wirkten. Wo noch im September 200 Menschen arbeiteten und seitdem 300 hinzugekommen sind. Fast völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Birkenstock-Zulieferer Alsa sein Werk in Görlitz kräftig aufgestockt. Die im September 2013 angekündigten Zahl von mittelfristig 200 neuen Jobs ist bereits jetzt deutlich überschritten.

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Warum Alsa diese positive Entwicklung nicht stolz der Öffentlichkeit präsentierte, liegt auf der Hand. Das permanente Einstellen neuer Leute an der Neiße wird nicht überall mit Wohlgefallen gesehen. Vor allem nicht im hessischen Uerzell, wo die Alsa GmbH ihr Stammwerk hat. Hier waren die vergangenen Monate turbulent. Nachdem Alsa vergangenen Sommer angekündigt hatte, die dortige Produktion zu schließen und sie mit den 280 Arbeitsplätzen im Bereich Formenbau und der Verwaltung nach Görlitz zu verlagern, gab es heftigen Gegenwind. Alsa verschob seine Pläne, plante dann den Verkauf des Formenbaus in Uerzell. Die Verhandlungen darüber zogen sich über die vergangenen Monate, zwei Interessenten soll es gegeben haben. Parallel dazu liefen Tarifverhandlungen. Laut örtlichen Medien wollte die Alsa-Geschäftsleitung eine Reihe von Einschnitten beschließen, während die Arbeitnehmervertretung eine deutliche Lohnerhöhung von 16 Prozent für die Uerzeller Beschäftigten forderte. Die Alsa-Geschäftsleitung begründete ihre Forderungen laut Betriebsrat damit, dass Teile der Alsa-Produktion für einen Käufer attraktiver gemacht werden müssten.

Vor einigen Tagen dann überraschend eine Kehrtwende: Betriebsrat und IGMetall gaben als Verhandlungsergebnis bekannt, dass der Produktionsstandort Uerzell doch erhalten bleiben soll. Demnach werde die Produktion künftig an beiden Standorten laufen. In Görlitz soll die industrielle Massenfertigung ausgebaut, in Uerzell Entwicklungsarbeit betrieben werden.

Die Geschäftsführung bestätigt das auf SZ-Nachfrage vorerst nicht. Stattdessen gibt sie sich über das Vorpreschen von IGM und Betriebsrat irritiert. Man stecke noch mitten in den Verhandlungen. Bislang erzielte Ergebnisse seien noch nicht rechtskräftig. „Die Verhandlungen konnten überhaupt erst aufgenommen werden, weil es in den letzten Monaten gelungen ist, das Alsa-Werk in Uerzell neu aufzustellen“, so Unternehmenssprecher Jochen Gutzy.

Für Görlitz sei das aber kaum von Bedeutung. Denn für das Alsa-Werk im Gewerbegebiet Ebersbach sagt Gutzy eine goldige Zukunft voraus – auch wenn es denn so sein sollte, dass der Standort Uerzell bleibt. Die Rahmenbedingungen in Uerzell hätten sich ja nicht geändert. Nach wie vor sei der Produktionsbau dort in die Jahre gekommen und immer noch habe Görlitz die besseren räumlichen Voraussetzungen. Auch die Produktionskosten seien an der Neiße günstiger.

Und die Nachfrage steige stetig. Vor allem in Asien und den USA sind Birkenstock-Schuhe begehrt. Die Warteliste umfasse 5 000 bis 6 000 Paar Schuhe, hatte Oliver Reichert, einer der beiden Gesamtgeschäftsführer von Birkenstock, kürzlich bei einem Besuch in Görlitz gesagt.

Deshalb arbeitet das Bernstädter S.P.P.-Werk, das ebenfalls zu Birkenstock gehört und in dem Schuhoberteile gestanzt, geprägt, gepresst und bedruckt werden, an der Auslastungsgrenze. Und deshalb wird in Görlitz, wo die Fußbetten hergestellt werden, seit mehreren Monaten schon im Dreischichtsystem gearbeitet. „Wir suchen ständig neue Mitarbeiter“, sagt Jochen Gutzy. „Sowohl für die Fertigung, als auch Fachkräfte für Maschinenbau oder in der Kunststoffbranche.“

Auch, wenn es inzwischen enger geworden ist, gebe es immer noch Kapazitäten. Die angrenzenden Flächen hat Alsa inzwischen gekauft, der Plan, eine neue Halle zu bauen, steht nach wie vor. Einen konkreten Zeitplan gebe es noch nicht. „Auf jeden Fall werden die Bagger auf dem Parkplatz anrollen“, sagt Sprecher Gutzy. „Hier muss Platz geschaffen werden für die vielen neuen Mitarbeiter.“