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5 Punkte aus 5 Spielen: Reicht nicht, Dynamo!

Seit drei Spielen ungeschlagen. Das klingt gut. Doch die Fans murren. Reden sich Trainer und Spieler die Bilanz schön?

Bei der ersten Trinkpause steht es gegen St. Pauli bereits 0:2. Trainer Cristian Fiel grübelt, was er ändern muss. Am Ende sind alle zufrieden – aber auch zu Recht?
Bei der ersten Trinkpause steht es gegen St. Pauli bereits 0:2. Trainer Cristian Fiel grübelt, was er ändern muss. Am Ende sind alle zufrieden – aber auch zu Recht? © dpa/Robert Michael

Als Moussa Koné kurz vor Schluss und noch dazu in Unterzahl die Aufholjagd mit seinem Tor zum 3:3-Ausgleich krönt, herrscht Ekstase auf den Rängen, die Phonzahl erreicht die Schmerzgrenze. Eine Stunde zuvor war die Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion eine ganz andere. Seltsam leise blieb es auf den Rängen, nur die Pfiffe wurden immer lauter.

Am Ende aber herrscht bei den Schwarz-Gelben und ihren Sympathisanten Erleichterung und gute Laune. Bei sommerlicher Hitze und trotz eines Platzverweises einen 0:3-Rückstand aufgeholt – geht es noch besser? „Wir sollten alle mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen“, sagt Chris Löwe. Es scheint, als gelte dies nicht nur für dieses dramatische Spiel, sondern für die ganze bisherige Saison.

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Die ist zwar noch jung, erste Tendenzen kann man trotzdem bereits erkennen. Zum Beispiel die: Fünf Punkte nach fünf Partien sind kein berauschender Start. Vorausgesetzt, es ginge so weiter, hätte Dynamo am Ende 34 Punkte. Vor einem Jahr landete der FC Ingolstadt mit 35 Zählern auf dem 15. Platz und stieg ab.

Ein Mathe-Naturlatent

Fragt man Spieler nach dem Tabellenstand, erhält man als Antwort stets, dass die Aussagekraft noch zu gering sei. „Wir stehen ganz gut da“, ergänzt Torwart Kevin Broll. Und Jannis Nikolaou, gegen St. Pauli Doppeltorschütze und Rotsünder, rechnet vor, dass man zu diesem Zeitpunkt mit einem Sieg acht Plätze nach oben und mit einer Niederlage acht nach unten rutschen würde. Der Mittelfeldspieler ist offensichtlich ein Mathe-Naturlatent. Tatsächlich wäre der Tabellen-14. Dynamo mit drei Punkten mehr schon auf Platz sechs.

Dabei gibt es nur ein Problem: Die Dresdner holen zu selten drei Punkte. Rechnet man Testspiele in der Vorbereitung hinzu, hat die Mannschaft von den vergangenen neun Partien gerade einmal zwei gewonnen – eine davon gegen den Fünftligisten TuS Dassendorf im DFB-Pokal. Nikolaou, der vom DFB-Sportgericht nach seinem Platzverweis für drei Spiele gesperrt wurde, deutet die Statistik ein wenig anders: Er betont, dass Dynamo drei Spiele in Folge ungeschlagen sei.

So oder so – die Punktausbeute ist bisher nicht ausreichend. Das sagt Trainer Cristian Fiel derart deutlich zwar nicht, zumindest hadert er aber mit einigen Ergebnissen. Das 3:3 gegen St. Pauli, bei dem seine Mannschaft von zwei Patzern des Hamburger Torhüters profitierte, war für ihn „ein bisschen der Ausgleich zu den Niederlagen gegen Nürnberg und Karlsruhe. Diesmal hat uns der liebe Gott für unseren Einsatz und unsere Moral belohnt“, findet er. Teilen muss man diese Sichtweise nicht zwingend. Zwar hatten die Dresdner in den beiden Spielen deutlich mehr Ballbesitz, dominierten, doch zumindest in Karlsruhe war die Niederlage trotzdem verdient.

Offensichtliche Defizite

Es fällt auf, dass Spieler wie Trainer das Positive betonen, die spielerische Qualität etwa oder die Stimmung und die Moral in der Mannschaft. Negatives wird, zumindest in der Öffentlichkeit, ausgeblendet. Es wirkt, als solle unter allen Umständen vermieden werden, dass sich Pessimismus ausbreitet, der Glaube an die eigene Taktik und die Stärke abhandenkommt.

Dies ist absolut verständlich, selbst qualitativ gut besetzte Teams scheitern immer wieder, weil sie nach einigen Misserfolgen kein Zutrauen mehr ins eigene Tun haben. Und bei einer jungen Mannschaft wie Dynamo wäre mangelndes Selbstvertrauen erst recht fatal.

Und es besteht auch überhaupt kein Grund, nach fünf Spielen alles infrage zu stellen. Dass es Defizite gibt, ist jedoch offensichtlich. Es besteht eine zu große Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag. Aus den hohen Spielanteilen, den vielen Ballstafetten, entsteht zu wenig Zwingendes. Und dadurch fallen zu wenige Tore. Fiel verweist darauf, dass dies allein eine Frage der Zeit sei: „Wenn ich sehe, wie wir uns die Chancen herausarbeiten, dann bin ich davon überzeugt, dass wir uns dafür auch belohnen werden.“ Dafür spricht, dass ein neues System mit neuen Spielern erst mal ins Rollen kommen und Abläufe sich einspielen müssen.

Es soll aufwärts gehen

Fiels Idee vom Fußball mit einem Zweitliga-Team umzusetzen, ist mutig. Das weiß der Spanier selbst. „Seien wir doch mal ehrlich: Wenn es in den ersten Spielen nicht so läuft, wird es doch heißen, dass ich wahnsinnig bin und so in Deutschland nicht spielen lassen kann. Weil es dafür eine Top-Mannschaft braucht, wie Pep Guardiola sie hat“, erklärte er am Ende des Sommer-Trainingslagers. „Seine Mannschaften spielen aus meiner Sicht den Fußball, den ich als Fan verehre. Und als aktiver Spieler war ich keiner, der den Ball immer nur nach vorn geschlagen hat, sondern nach einer spielerischen Lösung geguckt habe.“

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Fiel will attraktiven Fußball spielen lassen. Doch er muss auch erfolgreich sein. Nach den Plätzen 14 und zwölf am Ende der vergangenen beiden Spielzeiten soll es endlich aufwärts gehen. Sportvorstand Ralf Minge hatte den Bundesliga-Aufstieg für 2021 als Ziel vorgegeben. Diese Saison wäre dann eine Art letztes Aufbaujahr. „Ich möchte, dass wir es besser machen als vergangene Saison. Ich möchte, dass die Leute zufrieden nach Hause gehen“, hatte Fiel seine Vorgabe formuliert. „Verbunden mit Leidenschaft und Willen steckt in dieser Mannschaft genug Qualität, um eine gute Rolle in der zweiten Liga zu spielen.“

Die Qualität ist da, bisher wurde sie aber noch nicht komplett auf den Rasen gebracht. Nur wenn das gelingt, wird auch die Tabelle endlich wieder freundlicher aussehen.

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