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323,88 Euro für zwei Stunden Falschparken

Ein Knöllchen aus dem Balkanurlaub droht für einen Dresdner ein teures Nachspiel zu haben. Kein Einzelfall. 

Mahnschreiben aus dem Ausland: Ingo Kretzschmar (40) aus Dresden ist sauer, wie viel er für einen Parkverstoß zahlen soll.
Mahnschreiben aus dem Ausland: Ingo Kretzschmar (40) aus Dresden ist sauer, wie viel er für einen Parkverstoß zahlen soll. © Jürgen Lösel

Letzter Halt Dubvronik: Auf ihrer Osteuropa-Rundreise wollen Ingo Kretzschmar und seine Freundin Franziska zum Schluss noch die südkroatische Hafenstadt besuchen. Doch als sie endlich in einer Nebenstraße eine Parklücke gefunden haben, gibt es ein Problem: Weit und breit ist kein Parkautomat zu finden. Außerdem müssten die Beiden erst noch Euro in die Landeswährung Kuna tauschen. 

Sie entscheiden pragmatisch: „Wir riskieren es. Wird schon keiner kommen.“ Doch die Hoffnung trügt. Als die Urlauber nach etwa zwei Stunden aus der überfüllten Altstadt von Dubrovnik zum Wagen zurückkehren, klemmt ein Zettel hinterm Scheibenwischer. Es ist ein Knöllchen über 800 Kuna, umgerechnet etwa 108 Euro.

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Zurück in Dresden gerät das unliebsame Urlaubssouvenir erst einmal in Vergessenheit. Ein reichliches Jahr später liegt plötzlich ein Einschreiben in Kretzschmars Briefkasten. Als Absender vermerkt ist ein Anwalt aus Pula, der die Sanitat Dubrovnik D.O.O. – ein städtisches Unternehmen – vertritt. Dessen Forderung hat es in sich: Wegen „unterlassener oder regelwidriger Entrichtung der Parkgebühr“ seien 263,71 Euro zu zahlen. 

Ingo Kretzschmar beratschlagt sich mit seiner Freundin. Er ist überzeugt: „Da geht jemand auf Dummenfang bei den Touristen.“ Nachfragen bei Freunden, die schon in Kroatien unterwegs waren, ergeben, dass die „Methode Aussitzen“ durchaus funktioniert. Also ignoriert das Paar auch den bösen Brief.

Drei Monate später folgt die zweite Zahlungsaufforderung. Diesmal liegt die Summe bei 306,71 Euro. „Als die dritte Aufforderung samt Klageentwurf kam, ging uns dann doch ein bisschen die Muffe“, gibt Kretzschmar zu. Nun soll er 323,88 Euro fürs Falschparken berappen. Komme es zu einem Gerichtsverfahren, seien Kosten von mindestens 678,08 Euro zu tragen, droht der kroatische Rechtsanwalt.

© SZ

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Den ADAC beschäftigen solche mehr oder minder strittigen Forderungen aus Urlaubsländern wie Italien, Spanien und Kroatien schon seit Jahren. Fälle aus Kroatien seien dabei „ein Dauerbrenner“, sagt Clubsprecherin Melanie Mikulla. Allerdings geht es häufig um deutlich geringere Summen. In vielen Fällen kosten Verstöße wie das Nichtlösen eines Parktickets, das Überziehen der Parkzeit oder das Vergessen der Parkscheibe zwischen zehn und 40 Euro. Trotzdem landen Hunderte dieser Fälle am Ende vor Gericht. Auf Vergleichsvorschläge gehen die kroatischen Anwälte selten ein.

Ob dem Klageantrag gegen Kretzschmar stattgegeben wird und falls ja, auch in der angedrohten Höhe, sei „nicht abzuschätzen“, erklärt Mikulla. Eher sei davon auszugehen, dass die immensen Gebühren, etwa für die Halterermittlung im Ausland oder Dolmetscherkosten, stark gekürzt werden.

Das zumindest legt ein Beschluss des Amtsgerichts Pula vom 8. Januar 2019 nahe (Aktenzeichen: 11 P1-3/2019-2). Darin bestätigten die dortigen Richter zwar Knöllchengebühren, Anwaltskosten und Gerichtsgebühren in Höhe von insgesamt rund 49 Euro, wiesen aber die hohen Nebenkosten von insgesamt 225 Euro als unbegründet zurück.

Fragt sich noch, ob eine solche Forderung dann auch in Deutschland vollstreckt werden kann. Ja, sagt der ADAC – sofern ein rechtskräftiges Urteil zulasten des deutschen Parksünders vorliege. Es bedürfe dann auch „keiner weiteren Vollstreckbarerklärung durch ein deutsches Gericht“.

Falls irgendwann ein viertes Einschreiben aus Kroatien bei ihm eintreffe, werde er sich juristischen Beistand holen, kündigt Ingo Kretzschmar an. Dank einer Rechtsschutzpolice fühlt sich der 40-Jährige gewappnet. „In jedem Fall ist Kroatien als Urlaubsland vorerst gestrichen“, ergänzt seine Freundin Franziska.

Grundsätzlich empfiehlt der ADAC Kroatien-Reisenden, ihr Fahrzeug am Urlaubsort stets nur in erlaubten Bereichen abzustellen und sich penibel an die Vorschriften zu halten. „Zudem ist es empfehlenswert, sich schon vor der Anreise im Internet über Parkregelungen vor Ort zu informieren“, rät Melanie Mikulla. Weitere Vorsichtsmaßnahmen: Fotos von der Beschilderung, Parkuhren und dem Parkticket im eigenen Auto.

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Wer trotzdem ein Knöllchen bekommen hat und Ärger vermeiden will, sollte unbedingt versuchen, es sofort vor Ort zu bezahlen, sagt Mikulla. „Wichtig ist dann auch, alle Belege aufzubewahren.“ Denn wie im Fall von Ingo Kretzschmar ist es nicht ungewöhnlich, dass mehr als ein Jahr vergeht, ehe doch noch Post von einem Inkassobüro oder einer Anwaltskanzlei eintrifft. Verjährt ist der Vorfall dann nämlich noch nicht. Das dauert drei oder fünf Jahre – je nachdem, von welcher rechtlichen Grundlage ausgegangen wird.

Liste von deutschsprachigen ADAC-Vertrauensanwälten im Ausland

Wer wissen will, welche Erfahrungen andere Kroatienurlauber gemacht haben, kann sich auf Webseiten wie Adriaforum oder forum-kroatien einlesen.

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