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80.000 Sachsen sind alkoholabhängig

Crystal, Cannabis, Tabletten: Mit welchen Drogen die Sachsen Probleme haben. Auch Angehörige suchen Hilfe.

Alkohol dominiert die Suchtdiagnosen in den Krankenhäusern.
Alkohol dominiert die Suchtdiagnosen in den Krankenhäusern. © dpa

Dresden. Alkohol, Cannabis und Computerspiele: Die Zahl der Süchtigen in Sachsen steigt. Nach dem aktuellen „Suchtbericht 2019“ werden pro Jahr etwa 21.000 Fälle mit Suchtproblemen in der stationären Akutversorgung und mehr als 26.000 ambulante Betreuungsfälle in den Beratungsstellen registriert.

Alkohol bleibt in Sachsen Droge Nummer 1

Alkohol dominiert nach Angaben der sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren mit knapp 80 Prozent die Suchtdiagnosen in den Krankenhäusern und betrifft die Hälfte aller Beratungsfälle. Etwa 80.000 Menschen gelten in Sachsen als alkoholabhängig, weiteren 70.000 wird ein Alkoholmissbrauch bescheinigt. Betroffen sind alle Altersgruppen mit dem Schwerpunkt zwischen 45 bis 60 Jahren, aber zunehmend auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Drei Viertel der Patienten, die wegen Alkohols in Krankenhäusern behandelt werden, sind Männer. Laut amtlicher Statistik sterben pro Jahr etwa 1.000 Menschen in Sachsen an übermäßigem Alkoholkonsum. Allerdings werden nur 15.000 Menschen wegen ihres Alkoholkonsums in den Suchtberatungsstellen betreut. Das hat zur Folge, dass „die Problematik für viele Menschen chronisch und unter Umständen tödlich verläuft“, heißt es in dem Bericht. Nötig sei daher, Suchtprävention, Jugendschutz und Suchthilfe zu stärken, aber auch Werbung und Verfügbarkeit stärker einzuschränken.

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Zahl der Crystal-Konsumenten sinkt

Nach dem Bericht waren rund 23.000 Menschen von illegalen Drogen abhängig – in Sachsen handelt es sich hauptsächlich um Crystal und Cannabis. Dazu kamen noch einmal etwa 20.500 Frauen und Männer, denen ein Drogenmissbrauch bescheinigt wurde. 18 Menschen starben an Drogenkonsum. 3.960 Menschen, die 2019 eine Beratungsstelle aufgesucht haben, hatten ein Problem mit Crystal – das ist jede sechste Beratung. Die Zahl der Crystal-Konsumenten, die eine Beratungsstelle aufsuchen, ging damit in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent zurück. Vor allem im mittelsächsischen Raum und in Dresden geht die Nachfrage deutlich zurück. In den westlichen Regionen insbesondere im Vogtlandkreis ist der Hilfebedarf aber noch groß. Allerdings machen Crystalkonsumenten etwa 55 Prozent der Suchtberatungen in sächsischen Gefängnissen aus.

Mehr Beratungen wegen Problemen mit Cannabis

Marihuana und Haschisch rangieren mittlerweile an dritter Stelle der häufigsten Problemsubstanzen. Fanden 2014 nur etwa 1.390 Beratungen wegen Cannabiskonsums statt, waren es 2019 schon mehr als 3.130. Auch die Zahl der Cannabis-Konsumenten, die in Krankenhaus eingeliefert werden, steigt.

848 Menschen ließen sich 2019 wegen einer Opioid-Sucht – etwa Heroin – beraten. Deutschlandweit finden jährlich etwa 80.000 Substitutionsbehandlungen für eine Sucht nach Opioiden statt. Dabei wird etwa Heroin mit Methadon ersetzt. Davon werden rund 1.000 in Sachsen durchgeführt. Regionaler Schwerpunkt ist seit vielen Jahren Leipzig. In der Messestadt werden circa 70 Prozent der Behandlungen durchgeführt. Etwa 100.000 Menschen in Sachsen gelten als medikamentenabhängig, vor allem von Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Dazu zählen neben Analgetika wie Paracetamol, Metamizol, Diclofenac, Ibuprofen auch Opioide wie Codein, Tramadol oder Oxycodon.

Glücksspiel und exzessiver Medienkonsum nehmen zu

7.500 Menschen gelten als pathologische Glücksspieler, 25.000 haben eine Computerspiel- oder Mediensucht. Die verhaltensbezogenen Suchtprobleme machen derzeit etwa zwei bis drei Prozent der Beratungen aus – junge Männer sind besonders gefährdet. Die Experten gehen davon aus, dass die Fallzahl in den nächsten Jahren steigen wird, auch weil aktuell der Glücksspielmarkt im Internet und der Bereich der Sportwetten erweitert wird. Außerdem haben viele Kinder und Jugendliche während des Corona-Lockdowns mehr Zeit vor dem Computer verbracht. Süchtige vernachlässigen oft andere wichtige Aktivitäten, spüren ein zwanghaftes Verlangen, können die Nutzung zeitlich kaum noch kontrollieren und nehmen auch soziale und gesundheitliche Nachteile in Kauf, um das Internet oder den Computer exzessiv nutzen zu können. Exzessiver Medienkonsum und Computerspielsucht kann zu Schlafstörungen, Ernährungsmängeln, psychischen Störungen durch Realitätsflucht, Identitätswechseln und der Verschiebung von Kommunikationsmustern führen. Betroffene Kinder und Jugendliche sind in ihrer Entwicklung negativ beeinträchtigt.

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Im etwa 13 bis 15 Prozent der Fälle suchen Angehörige oder nahe Bezugspersonen in der Suchtberatung Hilfe. Dieser Wert bleibt seit Jahren stabil. Häufig haben die von der Sucht Betroffenen neben körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen noch weitere Probleme: mit familiären Beziehungen, Schulden, rechtlichen Problemen sowie der Arbeit. „Die Ausbildungs- und Beschäftigungssituation ist bei suchtkranken Menschen in Sachsen sehr ungünstig“, heißt es im Bericht. 12 bis 22 Prozent der Cannabis- oder Crystal-Konsumenten in den Beratungsstellen haben keinen Schulabschluss. 30 bis 50 Prozent der Hilfesuchenden in der Suchtberatung sind langzeitarbeitslos. Für sie seien umfangreiche Angebote für Ausbildung und Beschäftigung notwendig.

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