merken
PLUS Görlitz

Görlitzer Gymnasium fährt trotz Corona ins Skilager

70 Schüler wollen nach Nordtirol. Fahren oder nicht fahren? Die Frage stellte sich dem Görlitzer Curie-Gymnasium - und zeigt die Unsicherheit beim Thema.

Schnee, Skifahren, Beisammensein - darauf freuen sich die Schüler. Das Curie-Gymnasium bleibt entspannt.
Schnee, Skifahren, Beisammensein - darauf freuen sich die Schüler. Das Curie-Gymnasium bleibt entspannt. © dpa-tmn

Am Sonnabend geht es los. Etwa 70 Achtklässler des Joliot-Curie-Gymnasiums fahren ins Skilager. Keiner - so zumindest der Stand von Freitagvormittag - hat abgesagt. Zumindest nicht aus Angst vor dem Corona-Virus. Die Reise geht nach Tirol. Aber nicht in den italienischen Teil, "wir fahren nach Österreich ins Zillertal", erzählt Schulleiter Wolfgang Mayer. 

In den vergangenen Tagen und Wochen hat er häufig mit dem Gesundheitsamt dort telefoniert. Und noch viel häufiger die Corona-Statistiken auf den Seiten des Robert-Koch-Institutes und der Weltgesundheitsorganisation abgerufen. "Wir fahren in ein Gebiet, das zumindest noch verhältnismäßig unbedenklich ist", erklärt Wolfgang Mayer. Und trotzdem fiel die Entscheidung schwer: Fahren oder nicht fahren - das Beispiel zeigt die Unsicherheit, die das Thema mit sich bringt.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Auch, weil die Entwicklung inzwischen so unberechenbar, Infektionsketten mittlerweile zu unübersichtlich sind: Als die SZ mit Wolfgang Mayer sprach, lag die Zahl der bestätigten Fälle in Österreich bei knapp 30, am Abend schon bei über 40 - bislang keiner im Zillertal. 

"Man hat das Gefühl, man kann es nur falsch machen", sagt Mayer. Auch in dem, was man sagt. "Würden wir sagen, die Entscheidung für das Skilager hat auch finanzielle Gründe, hieße es wahrscheinlich: Die Gesundheit der Schüler liegt denen wohl gar nicht am Herzen." Hätte die Schule entschieden, alles abzublasen, das Geld in den Sand zu setzen, damit wären sicher auch nicht alle einverstanden: Dumme Panikmache. 

"Nachher wissen es immer alle besser"

Das Skilager gehört beim Curie-Gymnasium dazu. Es ist die eine von zwei großen Schulfahrten: In der achten Klasse geht es ins Skilager. Rund 300 Euro kostet es pro Schüler.

"Stornieren können wir nicht", erklärt Mayer. Geplant ist die Reise seit Sommer, bezahlt Anfang Dezember. Als das Corona-Virus noch kein Thema war. Natürlich hätte die Schule nun die Reise absagen können, aber die Stornierungskosten, erklärt der Schulleiter, liegen dann in Höhe der Reisekosten. Höchstens die Ausleihgebühren für die Ski, die erst vor Ort bezahlt werden, hätte man bei einer Absage gespart. "Es liegt keine Reisewarnung für das Gebiet vor", erklärt Mayer weiter. Eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt gilt als Indiz für „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“.

Dann bekommt der Kunde in der Regel sein Geld vom Reiseveranstalter zurück, bestätigt Christiane Makosch von Görlitz Alternativ Reisen. Ansonsten muss man bei kurzfristigen Stornierungen die Kosten selbst tragen. "Man kann versuchen, mit dem Veranstalter zu sprechen", sagt sie, "aber das ist dann reine Kulanzsache."  

Aktuell rät das Auswärtige Amt von Italien-Reisen in die Provinz Lodi in der Lombardei sowie in die Stadt Vò Euganeo in der Provinz Padua ab. Donnerstagabend hat das Robert- Koch-Institut auch Südtirol zum Risikogebiet erklärt. Am Freitag hat außerdem das sächsische Kultusministerium Klassenfahrten in Corona-Risikogebiete untersagt: Reisen nach Italien, China, Südkorea, die bis Ende April geplant waren, sind abzusagen, teilte das Ministerium mit. Die Stornierungskosten werden vom Freistaat übernommen. 

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per Email. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Für Nordtirol gilt das aber nicht. Die Lehrer, die mit ins Skilager fahren, seien recht entspannt, sagt Wolfgang Mayer. Die Eltern auch, schätzt die Mutter einer Schülerin, die mitfährt, ein. Am Mittwoch, erzählt sie, gab es noch einen Elternabend. Große Sorge mit Extranachfragen habe nicht geherrscht. Und die Schüler freuen sich schon lange drauf. 

"Nachher wissen es immer alle besser", fürchtet Mayer. Normalerweise ist das Skilager eine verpflichtende Schulveranstaltung - seit Mitte der Woche nicht mehr. Die Eltern und die Schüler sollen selbst entscheiden, ob sie mitfahren. 

Corona - Reisebüros können es nicht mehr hören

Weiterführende Artikel

Große Ratlosigkeit nach dem Skilager

Große Ratlosigkeit nach dem Skilager

Zwei Wochen Quarantäne oder nicht? Bei dieser so wichtigen Frage gab es für die Familien von 80 Görlitzer Gymnasiasten am Wochenende keine Klarheit.

Corona - Christiane Makosch kann es bald nicht mehr hören. "Wir haben eigentlich gerade Hauptbuchungszeit", sagt sie. "Aber jetzt im Moment gerade sitzen wir alleine im Büro."  Es gab auch Stornierungen. Nach China oder Norditalien wolle sie aktuell auch nicht reisen. "Aber manche Stornierung ist wirklich widersinnig." Auch sie hat derzeit immer eine Infokarte geöffnet, die von der Johns-Hopkins-University, die weltweite Angaben zeigt. Mit einem Überblick, wie viele Menschen infiziert sind - und wie viele  wieder gesund sind. Aber auch die Zahl der Todesfälle. Seit 30 Jahren arbeitet Christiane Makosch in der Reisebranche. Die letzten drei waren hart, sagt sie. "Vor einem Jahr hatten wir die Germania-Pleite, im Herbst ging Thomas Cook in Insolvenz." Jetzt Corona. "Im Moment macht es keinen Spaß." 

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz