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40 Rosen am letzten Arbeitstag

Brigitte Kühn hat 40 Jahre im Pflegedienst gearbeitet. Weil Zeit knapp ist, opferte sie auch Freizeit.

© Dietmar Thomas

Von Sylvia Jentzsch

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Zunschwitz. Und plötzlich steht da ihr Mann Horst mit einem riesigen Rosenstrauß. Brigitte Kühn ist am Dienstamorgen auf ihrer letzten Tour als Altenpflegerin. Ihr Mann hat heimlich auf ihren Dienstplan geschaut, um zu wissen, wann er sie überraschen kann. Deshalb wartet er am Karl-Marx-Platz in Ostrau auf seine Frau. Die kann es kaum glauben, als sie ihren Mann und die Blumen sieht. „Jetzt bin ich aber überrascht“, sind die einzigen Worte, die sie herausbringt. Ihr Mann nimmt sie in den Arm, gratuliert zum letzten Arbeitstag und überreicht ihr 40 Rosen – 13 gelbe für ihre Tätigkeit als Gemeindeschwester und 27 rote Rosen für ihre Arbeit als Altenpflegerin.

„Meine Frau müsste eine der dienstältesten Altenpfleger sein, die in der ambulanten Hauskrankenpflege tätig sind“, so Hort Kühn. Seine Frau ist gerührt. Nicht nur ihr Mann hat an ihrem letzten Arbeitstag an sie gedacht, sondern auch ihre Patienten. „Alle waren ganz lieb und haben mich mit einer Kleinigkeit überrascht“, so Brigitte Kühn. Die 40 Jahren als Gemeindeschwester und Pflegerin im ambulanten Dienst seien eine schöne Zeit gewesen, deshalb falle ihr der Abschied auch nicht leicht. „Ich habe das gemacht, was ich von der Pike auf gelernt habe. Und es hat mir Freude bereitet“, so Brigitte Kühn. Sie habe sich in den vielen Jahren etwas aufgebaut, kenne ihre Patienten, von denen auch einige zunächst etwas schwieriger waren. Und die Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen sei super.

Am 4. Juni 1978 begann Brigitte Kühn als Gemeindeschwester im Landambulatorium Ostrau. Sie war für die damalige Gemeinde Jahna im Einsatz, hatte dort ihre Station und auch ihre Sprechzeiten. „Mit Pflege hatte diese Arbeit wenig zu tun, auch wenn ich vor allem für die älteren Leute zuständig war“, sagte Brigitte Kühn. Da wurden Wunden versorgt oder Blutdruck gemessen. Wenn der Arzt in Jahna Sprechstunde hatte, war sie seine rechte Hand. Manchmal, wenn das Personal knapp wurde, musste Brigitte Kühn auch im Landambulatorium aushelfen.

Die Arbeit als Gemeindeschwester könne man nicht mit der einer Altenpflegerin vergleichen. „So hatte ich zum Beispiel an den Wochenenden keinen Dienst“, sagt die Frau, die in diesem Jahr seit 40 Jahren mit Horst Kühn verheiratet ist und in Zunschwitz lebt. Eine Schwalbe habe sie, wie die aus dem Fernsehen bekannte Schwester Agnes auch gehabt, doch die nutzte sie wenig, da sie die Kinder in die Krippe und den Kindergarten schaffen musste. Dafür stand ihr ein Trabant zur Verfügung.

Bis zur Abwicklung des Landambulatoriums am 28. Februar 1991 arbeitet Brigitte Kühn in Jahna. „Es war einfach eine tolle Zeit. Noch heute treffe ich mich mit meinen damaligen Kolleginnen. Und wir haben immer viel zu erzählen“, so Brigitte Kühn. Am 1. März 1991 begann die gelernte Krankenschwester in der Sozialstation der Volkssolidarität in Döbeln und fährt als letzte Tour nach Rittmitz. Dann stellt sie das Dienstfahrzeug ab und ihr Ruhestand beginnt.

Ja, die Zeit für die zu Betreuenden sei knapp bemessen. „Wenn ich mehr brauche, muss ich es der Pflegedienstleitung sagen. Aber für Leute, die mir am Herzen liegen, habe ich auch schon gern etwas Freizeit investiert. Das war mir wichtig“, so Brigitte Kühn. Ihr Mann fügt hinzu: „Die Arbeit war ihr Leben“. Doch das sei alles nicht möglich gewesen, wenn die Familie nicht hinter ihr gestanden und ihr der Mann den Rücken freigehalten hätte. Er habe ein großes Dankeschön verdient. Die Altenpflegerin lobte auch die gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten.

Ihren neuen Lebensabschnitt will sie in Ruhe angehen. „Nun muss ich nicht mehr bei jeder Witterung und Tageszeit mit dem Auto fahren, brauche nicht mehr am Wochenende oder an Feiertagen arbeiten und kann länger in den Urlaub fahren“, zählt Brigitta Kühn die Vorteile auf. „Vielleicht können wir uns ja auch ein paar Träume erfüllen.“. Drei Wochen soll es dieses Jahr nach Norwegen gehen.