merken
PLUS

75 Jahre oder 75 Minuten – alles Schicksal?

Dieter Schmees hat Reißaus genommen. Der Senior-Chef der gleichnamigen Edelstahlwerke in Pirna-Copitz und des Brauhauses „Zum Gießer“ nebenan sowie der Destille im Kurort Rathen wird am Sonntag 75 Jahre alt.

Von Daniel Förster

Dieter Schmees hat Reißaus genommen. Der Senior-Chef der gleichnamigen Edelstahlwerke in Pirna-Copitz und des Brauhauses „Zum Gießer“ nebenan sowie der Destille im Kurort Rathen wird am Sonntag 75 Jahre alt. Um dem Trubel um seinen runden Geburtstag etwas aus dem Wege zu gehen und nicht groß feiern zu müssen, hat er sich mit seiner Ehefrau Sigrid (72) zurückgezogen. Seit Tagen weilen die beiden im Urlaub, sonnen sich in der Türkei. An seinem Ehrentag will das Paar jedoch im Flieger sitzen und abends zurückfliegen.

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

Der Rheinländer kaufte 1992 die Copitzer Gießerei von der Treuhand. Damals standen hier 59 Leute in Lohn und Brot. Heute sind es hundert mehr. Zum Gießer wurde Schmees, von Hause aus Kaufmann, 1965. Damals ersteigerte er einen Schmelzofen. „Die erste Charge ging voll daneben. Das flüssige Metall ergoss sich durch die ganze Produktionshalle“, schmunzelt er heute über seine Anfänge. Seit zwölf Jahren trinkt Dieter Schmees sein eigenes Bier („Bastei Pils“ und „Gießer Dunkel“) und hat seit neun Jahren seinen eigenen Geist – den Geist von Rathen.

Nur 75 Minuten früher, und ihnen wäre eine stundenlange Odyssee erspart geblieben: Die Aschewolke des isländischen Vulkans machte den Pirnaer Lions nach ihrem viertägigen Clubausflug nach Liverpool einen Strich durch die Rechnung. Gerade am Rückflugtag wurde wieder der Luftraum gesperrt. Und das eine reichliche Stunde, bevor der Flieger nach Berlin abheben sollte. Aus zwei Stunden Direktflug wurden über 30Stunden in sieben verschiedenen Zügen. Olaf Rauthe, Bezirkschef der Barmer GEK, Ulrich Tautz, Inhaber von Büro-Partner in Pirna, Tim Lochner, Tischlermeister in Pirna-Jessen und SV-Pirna-Süd-Präsident, der Pirnaer Gastwirt Sandro Otto („Méridas“, „Escobar“ und „Malaga“), Gerold Meißner, Chef vom gleichnamigen Brücken- und Spezialbau in Mockethal, das Pirnaer Ärztepaar Ute und Paul Close, der Heidenauer Taxiunternehmer und Stadtrat Reno König, Vermögensberater Jörg Ohler, Swen Wilhelm, Chef der Thermowatt GmbH Rosenthal, Jörg Jendrzejewski, Geschäftsführer der SVG Service und Vertrieb für das Verkehrsgewerbe GmbH Dresden und der Heidenauer Steuerberater Bernd Künzel. waren hart im Nehmen – knapp 1600Kilometer, abgesehen von der Fähre, auf dem Schienenweg. „Wir hätten vor Mittwoch nicht zurückfliegen können. Und selbst das war ungewiss“, sagt Reno König. Zunächst ging es nach London, dann nach Dover und weiter mit dem Bus zur Fähre nach Calais. Dort der Schock: Ab 19Uhr werden keine Passagiere mehr, sondern nur noch Autos befördert, hieß es. „Wir wollten uns ein Hotel suchen“, berichtet Reno König. „Als der Busfahrer sah, dass wir zur Stadt zurückliefen, sagte er uns, dass wir inzwischen doch noch auf die Fähre dürften.“

Dafür saß die Gruppe in Calais dann sechs Stunden im voll ausgeleuchteten und lauten Vorraum des Fährgebäudes – für das einzige verfügbare Taxi waren es zu viel Passagiere, der Bahnhof sei verschlossen, das schmale Dach dort schütze nicht vor dem Nieselregen. Mit dem ersten Zug um 5Uhr ging es endlich weiter nach Lille. „Dank unserem genialen Reiseleiter Paul hatten wir immer gute Zugverbindungen“, lobt Reno König den Anästhesie-Chefarzt und Intensivmediziner im Klinikum Pirna, der dort mit den anderen in den Hochgeschwindigkeitszug TGV (Train à grande vitesse) nach Lille und Brüssel einstieg. „Der hat 300Sachen Spitze – ein beeindruckendes Erlebnis.“ Dann ging es mit dem belgischen Thalys weiter nach Köln und schließlich mit dem ICE nach Berlin, wo die Pkws standen. Statt 35Euro fürs Flugticket standen 350Euro pro Nase zu Buche. Hätten sie auf den Flug gewartet, wäre es wohl wegen der Übernachtungen nicht billiger geworden. Königs Resümee: „Im Gegensatz zu den Franzosen sind die Engländer das netteste Volk in Europa.“