merken
PLUS Meißen

483 Patronen im Haus

Als langjähriger Sportschütze müsste der Angeklagte die Vorschriften kennen. Ein Umstand ist verräterisch.

Patronen ähnlich dieser fand das Landeskriminalamt im Haus des Angeklagten. Als Sportschütze durfte er zwar Waffen und Munition besitzen, aber nicht die gefundenen.
Patronen ähnlich dieser fand das Landeskriminalamt im Haus des Angeklagten. Als Sportschütze durfte er zwar Waffen und Munition besitzen, aber nicht die gefundenen. © Robert Michael

Meißen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist der 69-jährige Radeburger Sportschütze. Er kennt die Regeln und Vorschriften sehr genau. Und dennoch landet er wegen seines Hobbys auf der Anklagebank. Unerlaubten Besitz von Munition wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Tatsächlich wird in dem Haus des Mannes jede Menge Munition gefunden: 20 Patronen Gewehrmunition verschiedenen Kalibers, 186 weitere Patronen und 277 Patronen Übungsmunition. Die alle durfte er laut Anklage nicht besitzen. Denn sie können laut einem Gutachten des Landeskriminalamtes Sachsen nicht mit den Waffen, die der Mann legal besitzt, verschossen werden.

Dass er die Munition besaß, dafür hat der Angeklagte eine zunächst einleuchtende Begründung. Nach einem Trainingsschießen sei auf dem Schießplatz einige Munition liegengeblieben, vor allem großkalibrige Gewehrmunition. „Es war nicht klar, wem sie gehört. Als Schießleiter habe ich Verantwortung. Deshalb habe ich die Munition zu mir genommen und sicher aufbewahrt, damit sie nicht in die Hände Unberechtigter kommt“, sagt der Angeklagte.

Anzeige
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät
Zwei Patienten, ein Beatmungsgerät

Und nun? Mit Covid-19 kam die Thematik der Triage, dem Sichten und Klassifizieren von Patienten, erneut auf. Ein Interview mit Medizinrechtsexperte Prof. Dr. Erik Hahn.

 Er habe gar keine Waffe, um diese Munition zu verschießen. Die Patronen habe er zum nächsten Schießen auf den Schießplatz mitnehmen wollen, um damit den Munitionsbestand des Vereines aufzufüllen. Doch genau dazu ist es nicht gekommen. Stattdessen hat der Sportschütze die Munition monatelang zu Hause aufbewahrt.

Der Verteidiger beantragt ein Gutachten. Damit soll nachgewiesen werden, dass der Besitz eines Teils der Munition nicht genehmigungspflichtig war, weil sie sie eine Bewegungsenergie von 7,5 Joule nicht überschreite. Diese Patronen habe sein Mandant besitzen dürfen. Der Richter lehnt den Antrag ab. Denn ein Gutachten gibt es schon. Und zwar das des Landeskriminalamtes Sachsen. Und das hatte das Gegenteil behauptet. „Ein Sachverständigengutachten reicht mir“, so der Richter. Und der Verteidiger habe mit seinem Antrag ja die Sachkunde des Landeskriminalamtes nicht in Zweifel gezogen.

Es sei unbestreitbar, dass sein Mandant für die Gewehrmunition keine Eintragung in seiner Waffenbesitzkarte hatte, räumt der Verteidiger ein. Er habe die Munition an sich genommen, damit unberechtigte Dritte nicht herankamen. „Das ist vom Gesetz gedeckt, das ist kein unerlaubter Erwerb und Besitz von Munition“ sagt der Anwalt und fordert Freispruch. „Hier soll mir etwas angehängt werden. Ich fühle mich nicht schuldig. Die Munition hätte in völlig unberechtigte Hände kommen können“, so der Angeklagte.

Gericht und Staatsanwaltschaft sehen das anders. Richter Andreas Poth verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Mit den 30 Tagessätzen zu je 30 Euro bleibt er am unteren Rand. Das Gesetz sieht Geldstrafe bis Freiheitsstrafe von drei Jahren vor. Die Staatsanwältin hatte 1.500 Euro Geldstrafe gefordert.

Es sei nicht zu erkennen, dass der Mann versucht habe herauszubekommen, wem die Patronen gehörten. Sie vier bis fünf Monate aufzubewahren, sei auch kein vorübergehender Besitz, begründet der Richter. Er hatte anfangs sogar erwogen, das Verfahren im Hinblick auf eine andere zu erwartende Verurteilung einzustellen. Denn dem Radeburger steht noch ein Verfahren in Erfurt bevor. 

Doch die Staatsanwaltschaft spielte nicht mit. Dies ist einem besonderen Umstand zuzuschreiben. Denn der Angeklagte soll einem Mann gedroht haben, wenn herauskomme, dass er die Munition besitze und dies zu einem Strafverfahren führe, werde er ihn erschießen.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen