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Ab in den Urlaub

Werner Adler war 25 Jahre Bauleiter beim größten Vermieter in Niesky. Nun ist er in Rente – und macht weiter.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

André Holz hat alle Hände voll zu tun. Manchmal weiß er nicht, wo ihm der Kopf steht. Seit kurzem ist er Bauleiter des größten Wohnungsunternehmens in Niesky, der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG), und damit Nachfolger von Werner Adler. „Seit mein Vorgänger in Rente ist, sehe ich erst das ganze Ausmaß der Arbeit. Mein Respekt vor ihm und seiner Leistung ist noch einmal um ein ganzes Stück gewachsen“, so der 36-jährige gebürtige Rothenburger.

Mit Werner Adler verlässt einer der dienstältesten Mitarbeiter das Unternehmen, das über 1 800 Nieskyern ein Zuhause gibt. Adler ist damit noch ein Vierteljahr länger im Unternehmen – zu DDR-Zeiten hieß es „VEB Gebäudewirtschaft“ – als Geschäftsführer Wilhelm Fischer. Jahrzehntelang war Adler von keiner Baustelle wegzudenken. Im Laufe der Jahre hatte er fast alle Gebäude aus dem Bestand der GWG unter seinen Fingern. „Nach der Wende wurde ja so gut wie alles saniert“, meint Adler. Kein Wunder also, dass ihn fast jeder in der Stadt kennt. Die logische Folge: Er wird sehr häufig angesprochen. Wenn er allein unterwegs ist, kein Problem. Ist er in Begleitung, wird‘s schwierig. „Mein jüngerer Sohn hat schon mal gesagt: Mit dir durch die Stadt zu gehen, ist nicht schön.“

Angefangen hat Werner Adler 1977 als Maurer, machte ein Jahr vor der Wende seinen Meister und 1991 den Polier im Hochbau. Ein Jahr später wurde er Bauleiter bei der kurz zuvor gegründeten GWG. Zuletzt kümmerte er sich um das Dewog-Haus in der Käthe-Kollwitz-Straße. Es sei für ihn so etwas wie ein Lieblingsobjekt, auch weil es mithin das größte war, das er in seiner Laufbahn betreuen durfte. Und darf. Obwohl er seit dem 1. Dezember 2017 im Ruhestand ist, sieht er mehrmals die Woche im Dewog-Haus nach dem Rechten. Ein befristeter Vertrag auf 450-Euro-Basis macht es möglich. Adler hat die Sanierung begonnen, und er wird sie auch zu Ende führen.

Aber was macht ein Bauleiter eigentlich den ganzen Tag? „Es geht vor allem um Kontrolle“, so Adlers kurze Tätigkeitsbeschreibung. Ein Bauleiter schaut auf die Einhaltung der Termine, auf die Pünktlichkeit der beteiligten Firmen, auf die Qualität der abgelieferten Arbeit. Außerdem fallen Reparaturen und die Pflege von Außenanlagen in seinen Zuständigkeitsbereich.

Wenn Werner Adler gerade mal nicht für die GWG im Einsatz ist, genießt er es, nicht mehr ganz so früh raus zu müssen. „Ich fühle mich pudelwohl“, grinst er. Beschäftigung hat er zu Hause genug. Da ist Hugo, der Wellensittich, der sich beklagt, wenn er nicht genügend beachtet wird und schon Alarm schlägt, wenn er hört, dass der Haustürschlüssel rumgedreht wird und jemand nach Hause kommt. Da ist der große Garten, in dem immer etwas zu tun ist. Da sind die drei Enkel und der Spaß, sie heranwachsen zu sehen. „Und dann ist da ja noch meine Frau“, Adler grinst erneut.

Seit 1979 ist er mit seiner Carola verheiratet. Die beiden haben zwei erwachsene Söhne. Beide sind aus dem Haus. Deshalb fahren Adlers in Urlaub, so oft es geht. Ein Ferienglück mit Unterbrechungen, weil sie noch arbeitet. Einmal im Jahr Mallorca ist Pflicht. In der kalten Jahreszeit geht es zum Abfahrtski, bevorzugt nach Spindlermühle. „Einmal fahren wir in die Berge, einmal ans Meer.“ Im März haben die beiden jedenfalls wieder Malle gebucht.

Im vergangenen Jahr machten sie eine große Kanada-Reise, besichtigten die Metropolen, darunter Toronto, Montreal und Vancouver, machten einen Abstecher zu den Niagara-Fällen und tourten durch die Rocky Mountains. Noch haben sich nicht alle Reisewünsche erfüllt. „Meine Frau würde gern nach Afrika und wilde Tiere sehen.“ Doch vielleicht geht es in die norwegischen Fjorde. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Auch wenn Adler öfter das Fernweh packt, ist er gern in Niesky, das für ihn, der in Kosel eine unbeschwerte Kindheit verbracht hat, seit 1969 zur zweiten Heimat geworden ist. „Ich habe viel erlebt und immer Arbeit gehabt. Ich bin glücklich.“

All das hat André Holz im besten Fall noch vor sich. Seit anderthalb Jahren ist der gelernte Dachdecker mittlerweile bei der GWG. Eingearbeitet wurde er selbstverständlich von Werner Adler. „Es ist gut, dass er noch nicht ganz weg ist, und ich ihn immer noch das eine oder andere fragen kann“, freut sich André Holz. Er tritt in große Fußstapfen.