SZ +
Merken

60 Familien wollen gemeinsam Landwirtschaft betreiben

Das Interesse an einem neuartigen Hofprojekt in Struppen ist riesig. Die erste Ernte ist im April geplant.

Teilen
Folgen

Von Heike Wendt

Der Start der Ernteteilergemeinschaft auf dem Schellehof in Struppen steht unmittelbar bevor. Noch im Februar soll die Gründungsveranstaltung einer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) erfolgen. Mit dem landkreisweit einzigartigen Konzept soll faires Wirtschaften unter ökologischen Bedingungen auf dem Bauernhof ermöglicht werden (SZ berichtete). Die Mitglieder teilen sich mit den Landwirten sowohl Risiko als auch die Ernte.

Zur Infoveranstaltung am Sonntag im Saal des Struppener Mittelgasthofes sagten bereits 60 Interessenten ihre künftige Mitgliedschaft zu. Weitere zehn bekundeten den Wunsch mitzumachen. Darüber hinaus waren elf potenzielle Ernteteiler zur Veranstaltung am Sonntag verhindert, ziehen aber eine Mitgliedschaft ernsthaft in Erwägung. Ihre Motivation: Zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen, die auf dem Teller landen. Zum Unkrautjäten auf dem Acker wird indes keiner gezwungen. „Wer möchte, kann mithelfen und den Gemüseanbau hautnah erleben. Muss aber nicht“, sagt Hofbesitzerin Elke Ehrhardt.

Der Schellehof hatte zur zweiten öffentlichen Informationsrunde eingeladen. Ausführlich wurden Anbaupläne und Finanzen vorgestellt. Ursprünglich war von 60 Ernteanteilen ausgegangen worden. Nach der großen Resonanz auf die erste öffentliche Vorstellung des Projekts im November hat der Schellehof die Planung auf 100 Teile erweitert. Auf dieser Zahl basiert der Haushaltsplan, in dem sämtliche Positionen wie Personalkosten, Materialbedarf, Pachtgebühren, Abschreibungen bis hin zu Kosten für Versicherungen, Büro und Buchführung einzeln erfasst sind. Mehrere Mitarbeiter sollen eingestellt und nach Mindestlohn – im Gartenbau nicht selbstverständlich – bezahlt werden. Insgesamt 118 000 Euro sollen pro Jahr erwirtschaftet werden. Bei 100 Mitgliedern kommt pro Ernteteil ein monatlicher Beitrag von 99 Euro plus sieben Prozent Mehrwertsteuer, also 105 Euro zusammen. Die Summe ist ein Richtwert und kann je nach persönlichen Verhältnissen variieren. Nach dem Solidarprinzip soll in einer Bieterrunde jeder seinen eigenen Beitrag einbringen. Insgesamt muss das errechnete Jahresbudget abgedeckt sein.

Konkret ausgearbeitet sind die Anbaupläne. 50 Gemüsesorten sind im ersten Jahr eingeplant, eine Erweiterung künftig vorgesehen. Im Mai sollen z. B. . Radieschen, Kopfsalat, Mairübe, Kohlrabi, Mangold, Lauchzwiebeln und ein Bund Kräuter in der wöchentlichen Erntekiste sein. Zudem wird einmal im Quartal geschlachtet, sodass zusätzlich Wurst und Fleisch vom Rind zur Verfügung stehen. Ein genauer Plan für das gesamte Erntejahr ist bereits auf der Internetseite vom Schellehof nachzulesen.

Die Verteilung der Ernte wird über mehrere Depots erfolgen. Ein großer Teil der künftigen Mitglieder kommt aus Dresden, sodass dort zwei bis drei Stellen eingerichtet werden, von denen die Kiste abgeholt werden kann. Wo diese genau sein werden, wird in nächster Zeit geklärt und hängt von Transport- und Lagermöglichkeiten ab. Für weitere Interessenten erklärt Hofbetreiber André Türk am Sonntag, dem 2. Februar ab 10 Uhr das Projekt erneut. Um 13 Uhr beginnt eine Hofführung, zwischendurch ist ein kleiner Imbiss geplant.

www.schellehof.de