SZ +
Merken

40 Kilo Last auf den Schultern

Daniel Hempel ist Oppachs neuer Feuerwehr-Chef. Eigentlich dürfte er den Job noch gar nicht machen.

Teilen
Folgen

Von Carina Brestrich

Die Entscheidung, Feuerwehr-Chef zu werden, fiel schon vor 13 Jahren – und zwar im Supermarkt: Gerade einmal zwei Wochen war Daniel Hempel da von der Bundeswehr zurück. Damals beschloss er, in die Freiwillige Feuerwehr Oppach einzutreten. „In der früheren SB-Halle hatte ich den Wehrleiter getroffen und angesprochen“, erzählt Daniel Hempel, „angeblich hätte ich da gesagt, dass ich Chef der Feuerwehr werden will.“ Richtig erinnern kann er sich an seine Aussage zu seinen Chef-Ambitionen heute zwar nicht. Doch Leiter der Oppacher Feuerwehr ist der 35-Jährige seit Kurzem tatsächlich. Und das, obwohl er das eigentlich noch gar nicht dürfte.

Immerhin fehlen Daniel Hempel noch zwei wichtige Schulungen, die normalerweise Voraussetzung sind, um Wehrleiter zu werden: Neben dem Lehrgang zum Zugführer steht noch der zum Wehrleiter aus. Doch weil der frühere Feuerwehr-Chef Peter Kunze aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten Ende vorigen Jahres abgab, musste schnell ein Ersatz her. „Anfangs wollte ich ja selbst nicht. Ich konnte mir den Leitungsposten zwar mal gut vorstellen, war da nicht abgeneigt. Aber dass es so schnell gehen würde, hätte ich selbst nicht gedacht“, sagt Daniel Hempel. Die Kameraden entschieden sich letztlich mehrheitlich für ihn. „Sie stehen zum Glück hinter mir, auch wenn ich eben noch nicht auf dem Stand bin, den andere Wehrleiter beim Amtsantritt vielleicht haben.“

Ein Problem scheint das auch nicht für die Gemeinde zu sein. Denn die Verwaltung gibt dem Oppacher nun zwei Jahre Zeit, die fehlenden Schulungen nachzuholen. Wahrscheinlich klappen beide sogar noch in diesem Jahr. „Im Herbst wird’s wohl losgehen“, sagt Hempel. „Ab dann habe ich auch mehr Zeit“, sagt er. Denn neben seiner Aufgabe, die Oppacher Feuerwehrleute anzuführen, ist Daniel Hempel selbstständig: Vom Großvater seiner Frau übernahm der gelernte Forstarbeiter einen kleinen Bauernhof mit neun Rindern im benachbarten Taubenheimer Ortsteil Wassergrund. Außerdem hat Hempel eine Weihnachtsbaum-Plantage, übernimmt Winterdienste und ist hin und wieder als Forstarbeiter im Einsatz. „Und dann wäre ja auch noch meine kleine Tochter“, sagt Daniel Hempel. Dass er für die 1,5-Jährige und seine Frau künftig etwas weniger Zeit haben wird, dafür hat besonders seine Frau Verständnis: „Sie engagiert sich selbst in der Feuerwehr Taubenheim. Bei einer gemeinsamen Übung haben wir uns kennengelernt“, erzählt er. Heute wohnt die kleine Familie in Wassergrund. Ein Problem ist das aber nicht, wenn die Feuerwehr Oppach wirklich alarmiert wird: „Von Wassergrund aus bin ich sogar schneller am Gerätehaus als so mancher, aus Oppach.“

Auch sonst spielt die Feuerwehr für den Oppacher eine wichtige Rolle: „Ich bin damals eingetreten, weil mir nach meiner Zeit bei der Bundeswehr schnell das Kameradschaftliche gefehlt hatte“, sagt Hempel. Nach seiner Lehre hatte er sich für längere Zeit verpflichtet, war auch im Kosovo und in Mazedonien im Einsatz. „Aber ich wusste immer, dass ich irgendwann wieder in meine Heimat zurückkomme. Denn die Menschen bei der Bundeswehr, die kennen kein normales Leben“, sagt er.

Dieses normale Leben, das hat Hempel in Oppach und Taubenheim wieder. Und um das anderer zu schützen, will er nun auch Vorbild sein. Denn Daniel Hempel ist in der Feuerwehr Oppach einer von nur noch zwei Atemschutzträgern. Als solcher wagt er sich mit einer fast 40 Kilo schweren Montur auf den Schultern in brennende Gebäude, um Menschen daraus zu retten. „Ich habe mir für meine Amtszeit vorgenommen, noch weitere Atemschutzträger für unsere Wehr zu gewinnen“, sagt Hempel. Wichtig ist für den neuen Wehrleiter aber auch der Zusammenhalt in der Truppe. „Für den werde ich mich mindestens genauso einsetzen.“