merken
PLUS

„Ab 2005 haben wir Arbeitskräftemangel“

In Sachsen leben insgesamt rund 300 000 Menschen weniger als vor zehn Jahren. Die Überraschung: Fünf Kreise und die Stadt Plauen freuen sich über einen Bevölkerungszuwachs. Zuversicht und auch ein bisschen Stolz spricht aus den Worten der stellvertretenden Kamenzer Landrätin Petra Köckert.

Christian Striefler und Christoph Knoop

In Sachsen leben insgesamt rund 300 000 Menschen weniger als vor zehn Jahren. Die Überraschung: Fünf Kreise und die Stadt Plauen freuen sich über einen Bevölkerungszuwachs.

Anzeige
Berufsakademie Sachsen wird 30
Berufsakademie Sachsen wird 30

Die Staatliche Studienakademie Bautzen ist eine von sieben Einrichtungen der Berufsakademie. In Bautzen wird noch 70 Jahre Ingenieurstudium gefeiert.

Zuversicht und auch ein bisschen Stolz spricht aus den Worten der stellvertretenden Kamenzer Landrätin Petra Köckert. Zehntausend Menschen leben dort mehr als noch vor zehn Jahren. Und dies ist keine Folge der Gemeindegebietsreform. Denn die Zahlen des Statistischen Landesamtes beziehen sich auf die heutigen Kreisgrenzen.

„Wir haben bei uns eine überdurchschnitlliche wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Köckert. Fast alle Gewerbegebiete seien gut belegt. Zudem profitiere der Kreis Kamenz von der Stadtflucht aus Dresden und Hoyerswerda. Sachsenweit grenzen alle Kreise mit Zuwachs an die drei Großstädte Dresden, Chemnitz und Leipzig. Spitzenreiter ist das Leipziger Land mit elf Prozent Zuwachs.

Darüber hinaus gebe es allerdings auch negative Entwicklungen im Kreis Kamenz zu beklagen, sagt Köckert. Gerade im Norden an der Grenze zu Brandenburg verließen leider zu viele Menschen ihre Heimat. Dort liegt auch Hoyerswerda, das die rote Laterne trägt. Trotz Eingemeindungen leben in der Stadt, die vollständig von der Braunkohle gelebt hat, fast ein Viertel weniger Menschen als kurz nach der Wende. Für Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig (PDS) sind die Gründe klar: der bundesweit zu beobachtende Geburtenknick und die Abwanderung in Richtung Arbeit. Als Gegenmaßnahme will er die Stärken im Dienstleistungs- und Handelsbereich fördern, vor allem aber die Infrastruktur weiter ausbauen. Dennoch rechnet Brähmig mit einem weiteren Rückgang der Bevölkerung bis auf 35 000 bis 40 000. Und wie stemmt sich beispielsweise der Landkreis Bautzen gegen die Entwicklung? „Wir können nicht auf Wunder von außen hoffen“, sagt Landrat Michael Harig (CDU). Aber die Leute laufen nicht wegen schlechter Schulen oder fehlender Theater weg. Sie gehen dorthin, wo es Arbeit gibt.

Doch ab 2005 werden wir massiven Arbeitskräftemangel haben, befürchtet Harig. Dann gehen geburtenstarke Jahrgänge in Rente. Deshalb empfiehlt er allen Bürgermeistern, den Kontakt zu den jungen Abwanderern zu halten. Zudem sei es gar nicht so schlecht, wenn die jungen Leute sich in der großen weiten Welt umschauten und ihre Chance nutzten. 70 Prozent aber wollen zurückkommen, wenn sie hier Arbeit bekommen.

Ein Nebenaspekt der Statistik: Im ganzen Land hat die Zahl der Singlehaushalte stark zugenommen. Denn jüngere Sachsen können es sich viel früher finanziell leisten, von zu Hause auszuziehen, sagt eine Mitarbeiterin vom Statistischen Landesamt in Kamenz.