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700 Bäume auf der Gießliste

Das bisschen Regen der vergangenen Tage nützt den Pflanzen kaum. Zum Glück gibt es Leute wie Helmut Kümmel.

Willkommene Dusche: Helmut Kümmel gießt im Auftrag der Stadttochter AGV ein Rosen- und Rhododendronbeet am Puschkinplatz. Den 1.800-Liter-Tank muss er mehrmals am Tag nachfüllen.
Willkommene Dusche: Helmut Kümmel gießt im Auftrag der Stadttochter AGV ein Rosen- und Rhododendronbeet am Puschkinplatz. Den 1.800-Liter-Tank muss er mehrmals am Tag nachfüllen. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Rosen am Puschkinplatz sehen ganz gut aus. Bei den Rhododendren im Beet dagegen zeigen sich einzelne trockene Blätter. Aber wie sähe es wohl aus, wenn Helmut Kümmel und seine Kollegen von der AGV nicht Woche für Woche auf Runde gehen würden? Geduldig lässt der Canitzer Liter um Liter auf das Beet regnen. Dann montiert er den Sprühkopf ab und wendet sich dem Wein zu, der sich direkt daneben an einem Metallgerüst hoch rankt.

"100 bis 120 Liter Wasser können hier schon drauf", sagt Kümmel. "Man muss den Boden erst etwas anfeuchten, dann etwas warten - und dann richtig wässern." Mit der Gießkanne wie im heimischen Garten wäre das wohl etwas mühselig. Zum Glück ist der 69-Jährige mit dem Wagen da. Einem weißen Multicar mit aufmontiertem 1.800-Liter-Fass. Das wird der Senior, der bei der Stadttochter AGV stundenweise aushilft, in dieser Schicht noch dreimal auffüllen.

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200 Quadratmeter Blumenbeete

Denn in einem Sommer wie diesem sind die Pflanzen in Riesa durstig. Allein 200 Quadratmeter Blumenbeete pflegt und gießt die AGV im Auftrag der Stadt. Am Puschkinplatz, aber auch am Bahnhof oder in den Kübeln auf der Hauptstraße. Dazu kommen 3.100 Quadratmeter mit Sträuchern, die sich auf kleine und größere Flächen verteilen. Das zieht sich vom Spielplatz in Jahnishausen über den Park in Merzdorf bis zum Wohngebiet Kalkberg - überall dort, wo die Stadt zuständig ist. "Gegossen werden müssen vor allem Neuanpflanzungen oder solche, die aus den vergangenen drei, vier Jahren stammen", sagt Andreas Sonnenfeld, Technischer Leiter bei der AGV.

Was Helmut Kümmel und seine Kollegen zu gießen haben, ist akribisch in Listen verzeichnet, die Tag für Tag abgearbeitet werden. Dort finden sich auch 700 Bäume, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. So wird der Senior mit seinem Multicar an diesem Dienstag nach einem Abstecher in Nickritz auch noch im Stadtpark anrücken und dort einzelne Nachpflanzungen wässern. Pro Gießgang am Baum kalkuliert man bei der AGV 50 Liter. Mal fünf Liter aus der Gießkanne würden kaum bei den Wurzeln ankommen. Das summiert sich: Pro Runde werden 35.000 Liter Wasser fällig, hat Andreas Sonnenfeld ausgerechnet. Und bei der herrschenden Trockenheit bleibt es nicht bei einer Runde.

Unimog für Spezialeinsätze

So einen Multicar, wie ihn der frühere Stahlwerks-Mitarbeiter Helmut Kümmel fährt, gibt es bei der Stadt-Tochter zweimal. Den Gießwagen auf dem Bauhof oder an einem Hydranten wieder aufzufüllen, dauert zehn bis 15 Minuten. Und dann nutzt das Unternehmen auch noch einen Unimog als großes Tankfahrzeug, das gleich 4.000 Liter Wasser fasst. "Das nehmen wir aber für spezielle Einsätze, etwa auf dem Feldweg von Canitz nach Mautitz", sagt Andreas Sonnenfeld. "Für den Boulevard wäre der Unimog etwas groß."

Drei Mitarbeiter sind derzeit schichtweise mit dem Gießen des Stadt-Grüns beschäftigt, früh geht es um 6 Uhr los, teilweise ist erst um 18 Uhr Schluss. Zwar weiß jeder Gartenbesitzer, dass man idealerweise nicht in der prallen Sonne gießt. Das lässt sich aber bei so einem Programm praktisch nicht überall einhalten. Und so bekommen auch die Rosen am Puschkinplatz gleichzeitig Wasser und Sonne ab - scheinen das aber gut zu vertragen.

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