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Görlitz

59 neue Corona-Infizierte in Nieskyer Heim

Auch das dritte Todesopfer des Landkreises kommt aus einem Pflegeheim. Insgesamt steigt die Zahl der Fälle sprunghaft an.

Das Altenpflegeheim Abendfrieden in der Nieskyer Plittstraße. Es gehört zu den Einrichtungen von Emmaus.
Das Altenpflegeheim Abendfrieden in der Nieskyer Plittstraße. Es gehört zu den Einrichtungen von Emmaus. © Archiv: andré schulze

Es trifft ein weiteres Pflegeheim: Nachdem das Martin-von-Tours-Pflegeheim im Krauschwitzer Ortsteil Klein Priebus mit 18 Infizierten schon eine Zeit lang den Kampf gegen das Coronavirus austrägt, hat es jetzt Niesky mit voller Wucht erwischt. Hier haben sich im Pflegeheim Abendfrieden gleich 59 Menschen angesteckt, wie der Landkreis Görlitz bestätigt.  Es soll sich sowohl um Bewohner als auch um Personal handeln. Eine Bewohnerin ist dem Virus bereits zum Opfer gefallen - die 91-jährige Frau, die bereits am 2. April in einer Klinik verstorben ist, ist damit das dritte Corona-Todesopfer im Landkreis Görlitz. Die beiden vorherigen Todesfälle waren Senioren aus der Pflegeeinrichtung in Klein Priebus. 

Sofortige Quarantäne angeordnet

Wie im Fall von Klein Priebus hat das Görlitzer Gesundheitsamt auch für die Nieskyer Pflegeeinrichtung die sofortige Quarantäne für Bewohner und Mitarbeiter angeordnet. Sie gelten damit bis auf Weiteres als sogenannte Kontaktpersonen der Kategorie 1. Für die Bewohner bedeutet das, dass sie das Gelände nicht mehr verlassen sowie keinen Besuch empfangen dürfen. Die Mitarbeiter des Heimes gehören zur Gruppe der systemrelevanten Berufe und dürfen weiterarbeiten, solange sie keine Krankheitssymptome entwickeln. 

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Hartnäckig und mit großem Einsatz haben die Mitarbeiter der Altenpflegeheime im Landkreis gegen die Ausbreitung des Coronavirus gekämpft. Trotzdem ist dieser Kampf nun eben auch im Nieskyer "Abendfrieden" verloren gegangen. Damit ist die von der Diakonissenanstalt Emmaus betriebene Einrichtung nach dem Martin-von-Tours-Haus der Diakonie St. Martin in Klein Priebus das zweite Heim im Landkreis, das mit weitreichenden Quarantänemaßnahmen versucht, die Situation in den Griff zu bekommen.

Entwicklung spitzt sich übers Wochenende zu

"Ich habe nie damit gerechnet, dass uns so etwas widerfahren könnte", sagt Oberin Sonja Rönsch. Die erfahrene Chefin der Diakonissenanstalt Emmaus weiß, wovon sie spricht. Die Betreuung alter Menschen, gar die Begleitung unheilbar Kranker auf ihrem letzten Weg, gehören zu den Aufgaben, mit denen sie tagtäglich zu tun hat. Nun die Ausnahmesituation im Altenpflegeheim. 94 Bewohner leben dort. Sie werden von knapp 100 Mitarbeitern betreut. Noch Ende vergangener Woche hatte nichts auf die sich zuspitzende Entwicklung hingedeutet. Allerdings: Zwei Beschäftigte befanden sich im Krankenstand, waren deshalb zu Hause geblieben. Als sie sich meldeten und mitteilten, positiv getestet worden zu sein, ging alles sehr schnell.

Das Gesundheitsamt des Kreises veranlasste am Donnerstag und Freitag Corona-Tests sämtlicher Mitarbeiter und Bewohner. "Natürlich hatten wir da noch die Hoffnung, dass es glimpflich ausgehen würde", so Schwester Sonja. Sonnabendvormittag dann der ernüchternde Anruf aus der Behörde: 59 Tests hatten ein positives Ergebnis erbracht. 38 Bewohner und 21 Mitarbeiter sind infiziert. 

Betreuungsregime wird jetzt verschärft

Sonja Rönsch griff daraufhin sofort zum Telefon und verständigte die Angehörigen aller positiv getesteten Bewohner. Für die gilt nun das gleiche wie schon in Klein Priebus praktiziert: Bewohner müssen sich künftig in ihren Zimmern aufhalten, Mitarbeiter tragen FFP2-Masken. Außerdem müssen die Zimmer positiv getesteter Bewohner in Schutzkleidung und mit Schutzbrille betreten werden. Um das abdecken zu können, wurde vom Landkreis Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Mit dem benachbarten Emmaus-Krankenhaus vereinbarte man, bereits genutzte Atemschutzmasken zu sterilisieren, um diese dann erneut zu verwenden.

Oberin Schwester Sonja Rönsch in fröhlicheren Tagen. Jetzt muss die Chefin der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky den Corona-Ausbruch im Pflegeheim Abendfrieden bekämpfen.
Oberin Schwester Sonja Rönsch in fröhlicheren Tagen. Jetzt muss die Chefin der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky den Corona-Ausbruch im Pflegeheim Abendfrieden bekämpfen. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Ausfallende Mitarbeiter sind nur schwer zu ersetzen

Um die Betreuung der Bewohner weiter zu gewährleisten, geht man im Altenpflegeheim Abendfrieden pragmatisch vor. "Wir werden uns strikt an die Anweisungen des Gesundheitsamtes halten", so Sonja Rönsch. Das Wochenende habe den Verantwortlichen zur Bestandsaufnahme gedient. Dabei hätten sich zwei Problemfelder herauskristallisiert. "Alle infizierten Bewohner in unserem Gebäude separat unterzubringen, funktioniert bei uns nicht. So groß ist keiner unserer Wohnbereiche." Auch die rund 20 infizierten und damit nun ausfallenden Mitarbeiter sind nicht so ohne Weiteres zu ersetzen. "Von Betreuungskonzepten brauchen wir unter diesen Bedingungen erst einmal nicht sprechen. Die spielen erst wieder eine Rolle, wenn wir diese Situation überstanden haben." Jetzt gelte es, die Bewohner bestmöglich zu begleiten. 

Negativ getestetes Personal muss sich zu Hause isolieren

Viel kommt deshalb in den nächsten Wochen auf die bisher negativ getesteten Mitarbeiter an. Sie dürfen weiterarbeiten, müssen laut Landkreis "ihre persönlichen Schutzmaßnahmen erweitern und sich zu Hause isolieren." St. Martin-Vorstand Petra-Edith Pietz kennt dies schon vom Altenpflegeheim in Klein Priebus. Dort steht das Pflegepersonal, das bereits zurzeit der ersten positiven Tests im Haus gearbeitet hat, selbst aber negativ getestet wurde, ebenfalls unter sogenannter erweiterter Quarantäne. "Ich bin deshalb sehr dankbar und froh, dass unsere Beschäftigten in dieser außergewöhnlichen Situation weiter zur Arbeit kommen", so Schwester Sonja.

Auch Löbauer Physiotherapie trifft es schwer

Die erhebliche Zahl Neuinfizierter in Niesky treibt die Gesamtzahlen im Landkreis enorm nach oben: auf jetzt 161. Weitere acht Fälle stehen im Zusammenhang mit den bestätigten Testergebnissen in einer Löbauer Physiotherapie.

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Von den bisher festgestellten Corona-Infektionen gelten bereits 18 Personen als wieder geheilt. Die Zahl der durch das Gesundheitsamt derzeit angeordneten Quarantänen beträgt 136. Insgesamt konnten bereits 328 Personen aus der Quarantäne entlassen werden. 14 Personen befinden sich in stationärer Behandlung in einer Klinik. Davon ist eine Person weiterhin in intensivmedizinischer Betreuung.

Die aktuelle Tabelle des Landkreises Görlitz: Er vermeldet für das Nieskyer Heim noch 49 positiv Gesteste, doch es sind 59.
Die aktuelle Tabelle des Landkreises Görlitz: Er vermeldet für das Nieskyer Heim noch 49 positiv Gesteste, doch es sind 59. © Landratsamt Görlitz
© Landratsamt Görlitz

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