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4.000 Jahre alter Bergbau im Erzgebirge

Archäologen haben bei Altenberg das Mittelalter gesucht – und etwas weit Älteres gefunden.

Die Archäologin Christiane Hemker steht auf der Höhe des natürlichen Waldbodens, ihr Kollege Matthias Schubert zeigt auf die Abbaukante eines 4.000 Jahre alten Zinnseifenbergwerks.
Die Archäologin Christiane Hemker steht auf der Höhe des natürlichen Waldbodens, ihr Kollege Matthias Schubert zeigt auf die Abbaukante eines 4.000 Jahre alten Zinnseifenbergwerks. © Egbert Kamprath

Wissenschaft geht manchmal verschlungene Wege. So suchen die sächsischen Bergbauarchäologen im Osterzgebirge laufend nach Spuren des mittelalterlichen Bergbaus – und sind dabei auf viel älteren Zinnabbau gestoßen. Zwischen 2016 und 1781 vor Christus, also vor rund 4.000 Jahren waren Bergleute im Erzgebirge zugange. Damals hat das Welterbe der Montanregion seinen Anfang genommen.

Das aufzuspüren und sicher nachzuweisen, ist aber eine Detektivarbeit. Die hat im Rahmen des EU-Projekts Archaeomontan begonnen und wird jetzt vom Landesamt für Archäologie weitergeführt. Christiane Hemker und Matthias Schubert erklären bei einem Vor-Ort-Termin, wie sie und ihr Kollege Johann Friedrich Tolksdorf diesen frühen Bergbau gefunden haben.

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Zinn war in der Bronzezeit ein wertvoller Rohstoff. Für Bronze werden ein Teil Zinn und neun Teile Kupfer zu einer Legierung verschmolzen. Nun gibt es aber Zinn nur an wenigen Stellen in Europa, neben dem Erzgebirge spielten damals Vorkommen in Cornwall, der Bretagne und auf der spanischen Halbinsel eine Rolle.

© Grafik: SZ

Im Erzgebirge lag Zinn bei Eibenstock, Ehrenfriedersdorf und zwischen Schellerhau und Altenberg. Hier haben die damaligen Bergleute Zinn nicht aus dem Fels gehauen, sondern aus dem Sand gegraben. Die Lagerstätten mit Zinngreisen – also Gestein – am Kahleberg beispielsweise sind im Laufe der Zeit verwittert. Das Material wurde abgeschwemmt und hat sich mitsamt dem darin enthaltenen Zinn in Flussniederungen wieder abgesetzt. Das nennen die Bergleute Seifen. Wie oft so etwas vorkommt, zeigen die vielen Ortsnamen mit Seifen. Auch bei Schellerhau liegt das Seifenmoor und verläuft der Seifenweg.

Für die Bergleute hatte dies den Vorteil, dass die Natur den ersten Schritt in der Aufbereitung bereits erledigt hat. Das Erz war schon zerkleinert, und das Zinn hat sich meistens tiefer abgelagert als andere Stoffe. Das waren die Voraussetzungen für den sogenannten Seifenbergbau. „Entscheidendes Hilfsmittel war dabei das Wasser“, erklärt Matthias Schubert. Damit haben die Bergleute das Zinn herausgewaschen.

Aber wann lief dieser Bergbau hier? Die Archäologen waren ja eigentlich auf der Suche nach mittelalterlichem Bergbau, wollten wissen, ob die Bergleute aus Dippoldiswalde oder dem Pöbeltal auch weiter oben aktiv geworden sind.

Laservermessung aus der Luft

Dazu haben sie sich Luftbilder angesehen, die mit Lasertechnik die Bodenoberfläche bis auf 30 Zentimeter genau abbilden, auch wenn dort heute Wald darauf steht. Damit haben sie eindeutig erkannt, dass dort im Wald etwas ungewöhnlich aussieht. Sie mussten nicht aufs Geratewohl in den Busch gehen, sondern wussten genau, wo es sich zu suchen lohnt. Mit dieser Methode haben sie beispielsweise auch die frühere Bergsiedlung „Grünwald“ zwischen Schellerhau und Seyde entdeckt.

Die dunkle Schicht ist Holzkohle, wertvoll für die Archäologen.
Die dunkle Schicht ist Holzkohle, wertvoll für die Archäologen. © Egbert Kamprath

Mit fachmännischem Blick sind dann auch im Wald die Bergbaureste zu erkennen. Bis zu vier Meter tief haben unsere Vorfahren gegraben. Sie haben Gräben angelegt, die das Wasser aus der Weißeritz und dem Moor heranleiteten, um das Zinn zu waschen. Die bestehen teilweise heute noch, ebenso wie die Raithalden. So nennen die Bergleute längliche Halden aus dem tauben Gestein.

Offensichtlich ist das ein altes Seifenbergwerk, aber wie alt? Die Technik des Seifenbergbaus war über Jahrtausende im Einsatz. Auch Georg Agricola hat sie in seinen Werken dokumentiert und die sind im 16. Jahrhundert entstanden.

Um das genauer zu erfahren, machten die Archäologen eine kleine Sondage, sie gruben ein Loch vielleicht ein mal zwei Meter in der Oberfläche. Für den Laien ist dort nichts zu erkennen. Der Fachmann sieht den Unterschied zwischen dem heutigen Waldboden, dem gewachsenen Boden und Zwischenschichten, die es in sich haben.

Nur wenige Zentimeter stark ist eine Holzkohlenschicht, die sich dort erhalten hat. Aber sie enthält Material, dessen Alter sich mit der sogenannten Radiokarbonmethode bestimmen lässt. Jede Pflanze nimmt eine bestimmte Menge des C-14-Atoms auf, solange sie lebt. Danach zerfällt dieses Atom. In rund 5 730 Jahren ist die Hälfte davon verschwunden. Bei der Holzkohle aus dem Boden bei Schellerhau war es noch nicht ganz soweit. Eine erste Probe ergab ein Alter von 2021 bis 1885 Jahren vor Christus, eine zweite 2016 bis 1781 vor Christus. Genauer funktioniert die Methode nicht. Aber dennoch war es für die Archäologen eine Sensation. Sie waren nicht im Mittelalter gelandet, sondern in der frühen Bronzezeit. Verschiedene weitere Untersuchungen bestätigten dies.

Also gab es schon in der Bronzezeit Bergbau im Erzgebirge. Aber Hinweise auf dauerhafte Siedlungen fehlen bei den Untersuchungen. Beispielsweise fanden sich bei den Untersuchungen keine Getreidepollen. Daraus schließen die Fachleute, dass die Bergleute nur saisonal hoch ins Erzgebirge gekommen sind, um abzubauen. Vielleicht sind sie auch nur in den Jahreszeiten gekommen, wenn genügend Wasser vorhanden war, weil sie das brauchten, um das Erz zu waschen.

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„Wir holen uns jetzt noch weiteres Know-how von Fachleuten der Bronzezeit. Die wissenschaftliche Diskussion, wie wir hier weiter vorgehen, ist noch ganz am Anfang“, sagt Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

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