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40 Zentimeter sind zu wenig

Schon zweimal ist es in diesem Jahr zu Überschwemmungen gekommen. Die Anwohner fordern endlich Maßnahmen.

Von Frank Korn

Reinsdorf am 28. Mai. In Höhe der Buswendestelle im Oberdorf sind die Entwässerungsrohre aufgrund des starken Regens der vergangenen Stunden völlig überfüllt. Dadurch läuft das Wasser über die Straße und in die darunter liegenden Grundstücke. Sechs Familien sind betroffen. Sie versuchen sich so gut es geht vor den Wassermassen zu schützen, doch sie können nichts dagegen ausrichten.

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Die Dorfstraße in Reinsdorf nach der Überschwemmung am 28. Mai.Foto: Privat
Die Dorfstraße in Reinsdorf nach der Überschwemmung am 28. Mai.Foto: Privat
Das Büro von Malermeister Timo Grünheid stand unter Wasser. Foto: Privat
Das Büro von Malermeister Timo Grünheid stand unter Wasser. Foto: Privat

Die Grundstücksbesitzer direkt an der Straße behelfen sich damit, dass sie Scheunen- und Gartentore öffnen, damit das Wasser so schnell wie möglich abfließen kann. Das führt dazu, dass auch weiter unten liegende Grundstücke überschwemmt werden. „Wir hatten sowohl im Wohnhaus als auch in der Scheune das Wasser stehen. In der Scheune hat es die Grundmauern ausgespült“, berichten Stephan Weichhold und seine Partnerin Nicole Fricke. Beinahe wäre das Wasser in die auf dem Hof geparkten Autos gelaufen.

Weiter unten hat es die Häuser der beiden Familien Grünheid erwischt. Bei Helfried Grünheid wurde das Grundstück ausgeschlämmt. Noch schlimmer war das Grundstück seines Sohnes Timo betroffen. Sein Keller lief komplett mit Wasser voll und im dort befindlichen Büro sind Ordner, Möbel und ein Laptop durch die Wassermassen unbrauchbar geworden. „Das Wasser stand zehn Zentimeter hoch und hat alle Schränke, den Fußbodenbelag, Kleidung und weitere technische Geräte beschädigt. Nur mit dem Einsatz der Reinsdorfer Feuerwehr und deren Pumpen konnten noch größere Schäden verhindert werden“, schildert Stadtrat Ricardo Baldauf (CDU), der sich die Schäden damals angeschaut hat.

Diese Überschwemmung Ende Mai war nicht die erste, die die Bewohner des Oberdorfes erleben mussten. Auch Ende April hatte es stark geregnet. Immerhin waren die Grundstücke damals nicht so stark betroffen wie einige Wochen später.

Bei einer Ortsbegehung am Donnerstagabend debattieren der Reinsdorfer Ortschaftsrat und die beiden CDU-Stadträte Kathrin Schneider und Ricardo Baldauf mit den Anwohnern über die Ursachen der Überschwemmungen. Die sind schnell ausgemacht. Der Straßengraben an der Kreisstraße K7532 ist praktisch nicht vorhanden und die Durchflüsse, die das von den Feldern fließende Wasser aufnehmen sollen, sind den Wassermassen bei Starkregen nicht gewachsen. Martin Klose, einer der Anwohner, steigt in die Vertiefung und misst den Durchmesser des Durchflussrohres. Der beträgt 40 Zentimeter. Eigentlich ausreichend sollte man meinen. Doch neben diesem Abfluss gibt es nur noch einen weiteren. Früher waren es fünf, doch seit der Sanierung der Straße vor einigen Jahren sind nur noch zwei übrig.

Nun ist es nicht so, dass sich die Betroffenen nicht schon an die verantwortlichen Stellen gewandt haben. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, ist das Landratsamt verantwortlich. „Wir haben das Referat Straßenbetriebsdienst des Landratsamtes Mittelsachsen per E-Mail auf das Problem hingewiesen. Bisher ist jedoch von dort keine Antwort gekommen“, sagte Ricardo Baldauf. Auch ein vereinbarter Termin vor Ort fiel aus, weil die Vertreter des Landratsamtes nicht erschienen, ohne den Termin abgesagt zu haben.

„Es muss schnell etwas passieren“, sagt der Ortschaftsratsvorsitzende Michael Aniol. Der Ortschaftsrat und die Anwohner wünschen sich, dass die Stadtverwaltung Waldheim das Problem ebenfalls beim Landratsamt zur Sprache bringt. „Es reicht nicht, dass die Anwohner, der Ortschaftsrat und wir als Stadträte auf eine Beseitigung des Problems drängen, auch die Stadtverwaltung muss Druck machen“, fordert Ricardo Baldauf. Für Dienstag haben die beiden CDU-Stadträte einen Termin bei Bürgermeister Steffen Blech vereinbart. Die Anwohner sind sich bewusst, dass erforderliche Maßnahmen auch ihre Grundstücke betreffen werden. Das nehmen sie aber in Kauf, um nicht beim nächsten Wolkenbruch wieder Ängste ausstehen zu müssen.