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Ab 20 Uhr sind die Türen zu

Wegen Verschmutzung ist die Bahnhofshalle nur noch tagsüber geöffnet. Reisende reagieren unterschiedlich.

Von Mareike Huisinga

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Nach 20 Uhr haben Bahnreisende in Pirna ein Problem. Statt in der großen Halle im Warmen auf den Zug zu warten, müssen sie jetzt draußen auf den Bahnsteigen frieren. Seit Mittwochabend hängt ein Schild an der großen Eingangstür. Danach ist die Halle wochentags von 5 bis 20 Uhr, sonnabends von 7 bis 20 Uhr und sonntags von 8.30 bis 20 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Zeiten stehen Reisende vor verschlossenen Türen. Bislang war die Bahnhofshalle durchgehend geöffnet.

Die Bahn als Eigentümer reagiert damit auf unschöne Ereignisse in den vergangenen Wochen. „Wegen Hausfriedensbruchs, Verschmutzung der Bahnhofshalle und Belästigung von Reisenden und Mietern konnten wir die Situation nicht länger hinnehmen und mussten zu dieser Maßnahme greifen“, sagt Bahn-Sprecherin Erika Poschke-Frost. Auf die Frage, was konkret vorgefallen sei, wollte sie sich nicht äußern. Allerdings hätten die Betroffenen Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs gestellt und Hausverbot für die Täter gefordert. Die neue Regelung gelte bis auf weiteres.

Nach 20 Uhr können die Reisenden Schutz unter den Überdachungen auf den Bahnsteigen finden, sagt Erika Poschke-Frost. Fahrkarten gebe es rund um die Uhr an dem Automaten auf Bahnsteig 1/2. Wer länger warten muss, hat die Möglichkeit, sich im benachbarten Busterminal auf dem ZOB aufzuwärmen. Diese Halle mit Toiletten ist von 4 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, informiert Pirnas Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin auf SZ-Anfrage. In diesem Raum sei es übrigens bislang zu keinen Vandalismusschäden oder anderen kritischen Vorkommnissen gekommen.

Zurück zum Bahnhof. Olav Marx ist Eigentümer der DB-Agentur in der Pirnaer Bahnhofshalle. Er begrüßt die neuen Öffnungszeiten. „Die Schließung erfolgte auf Initiative der Mieter, da sich einige Personen, die mit Hausverbot belegt worden sind, nicht an die Hausordnung gehalten haben“, sagt Marx. In diesem Zusammenhang gibt er zu bedenken, dass die Bahn rund eine Million Euro in die Sanierung der Bahnhofshalle investiert habe. „Das muss schließlich geschützt werden“, betont der Unternehmer. Einige Kunden hätten ihn auf die jetzt geltenden Schließzeiten angesprochen. „Die meisten zeigen Verständnis“, sagt Marx.

Es roch nach Fäkalien

Dazu gehört auch die 25-jährige Franziska Müller, die regelmäßig von ihrem Wohnort Meißen nach Pirna pendelt, wo sie arbeitet. „Ich finde es gut, dass die Halle nachts geschlossen ist. Im vergangenen Jahr roch es häufig nach Urin und anderen Fäkalien, die jemand in der Halle hinterlassen hatte. Es war eklig“, sagt die Meißenerin. Weniger Verständnis hingegen hat ein älterer Mann aus Pirna, der anonym bleiben möchte. „Eine Frechheit ist das. Dann sollen sie doch mehr Polizisten einsetzen“, schimpft er. Zu DDR-Zeiten hätte es so etwas nie gegeben, legt er noch mal lautstark nach, um dann etwas mürrisch im Richtung Bahnsteig zu gehen. Auch Florian Kalwa gewinnt der neuen Regelung nur wenig ab. „Gerade jetzt im Winter kann man abends nicht mehr im Warmen warten“, sagt der 27-Jährige verärgert.

So ganz ungewöhnlich sind Bahnhofs-Schießzeiten in der Region nicht. Eher ist es so, dass Pirna jetzt nachzieht. In Bad Schandau stehen Reisende in der Winterzeit von 18 bis 6 Uhr vor verschlossenen Türen. Verantwortlich ist die Stadt als Eigentümer. „In dem Gebäude befinden sich mehrere Einrichtungen, die wir schützen müssen“, begründet Andrea Wötzel von der Stadtverwaltung Bad Schandau.

Die Bahnhofshalle in Sebnitz ist ebenfalls städtisches Eigentum. Die Öffnungszeiten der Halle seien gekoppelt mit den Öffnungszeiten des Bäckers, der eine Filiale im Bahnhof betreibt, sagt Kerstin Nicklisch, Pressesprecherin der Stadt Sebnitz. Der Bahnhof in Sebnitz ist montags bis mittwochs von 7 bis 15 Uhr, donnerstags und freitags von 7 bis 16 und sonnabends von 7 bis 10 Uhr geöffnet.