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40 Jahre trommeln aus Leidenschaft Karsten Börner

Karsten Börner (46) erzählt aus seiner Kindheit als Spielmann.

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Als ich ein kleiner Junge war, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als beim Zabeltitzer Spielmannszug dabei zu sein. Bei jedem Auftritt habe ich mit großen Augen am Straßenrand gestanden und alle beneidet, die in den schönen Kostümen mitmarschieren und musizieren durften. Schließlich habe ich meine Eltern so lange genervt, bis sie mich angemeldet haben. Da war ich sieben Jahre alt und gerade in die erste Klasse gekommen. Eigentlich darf man erst ab der zweiten Klasse dem Spielmannszug beitreten, wenn man lesen und schreiben kann. Aber ich habe einfach keine Ruhe gegeben, und zu meinem Glück hat es geklappt.

Mit einer kleinen Marschtrommel habe ich angefangen. Zu Hause habe ich immer fleißig geübt, den Lärm haben meine Eltern aber erstaunlich gelassen hingenommen. Im Winter traf sich unsere Gruppe in der Turnhalle, um zu musizieren, im Frühjahr und im Sommer ging es dann raus auf den Sportplatz zum Marschieren und Exerzieren. Den absoluten Gleichschritt zu erreichen, ist äußerst schwierig, das erfordert genaue Abstimmung mit dem Vorder- und Nebenmann. Für die Zuschauer muss es aussehen wie aus einem Guss. Es dauert zwei bis drei Jahre, erst dann ist man fit für die Wettkämpfe. An meinen ersten Wettbewerb erinnere ich mich genau, ich war zehn Jahre alt. Vor lauter Aufregung habe ich vorher wochenlang meine Trommel geputzt, damit sie beim Auftritt auch blinkt und glänzt. Auf den ersten öffentlichen Auftritt folgten viele weitere. Es war eine wunderbare und aufregende Zeit. Wir sind mit dem Zabeltitzer Spielmannszug durch die gesamte ehemalige DDR getourt: von den Pfingsttreffen in Berlin zu den Weltfestspielen der Jugend und den Sportfesten in Leipzig. Das waren riesige Veranstaltungen mit tausenden von Sportlern aus aller Welt, das hat mich als Kind unglaublich beeindruckt. Für diese Auftritte wurde ich häufig von der Schule freigestellt, darum haben mich meine Klassenkameraden natürlich immer beneidet. Aber auch wenn ich viel unterwegs gewesen bin, war ich immer ein guter Schüler. Mathe und Physik waren meine Lieblingsfächer – und Musik natürlich. Obwohl ich nie eine Musikschule besucht habe, ist mir das immer leicht gefallen. Ich habe mir alles selbst beigebracht.

Heute komme ich kaum noch zum Trommeln, als Stabführer stehe ich meist vor der Mannschaft wie ein Dirigent vor dem Orchester und koordiniere den Auftritt des Erwachsenen-Zuges. Jetzt beginnt für uns die stressigste Zeit des Jahres, bei vielen Faschingsumzügen sind wir dabei, zum Beispiel in Radeburg. Im Sommer stehen dann die Landesmeisterschaften und die Deutschen Meisterschaften an.

Bis heute hat der Spielmannszug für mich nichts von seiner Faszination verloren. Jetzt bin ich nun schon vierzig Jahre dabei. Eigentlich habe ich mich in meiner Freizeit immer dem Zabeltitzer Spielmannszug gewidmet. Aber so bin ich eben – ganz oder gar nicht.

Notiert: Christiane Raatz