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75 Quadratmeter Semperoper für Radeberger Brauerei

Feier. Vor 100 Jahren kam Radeberger auf den Tisch sächsischer Könige. Das wird vom 3. bis 5. Junigefeiert. Und wir erzählen Geschichten dazu.

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Von Jens Fritzsche

Radeberg. Werbung für Radeberger Pilsner war zu DDR-Zeiten im Prinzip, wie die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen. „Schließlich war Radeberger so etwas wie eine zweite Währung“, kann sich der Dresdner Foto-Designer Dieter Krull noch gut erinnern. Werbung wurde für Radeberger Pilsner trotzdem gemacht, und der Dresdner hat die meisten der Werbeplakate, Prospekte und Taschenkalender fotografiert. „Meist sind meine Bilder aber in der Welt herumgereist“, denkt Dieter Krull zurück. Denn die Fotos waren vorrangig für Werbung im westlichen Ausland gedacht. „Meine Bilder waren also schon vorm Mauerfall im Westen, ich konnte erst danach“, erzählt er schmunzelnd.

Weit über 25 Jahre Arbeit

Weit über 25 Jahre lang hat Dieter Krull für die Brauerei fotografiert. „Meine Frau und ich gehörten zu den wenigen Werbe-Fotografen in der DDR, die mit großformatiger Kameratechnik fotografierten“, sagt er. Und so kam es schon mal vor, „dass auf der Leipziger Messe an fünf benachbarten Ständen von Brauereien auch fünf Werbeplakate von uns hingen…“ Aber für Radeberger haben sich die Krulls immer die meiste Mühe gegeben, „weil wir mit Radeberger besonders eng und auch besonders lange zusammen gearbeitet haben.“

Und so verwundert es wohl auch kaum, dass Dieter Krull sein größtes je veröffentlichtes Werbe-Plakat ebenfalls für die Radeberger Brauer geschossen hat. Das war nach der Wende für einen Werbestand der Brauerei auf der größten Ernährungsmesse der Welt, der Anuga in Köln. „75 Quadratmeter groß war das Plakat mit dem Motiv der Semperoper“, freut sich Dieter Krull. Für das Dresdner Opernhaus haben Krull und seine Frau übrigens auch fast zwölf Jahre lang fotografiert. Werbeplakate, Bücher, Prospekte… Und weil sich die Radeberger Exportbierbrauerei nach der Wende entschied, mit dem Bild der Semperoper zu werben, „stammen auch viele Motive für diese Werbung von uns“, erzählt Dieter Krull nicht ohne Stolz.

Die Zusammenarbeit mit Radeberger hatte für die Krulls übrigens auch noch einen interessanten und zu DDR-Zeiten nicht unwichtigen Nebeneffekt: „Wir kamen ein bisschen einfacher an das begehrte Pilsner ran, konnten so manchen Kasten als notwendiges Trinkgeld für Leute einsetzen, die unsere Technik reparierten oder für uns Fotos retuschierten…“

Geblieben sind in jedem Fall viele hundert Fotografien, Plakate und Prospekte. Und die lagern jetzt im umfangreichen Fundus der Brauerei. Und wer weiß, wenn in Radeberg eines schönen Tages doch mal ein Biermuseum eröffnet wird (was ja auch geplant ist), dann wird bestimmt auch das eine oder andere Foto von Dieter Krull zu sehen sein.

Heute endet unsere fast dreimonatige Serie in Vorbereitung des Brauereifestes. Vielen Dank allen, die uns witzige und rührende Geschichten rund ums Radeberger Bier erzählt haben.