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Hoyerswerda

57, 58 und 59 bewohnen das Nest in Hoske

Alljährlich werden die Jungstörche der Region beringt. Nicht alle kehren nach dem Afrika-Trip an den Geburtsort zurück.

Per Hebebühne geht es auf 16 Meter Höhe über Hoske. Die Jungstörche bewegen sich nicht. Ihnen geht es aber gut. Anhand des Metallringes lassen sie sich später identifizieren.
Per Hebebühne geht es auf 16 Meter Höhe über Hoske. Die Jungstörche bewegen sich nicht. Ihnen geht es aber gut. Anhand des Metallringes lassen sie sich später identifizieren. © Foto: Susann Metasch

Von Susann Metasch

Wittichenau. Nicht erschrecken“, sagt Ornithologe Stefan Siegel, als sich der Hebebühnenkorb langsam dem Nest in Hoske nähert. „Die Jungstörche stellen sich zum Selbstschutz tot, damit sie von den Räubern der Lüfte nicht angegriffen werden.“ 

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Fast regungslos liegen sie dort oben in der Sonne, fühlen sich entgegen dem Anschein aber pudelwohl. Der in 16 Metern Höhe befindliche Horst auf dem alten Antennenmast an der Schwarzen Elster in Hoske war erst im vergangenen Jahr ein wenig abgetragen worden, weil er zu hoch gewachsen war. Meister Adebar hat sich das Nest wieder fein herausgeputzt und alles vorbereitet für die Familie. Anfang Mai kam Nachwuchs zur Welt, der nun gehütet wird.

Es wird gewogen und vermessen

Wilfried Spank von der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ zog zu Beginn dieser Woche zusammen mit Stefan Siegel vom Förderverein Vogelschutzwarte Neschwitz und einigen Helfern durch die Lausitz, um etwa 30 bis 40 Jungstörche in der Region zu beringen. Bei dieser Gelegenheit werden die Tiere auch gleich gewogen, werden ihre Flügel vermessen. Hier und da muss das Team sogar helfend eingreifen. So hatte beispielsweise in einem anderen Horst ein Jungtier einen Faden fest um das Bein gewickelt. Der gefesselte Storch wurde, wie kürzlich auch ein Wittichenauer Junges, in die Wildtier-Auffangstation nach Görlitz gebracht und dort versorgt. Den drei Kleinen in Hoske jedoch scheint es blendend zu gehen. Mit 3 100 bis 3 440 Gramm sind sie wohlgenährt. Und auch die etwa 400 Millimeter langen Handschwingen sind ein Zeichen dafür, dass sie prächtig wachsen.

Geboren in Deutschland

Kurz über dem Intertarsalgelenk (also dem „Sprunggelenk“ oberhalb des Vogelfußes) schließt Stefan Siegel mit einer Spezialzange einen Metallring. Der Name oder besser gesagt die Nummer „CH59“ ist nun an den fedrigen Nachwuchs vergeben. Seine Geschwister erhalten die Nummern 57 und 58. Anhand des beigefügten Vermerks „Germania“ ist jedem Storchen-Beobachter beim Blick durch das Fernglas ab sofort klar, dass diese Exemplare in Deutschland geboren sind.

Keine zehn Minuten dauert es, dann sind alle drei Weißstörche versorgt. Die Hebebühne senkt sich zu Boden. Sobald der Abstand groß genug ist, landet Meister Adebar wieder auf dem Nest bei der Familie. Vorher hatte er das Geschehen kreisend aus sicherer Entfernung beobachtet. Im Schutz des Elterntiers werden die Jungtiere wieder mobil, sitzen plötzlich aufrecht und recken die Schnäbel nach dem Futter. Nicht mehr lange, dann werden sie selbst beginnen zu hüpfen, zu flattern und erste Flugversuche zu unternehmen. Schon im August geht es dann Richtung Süden.

„Ob sie an ihren Geburtsort zurückkehren, werden wir frühestens in drei Jahren erfahren. Denn so lange bleiben sie erst einmal in Afrika. Und nicht alle jungen Tiere schaffen diese schwere Zeit“, erzählt der Ornithologe. Denn der Tod lauert überall auf die Jungstörche: Da fressen sie etwas Falsches auf den Deponien, verunglücken bei ersten Flugversuchen an Stromleitungen oder vergiften sich an Insekten, die mit Schädlingsbekämpfungsmitteln „angereichert“ sind. Umso größer ist die Freude, wenn doch nach einigen Jahren ein alter Bekannter am Himmel auftaucht. Ihn wiederzuerkennen ist nur möglich, weil die Firma Lift-Manager – ein Arbeitsbühnen-Verleih aus Jänkendorf – Jahr für Jahr eine Hebebühne und einen Mitarbeiter für die Beringung der Weißstörche in der Lausitz kostenfrei zur Verfügung stellt.

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