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65 Jahre Leben in Niesky

Heinz Letzel ist Lehrer in Niesky und Rothenburg gewesen. Ende 2014 stirbt er. Am Montag wäre er 91 Jahre alt.

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Gastbeitrag von Walter Letzel

Heinz Letzel wurde am 25. Mai 1924 in Reichenberg im Sudetenland geboren. Im Forsthaus des gräflichen Strachwitzschen Forstreviers Podrosche wuchs er auf. Mit zehn Jahren kam er in das Fürstbischöfliche Konvikt in Sagan. Dort besuchte er das Gymnasium und erlangte im März 1942 das Abitur. Danach folgten der Reichsarbeitsdienst und der Wehrdienst. Im Mai 1945 gelangte er, wie die gesamte Kurlandarmee, in sowjetische Gefangenschaft, die er in Lagern um Borowitschí verbrachte. Er kehrte erst am 28. März 1949 aus dieser Gefangenschaft zurück.

© André Schulze

Sein erstes Ziel war Klein Priebus. Hier betrieben seine Mutter und seine Schwester eine kleine Landwirtschaft. Dort trat er auch in die (Ost-)CDU ein. Seine Bewerbungen in Görlitz, Weißwasser und Niesky um eine Anstellung als Lehrer sowie eine Bewerbung zur Kurzausbildung in Meißen als Russischlehrer wurden alle unter Hinweis darauf, dass er Offizier gewesen war, abgelehnt. In der Landesregierung in Dresden wurde ihm jedoch später erklärt, dass der Rang eines „Leutnant der Reserve“ kein Hinderungsgrund für eine Anstellung als Lehrer sei. Rückwirkend zum 1. Juni 1949 wird Heinz Letzel als Lehramtsanwärter an der Grundschule in Rothenburg eingestellt und zum 20. Juli 1950 an die Grundschule II in Niesky versetzt.

Im August 1950 heiratete er seine Braut, Annelene Mäder, ebenfalls eine Lehrerin. Nach dem Tod von Annelenes Mutter können beide ab August 1950 eine Zweizimmerwohnung in ihrem Elternhaus beziehen. Am 1. September beginnt Heinz Letzel seinen Dienst an der Grundschule II in Niesky. In den Jahren danach folgen mehrere Weiterbildungskurse. Ab dem 10. Januar 1952 gilt er als ausgebildeter Lehrer. Ein Fernstudium in Mathematik mit Abschluss des Staatsexamens folgt. Zwei Schuljahre lang übernimmt er eine Vertretung an der Erweiterten Oberschule (EOS) wahr und unterrichtet in der 9. und 11. Klasse Mathematik. Eine Versetzung an diese EOS wurde jedoch wegen des fehlenden SED-Parteibuchs abgelehnt.

Von 1954 bis 1961 ist er als stellvertretender Direktor an der Oberschule II eingesetzt. Diese Vertretung endet 1961 wegen Herzkreislaufattacken. Als Klassenlehrer ist Heinz Letzel auch für die Pionierarbeit der FDJ verantwortlich. In einem Zeitraum von über 22 Jahren pflanzt er mit seinen Schülern auf 45 Hektar Waldfläche etwa 650 000 Stück einjährige Kiefern an.

Im Jahre 1951 übernimmt Heinz Letzel den Vorsitz in der CDU-Stadtgruppe Niesky. Dieses Amt legt er jedoch ebenfalls 1961 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Als Hauptkassierer arbeitet Heinz Letzel jedoch noch 25 Jahre lang im Ortsverband mit. Ende der 1950er Jahre ist er eine Wahlperiode lang als Stadtverordneter tätig. Nach der Wende 1990 übernimmt Heinz Letzel für vier Jahre ein CDU-Mandat als Stadtverordneter und leitet als Vorsteher die Stadtverordnetenversammlungen. Mit seinem 70. Geburtstag 1994 beendet Heinz Letzel seine politischen Tätigkeiten.

Zusammen mit seiner Frau Annelene engagierte sich Heinz Letzel in der katholischen St.-Josefs-Kirchengemeinde im Kirchenchor. Zehn Jahre lang ist er im Kirchenvorstand als Schriftführer tätig. Ab 1970 fungiert er 17 Jahre lang als Diakonatshelfer und hält an den Außenstationen Wortgottesdienste mit Kommunionausteilung. Aufgrund der christlichen Einstellung der Eltern gehen alle vier Kinder des Ehepaares nicht zur Jugendweihe. Das hat Folgen für die Lehrerkarriere des Vaters. Ihm wurde die Versetzung an die EOS verweigert. Auch einer der drei Söhne wurde nicht zur EOS (Abiturstufe) zugelassen.

Heinz Letzel hatte die Jagdpassion, die Liebe zu Wald, Hege und Jagd von seinem Großvater und seinem Vater – beide Forstverwalter und Oberförster – geerbt. Er betätigte sich zu DDR-Zeiten im Jagdkollektiv Niesky unter der Leitung von Hans Gröger. Dieses „Hobby“ brachte ihm Freude, Entspannung und Bewegung für die oft durch den Schuldienst angegriffenen Nerven. Auch nach der politischen Wende konnte er sich in den Wäldern um Niesky noch jahrelang der Jagd widmen, bis ihm dies 2006 die angeschlagene Gesundheit nicht mehr ermöglichte.

Seit dem 26. Mai 2010 lebte er mit seiner Ehefrau Annelene noch mehrere Jahre lang zusammen im Altersheim „Abendfrieden“, bis ihn am 27. Oktober 2014 die letzte Lebenskraft verließ. Beigesetzt wurde er am 2. November auf dem Waldfriedhof. Seine Ehefrau Annelene ist nunmehr ohne ihn im Altersheim. Nach 64 gemeinsamen Ehejahren mit vier Kindern, zwölf Enkeln und sieben Urenkeln wird ihr Ehemann ihr sehr fehlen.

Walter Letzel ist der Bruder von Heinz Letzel. Er hat

das Buch „Mein Weg“ über seine Geschichte und die seiner Familie geschrieben.