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Meißen

43 Ortsteile und Zusammenhalt?

Die Politik hat die Gemeinden zusammengelegt – eine Bürgerinitiative will sie vereinen.

Franziska Stejskal (l.) und Heike Schuster von der Interessengemeinschaft Röhrsdorf wollen für die Gemeinde Klipphausen einen Bauernmarkt auf die Beine stellen, um Produkte zu präsentieren und Menschen zusammen zu bringen.
Franziska Stejskal (l.) und Heike Schuster von der Interessengemeinschaft Röhrsdorf wollen für die Gemeinde Klipphausen einen Bauernmarkt auf die Beine stellen, um Produkte zu präsentieren und Menschen zusammen zu bringen. © SZ/Udo Lemke

Klipphausen. Dass sich trotz 36 Grad Hitze Vertreter von 17 Initiativen und Vereinen eingefunden hatten, sieht Martin Reichel-Rackete als gutes Zeichen. Am Dienstag hatten sie sich getroffen, um darüber zu beraten, wie man in der Großgemeinde Klipphausen mit ihren 43 Ortsteilen eine Vernetzung derjenigen, die etwas wollen und etwas machen, hinbekommen kann. 

„Die Leute aus Klipphausen wissen teilweise gar nicht, was es in Triebischtal gibt und umgekehrt“, sagt Franziska Stejskal. In ihrem Garten in Röhrsdorf sitzt an diesem glühend heißen Nachmittag als dritte im Bunde Heike Schuster.

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Die drei haben gemeinsam mit ihren Partnern eine Initiative ergriffen, die ähnlich wie der Vereinsstammtisch eine gemeinsame Identität der Klipphausener stärken bzw. erst schaffen soll: Sie rufen auf dem Internetauftritt der Gemeinde Klipphausen zum 1. Bauernmarkt am 5. Oktober im Schlosspark Klipphausen auf. 

„Die Gemeinde Klipphausen bietet viele regionale Produkte, wie Eier, Käse, Backwaren, Fleisch, Wein, Obst- und Gemüse, Öle sowie Handwerkskunst, z. B. Töpferwaren, Gestricktes, Gefilztes, Gebasteltes, Gemaltes und vieles anderes. Leider wissen viele, selbst langjährige Klipphausener, nicht, was unsere Großgemeinde alles zu bieten hat. Wir möchten für die Gemeinde Klipphausen einen Bauernmarkt etablieren, um diese Lücke zu füllen.“

Damit solle den Anbietern von Produkten die Möglichkeit gegeben werden, diese vorzustellen und zu verkaufen. Aber nicht dies ist der Hauptzweck des Marktes. Zuerst geht es um gegenseitiges Kennenlernen, um den Austausch von Informationen und Ideen und um Selbstvergewisserung. „Wie wollen wir hier leben? Was ist unsere Idee von Dorf?“ Nennt Martin Reichel-Rackete zwei Punkte, um die es in der Zukunft gehen müsse.

Denn nach dreißig Jahren Wende sind nicht nur Betriebe und ländliche Infrastruktur verschwunden, sondern auch Gemeinschaftsgefühl und Zusammenhalt in den Orten, in der ganzen Gemeinde. Und buchstäblich oft auch die Orte, wo man sich treffen konnte, auch wenn es inzwischen wieder einige Dorfgemeinschaftshäuser und modern gestaltete Feuerwehrhäuser gibt. In diesem Sinne soll der Bauernmarkt ein solcher, wenn auch zeitlich begrenzter Ort werden.

Oft leben die Zugezogenen in ihren Eigenheimsiedlungen getrennt von den Alteingesessenen, gibt es quasi innergemeindliche Parallelgesellschaften. Diese Strukturen seien unheimlich schwer aufzubrechen, sagt Franziska Stejskal – selbst eine Zugezogene. 

Andere Probleme liegen im Verhältnis von Alt und Jung, in dem von Dorfbewohnern und Landwirten. Heike Schuster fragt, „welchen gemeinsamen Nenner gibt es überhaupt?“ Sie wendet sich gegen Ausgrenzung jeglicher Art, vielmehr müsse man wieder dahin kommen, einander zuzuhören und auszuhalten. „Das Ideal des Dorfes war das Miteinander.“

Nun werden für den Bauernmarkt im Oktober Mitmacher gesucht: Händler, Hobbybastler, Kunsthandwerker, Künstler, Marktschreier, Holzgestalter, Vereine und Unterstützer. Einer ist die Gemeinde, die unter anderem den Schlosspark Klipphausen, Strom und Toiletten zur Verfügung stellt.

Wer sich am Bauernmarkt beteiligen will, teilt das bis spätestens 15. August Heike Schuster, Telefon 01525 4167039 oder E-Mail: [email protected], mit.

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