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Dresden

A4-Brücke bei Leppersdorf: Droht Abriss?

Ein Landtagsabgeordneter vermutet das. Das Verkehrsministerium gibt nun eine klare Antwort.

Die vier Spuren können den starken Autoverkehr kaum fassen. Deshalb soll die Autobahn A4 zwischen Dresden und Bautzen ost auf sechs Spuren erweitert werden. Doch passen die unter der neu errichteten Brücke im Hintergrund hindurch?
Die vier Spuren können den starken Autoverkehr kaum fassen. Deshalb soll die Autobahn A4 zwischen Dresden und Bautzen ost auf sechs Spuren erweitert werden. Doch passen die unter der neu errichteten Brücke im Hintergrund hindurch? © Matthias Schumann

Seit mehreren Monaten spannt sich die neue Brücke über die Autobahn bei Leppersdorf. Autos sind allerdings noch nie darüber gefahren. Erst mit Fertigstellung der Schnellstraße S177 im Jahre 2022 wird sie in Betrieb genommen.

Jetzt werden allerdings Vermutungen laut, dass die Tage des nagelneuen Bauwerks gezählt sind. So befürchtet der AfD-Landtagsabgeordnete Frank Peschel, dass ein Abriss notwendig wird. Hintergrund ist der sechsspurige Ausbau der A4 zwischen Dresden und Bautzen Ost. Die Bundesregierung hatte diesen Plänen zuletzt zugestimmt. In Bautzen bezogen bereits Mitarbeiter der Autobahn-Planungsgesellschaft Deges ihre Büros.

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Ist die Brücke für die sechs Spuren also zu klein? Der AfD-Politiker vermutet das. Er sieht Planungsfehler. „Im Jahr 2010 lag das Verkehrsaufkommen auf der Bundesautobahn A4 bei 54.000 Autos am Tag östlich von Dresden. Der Verkehr hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Im Jahr 2018 lagen die entsprechenden Werte bei 63.000 Autos am Tag. Ein Ausbau der A4 hätte jederzeit bei der Planungen der S177 berücksichtigt werden müssen.“

Also ist die Brücke ein Nadelöhr und muss abgerissen werden? Sächsische.de hat beim Verkehrsministerium in Dresden nachgefragt. Von dort gibt es die eindeutige Auskunft: „Die lichte Weite des Bauwerkes, also die Spannweite, würde grundsätzlich eine Erweiterung auf sechs Fahrstreifen zulassen“, teilt Mitarbeiter Christian Adler mit. Allerdings schränkt er ein, dass konkrete Aussagen, beispielsweise über den Verlauf der Fahrspuren, erst nach Abschluss einer Erweiterungsplanung getroffen werden können.

Geduld der Leppersdorfer strapaziert

Eine weitere Verzögerung der Inbetriebnahme der S177 durch Abriss und Neubau der Brücke dürfte es somit nicht geben. Denn schon einmal musste das Projekt gestoppt werden. 2013/14 wurden zwölf Fledermausarten an der geplanten Trasse gefunden. Für sie mussten spezielle Überflugbauwerke geplant werden.

Wegen der umfangreichen Änderungen gegenüber den alten Plänen wurde das Verfahren neu aufgerollt, inklusive der erneuten Auslage für die Öffentlichkeit. Die Geduld der Verkehrslärm geplagten Leppersdorfer wurde arg strapaziert. Drei Jahre Zeit kostete das Verfahren. Damit dürfte die Straße voraussichtlich 2022 fertig werden, wie Verkehrsministerium und Landesamt für Straßenbau und Verkehr zuletzt mitteilten.

Die neue Schnellstraße ist eins der wichtigsten Verkehrsprojekte Sachsens. Mit dem Neubau eines 5,3 Kilometer langen Teilstückes zwischen Radeberg und der A4 wird die sogenannte Ostumfahrung Dresdens komplettiert, zudem erhält Leppersdorf die lang ersehnte Ausweichtrasse. Die Schnellstraße wird wie die bestehenden Abschnitte drei Fahrspuren haben, zwei davon werden wechselseitig geführt. 

Insgesamt wird es zwölf Bauwerke entlang der Trasse geben. So entstehen oder sind bereits fertiggestellt: die Brücke über die Autobahn, zwei Hochwasserrückhaltebecken sowie drei Überflughilfen für die geschützten Fledermäuse. Außerdem wird eine neue Autobahn-Anschlussstelle errichtet. Danach wird die vorhandene Anschlussstelle Pulsnitz stillgelegt. Weiter nördlich erfolgt die Anbindung an die vorhandene S95 auf einer Länge von 1,4 Kilometern.

Die neue Staatsstraße zwischen der A4 und der A17 wird eine Gesamtlänge von rund 33 Kilometern haben. 17,5 Kilometer sind bereits befahrbar. Insgesamt kostet die Schnellstraße voraussichtlich 228 Millionen Euro. In Planung ist momentan der Bauabschnitt bei Rossendorf. Am ehemaligen Gasthof Schänkhübel soll die Kreuzung rund einen Kilometer in Richtung Westen, also in Richtung Dresden-Weißig verlegt werden. Mit einer Brücke wird die S177 über die B6 geführt.

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